Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) hat am Freitag die "sofortige bedingungslose Freilassung" der beiden in Nordafrika entführten Österreicher gefordert. Die Entführung sei ein "massiver Unrechtsakt gegen Österreich" und man habe "nicht vor, auf die Forderungen der Entführer einzugehen" sagte der Kanzler vor dem Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel. Dies liege nicht in der Kompetenz der Regierung. Gusenbauer ersuchte dort seine Amtskollegen um politische Solidarität, aber auch um die Mithilfe aller Geheimdienste.
Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat prompt Unterstützung durch den französischen Geheimdienst in Aussicht gestellt. Er habe Gusenbauer zugesagt, "dass er natürlich auf unserer Unterstützung zählen kann, voll und ganz, in dieser besonders dramatischen Situation für die österreichischen Touristen", sagte Sarkozy am Freitag nach dem EU-Gipfel. Auch die restlichen Staatschefs stellten sich geschlossen hinter Österreich. "Alle Regierungen, die irgendetwas tun können, um die Freilassung der Geiseln zu erwirken, sind aufgerufen, alles in ihrer Macht Stehende dafür zu tun", forderte der slowenische Außenminister und amtierende Ratsvorsitzende Dimitrij Rupel
Gusenbauer versicherte, dass Österreich arbeite "mit allen Behörden in der Region eng zusammen", um "Gesundheit und Leben" der Geiseln zu sichern. Er habe außerdem an die Entführer den Appell gerichtet, die Österreicher freizulassen. "Wir sind ein friedliches Land, wir haben keine feindlichen Taten gesetzt", sagte der Kanzler. VP-Vizekanzler Wilhelm Molterer gab ihm Rückendeckung und betonte: "In der Frage der Geiseln ist die Regierung einer Meinung."
Sohn: "Lösegeldforderung wäre mir lieber"
Unterdessen hat Bernhard Ebner, der Sohn des in Nordafrika entführten Wolfgang Ebner, hat sich am Freitag mit einem Appell an die heimischen Politiker gewandt. Diese solle "alle Möglichkeiten ausschöpfen", um seinen Vater und dessen Freundin Andrea Kloiber wieder gesund nach Österreich zu bringen, teilte der Halleiner in einer Aussendung mit.
Am Donnerstagabend war die Forderung der Geiselnehmer bekannt geworden. Diese wollen, dass Österreich die Freilassung aller in Tunesien und Algerien inhaftierten Mitglieder der "al-Qaida im Islamischen Maghreb" veranlasse. "Wenn das Gerücht mit der Freilassung von Inhaftierten in Algerien und Tunesien stimmt, sehe ich das eher problematisch. Ich bin mir jedoch sicher, dass die Behörden und die Politik alles in ihrer Macht Stehende tun werden, um die beiden gesund nach Österreich zu bringen", erklärte Ebner. Er räumte gleichzeitig ein, dass ihm "eine Lösegeldforderung lieber gewesen" wäre.
Für Erleichterung bei den Angehörigen sorgten die sechs Fotos, welche die Geiselnehmer gemeinsam mit ihrer Forderung veröffentlichten. "Soweit man auf den Fotos erkennen kann, geht es ihnen gut - das freut mich natürlich", sagte der Sohn. "Andererseits ist es aber auch ein mulmiges Gefühl, das mich beschleicht, weil ich die Situation sehe und ihnen nicht helfen kann."
Den österreichischen Behörden wurde von den Entführern eine Frist von drei Tagen gesetzt, um die Erfüllung dieser Forderung herbeizuführen. Diese Frist beginne ab Donnerstag Mitternacht, hieß es in der Erklärung. Wörtlich schrieben die Verfasser: "Österreich ist verantwortlich für das Leben der beiden Geiseln, falls diese Frist ausläuft und unsere Forderungen nicht erfüllt werden." Die Familien der beiden Österreicher wurden aufgerufen, ihre Regierung entsprechend unter Druck zu setzen."Unsere Brüder leiden unter brutaler Folter"
In der Erklärung der al-Qaida in Nordafrika heißt es: "Sie sind an der Sicherheit Ihrer Bürger interessiert. Wir sind auch interessiert an der Freilassung unserer Brüder, die in tunesischen und algerischen Gefängnissen unter verschiedenen Arten brutaler Folter leiden."
Die Internet-Botschaft wurde auch von dem auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierten SITE-Institut in Washington verbreitet. Die auf den Fotos dargestellte Frau trägt ein blaues Kopftuch, ihr Gesicht ist verdeckt. Beide Geiseln tragen traditionelle arabische Kleidung. Sie werden auf den Fotos von teilweise maskierten Männern bewacht, die mit Granatenwerfern bewaffnet sind.
Bei den Geiseln handelt es sich um einen 51 Jahre alten Steuerberater und seine 43-jährige Freundin aus Hallein. Nach Angaben des Wiener Außenministeriums waren beide mit einem Geländewagen mit österreichischem Kennzeichen unterwegs und hatten sich zuletzt telefonisch aus dem Ort Matmata im Süden des Landes gemeldet. In einer vom arabischen Sender Al Jazeera ausgestrahlten Audiobotschaft hatte ein Mann, der sich als Sprecher der al-Qaida ausgab, erklärt, die Urlauber seien am 22. Februar entführt worden.
Vermisst seit Mitte Februar
Die beiden Österreicher werden seit Mitte Februar vermisst; damals hielten sie sich in Tunesien auf. Der nordafrikanische Arm des Terrornetzwerkes al-Qaida hatte sich in einer am Montag veröffentlichten Tonbandaufnahme zur Entführung der beiden Urlauber bekannt. (APA/Red.)

Entführungen: Österreicher als Opfer
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