08.11.2009 07:23 | Meine Presse Merkliste0

Europa: USA suchen dritten Standort für Raketenschild

12.03.2008 | 18:28 |  Von unserem Korrespondenten NORBERT RIEF (Die Presse)

Vermutlich in der Türkei soll ein mobiles Radar installiert werden. Verhandlungen sollen beim Nato-Treffen beginnen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Washington. Mit dem Aufbau des umstrittenen Raketenschilds in Polen und Tschechien scheint es nicht getan zu sein. Die USA suchen einen weiteren Standort in Europa für ihre vor allem gegen Iran gerichtete Raketenabwehr.

Die „Missile Defense Agency“ (MDA) will eine mobile, hochauflösende Radaranlage in einem näher am Iran gelegenen Land errichten. Genannt wird die Türkei. Mit der Einrichtung können Raketen mit großer Genauigkeit und Klarheit verfolgt und angeblich auch echte Sprengköpfe von Attrappen unterschieden werden. Bisher haben die USA nur ein solches mobiles X-Radar in Kalifornien in Verwendung.


Verhandlungen bei Nato-Gipfel

Die Suche nach einem dritten Standort für die Raketenabwehr in Europa wollte der für Internationale Sicherheit zuständige Staatssekretär im US-Außenamt, John Rood, vor Auslandsjournalisten nicht bestätigen. Derzeit plane man keine Verhandlungen mit anderen Ländern, erklärte Rood in der Nacht auf Mittwoch in Washington.

Der Staatssekretär gestand aber ein, dass die in Polen und Tschechien geplante Anlage nicht in der Lage sei, „alle Alliierten zu schützen“. Betroffen wären bei Angriffen aus dem Iran Griechenland, Bulgarien, Rumänien und die Türkei. Man werde beim Nato-Gipfel in Bukarest im April darüber sprechen, „wie man mit dieser Bedrohung umgeht“.

Konkret geht es um die Kurz- und Mittelstrecken, die von der geplanten Langstrecken-Abwehr in Polen nicht erfasst werden. Die Nato arbeitet an einem entsprechenden System, das in das US-System integriert werden könnte.

Beim Nato-Treffen glaubt der Staatssekretär auch, letzte Vorbehalte gegen das viel kritisierte amerikanische Raketenschild ausräumen zu können. Man werde sehen, dass sich die Alliierten über die Bedrohungen einig seien und auch darüber, dass man sich mit diesen Bedrohungen beschäftigen müsse.


Militärhilfe für Polen

Insgesamt zeigte sich Rood, was den Aufbau des Raketenschilds betrifft, zuversichtlich. Auf die starken Vorbehalte Russlands hin habe man einzigartige Informationen mit Moskau ausgetauscht und gezeigt, dass die Anlage nicht in der Lage sei, Russlands Raketen zu trotzen. Gerüchte, wonach Außenministerin Condoleezza Rice und Verteidigungsminister Robert Gates noch in diesem Monat zu Schlussgesprächen nach Moskau reisen, wollte er nicht kommentieren.

Mit Polen und Tschechien scheint eine Einigung knapp bevorzustehen. Bei einem Besuch des polnischen Premiers Donald Tusk in Washington Anfang der Woche wurden offenbar letzte Hindernisse ausgeräumt. US-Präsident George Bush gab der Forderung nach, Polen im Gegenzug zur Stationierung von zehn Abwehrraketen bei der Modernisierung des Militärs zu helfen.

Tusk sprach von einem „Durchbruch“ und davon, dass man mit den USA „in allen Bereichen der globalen Sicherheit“ zusammenarbeiten werde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2008)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

4 Kommentare
Gast: ASVG-Sklave
13.03.2008 14:08
0 0

Listiges Kalkül

Die Provokation muss so lange weiter gehen, bis Russland mit dem Rücken gegen die Wand steht und die Nerven verliert. Dann kracht es primär in Europa, wo Präventivschläge gegen diese Raketenschilder ausgetragen werden. Einige russische Atomraketen werden ihren Weg über den großen Teich finden, um dort vielleicht einige amerikanische Großstädte zu treffen. - Aber: Europa und Russland werden ausradiert sein, und die hehren Ami-Gönner werden wieder einmal den guten Onkel Sam spielen und die "überlebenden Leichen" dieses Wahnsinns mit dem Marshall-Plan Nr. II beglücken, um der Nachwelt zu erzählen, wovor sie diese vor allem Bösen bewahrt haben. Das Schlimmste an diesem Szenario: Die europäischen Politiker spielen mit! Warum? Nachdenken! Und S C H A L O M alle miteinander, bis Ihr dahinter gekommen seid!

Helios
13.03.2008 08:52
0 0

Kommt da eine große Silvesterparty ??

Die Informationen,die China aus dem Server des Pentagons holen konnte, waren für die Chinesen sicher so erfreulich,daß sie bei der großen Silvesterparty mitmischen wollen und ihre Ausgaben für Raketen ja sogar Weltraumwaffen vervielfacht haben.
Ja wir haben viele Gründe zum Feiern: Da ist einmal
die erfreuliche Wirtschaftlage in der USA, dann das immer
interessantere Wetter,weiters die steigenden Nahrungsmittelpreise in Rußland etc...
Alles Gründe um die Ausgaben für Silvesterraketen
weltweit zu steigern.
Wenn wir Atomwaffena-z über Google aufrufen,
so können wir uns ein ungefähres Bild dieser großen
Feier machen.Nehmen wir sicherheitshalber etwas Koks
um das auszuhalten: Vielleicht schauen wir bei dieser
Party diesmal nicht wie Bagdad aus einem Hotel zu sondern von oben: Hurra dieser Pilz das war Peking
und dieser ja das war Washington das war Mokau...
Der pensionierte Leiter des amerikan.Atomwaffenarsenals
sagte einmal im Spiegel:Wir handelten wie Betrunkene

lurch
13.03.2008 13:17
0 0

Re: Kommt da eine große Silvesterparty ??

Danke für Ihren Beitrag. Leider haben wir die Rolle des Zuschauers schön langsam verspielt.
Das verursachen die Mätzchen beim Tschad-Einsatz und unsere Zusage zur EU-Verfassung.

Ich weiß nicht wie naiv man sein muß, um zu glauben, daß wir dadurch sicherer geworden sind. Sie haben zumindest versucht einigen die Augen zu öffnen.

Antworten Gast: Hyperion
13.03.2008 12:02
0 0

Re: Kommt da eine große Silvesterparty ??

Bravo Helios!!! Interessanter beitrag!

Schlagzeilen Politik

  • Mitterlehner: Kein neues Konjunkturpaket
    Sozialminister Hundstorfer hat ein neues Konjunkturpaket angeregt, Wirtschaftsminister Mitterlehner erteilt dem eine Absage. Bei der Konjunktur vertraut er dem "freien Spiel von Angebot und Nachfrage".
    US-Gesundheitsreform: Erster Erfolg für Obama
    Die Abgeordneten des Repräsentantenhauses entscheiden, die Vorlage des Präsidenten weiter zu erörtern. Auch in den Reihen der Demokraten war die Reform bis zuletzt umstritten.
    November 1989: Und dann fiel der erste Stein
    Sie haben auf unser Taxi mit Fäusten getrommelt und es hin und her geschaukelt. Wir fühlten uns wie in einem kleinen Boot bei hohem Seegang. Wie ich als ORF-Reporter im November 1989 den Fall der Mauer miterlebte.
  • Minister sollen doch in den U-Ausschuss kommen
    Der U-Ausschuss-Vorsitzende Martin Bartenstein (VP) signalisiert im "Presse"-Interview Einlenken: Mit Minister-Befragungen habe er kein Problem. Indes plädiert Bartenstein für einen EU-Außenminister Alfred Gusenbauer.
    UNO fordert Kampf gegen afghanische Korruption
    Der UN-Sicherheitsrat will von Präsident Karzai Maßnahmen gegen Drogenhandel, Vetternwirtschaft und Korruption sehen. Afghanistan reagiert empört auf die Vorwürfe.
    Neuer Job für Gusenbauer in der Vermögensverwaltung
    Der Ex-Kanzler ist seit kurzem der Europa-Direktor des Investmentfonds Equitas European Funds, der Tochter einer Firma mit Sitz in Chile. Ziel sei es, österreichische Investitionen in Chile zu fördern.
  • SPÖ legt sich bei Pensionsvorsorge quer
    Kanzler Werner Faymann akzeptiert die Förderung von Produkten ohne Kapitalgarantie nicht. Das hatte Vizekanzler Josef Pröll vorgeschlagen. Der verteidigt die Wahlfreiheit zwischen Risiko und Sicherheit.
    Michael Spindelegger: "Bin kein Teilzeit-Minister"
    Außenminister Spindelegger hat mehr als nur den ÖAAB im Sinn: Er will Frieden in Sri Lanka vermitteln und gibt Wolfgang Schüssel "intakte Chancen", dank deutscher und skandinavischer Hilfe, Ratspräsident zu werden.
    Sport in der DDR: Spione im Trainingsanzug
    Die Stasi hatte überall Spitzel. Viele Sportler der ehemaligen DDR, die nach der Wende Profikarrieren machten, leugnen bis heute dieses dunkle Kapitel ihrer Vergangenheit.
  • Nominierung: Heftige Kritik an „EU-Unkenntnis“ Hahns
    Grünen-Chefin Eva Glawischnig ärgert sich über eine frühere Ankündigung Hahns, er werde auch als Kommissar Chef der ÖVP Wien bleiben. Doch das ist EU-rechtlich nicht möglich.
    In Honduras heißt es: Zurück an den Start
    Gescheitert ist ein Abkommen zwischen Interimsstaatschef Micheletti und dem gestürzten Präsidenten Zelaya zur Beendigung der Staatskrise. Zelaya erklärte das Abkommen für „tot.
    Hundstorfer: Abgaben auf Vermögen für Sozialstaat
    Sozialminister Rudolf Hundstorfer stellt sich gegen die Seniorenwünsche: Er will eine Erhöhung um 1,5 Prozent, wie sie sich laut Gesetz ergibt, während die Pensionisten 1,9 Prozent fordern.