Die Sicherheitslage in Afghanistan ist einem Expertenbericht zufolge trotz der Präsenz Zehntausender ausländischer Soldaten mittlerweile schlechter als im Irak. Noch unsicherer seien nur die palästinensischen Gebiete und Somalia, heißt es in einer Rangliste, die die auf Sicherheitspolitik spezialisierte britische Jane's Information Group am Dienstag veröffentlichte.
So habe die Regierung in Kabul weniger Kontrolle über ihr Staatsgebiet als die irakischen Behörden. Hilfsorganisationen warfen der internationalen Gemeinschaft unterdessen vor, sie habe 40 Prozent ihrer Hilfszusagen für Afghanistan bis heute nicht eingelöst.
Als Unsicherheitsfaktoren in Afghanistan nannte der für die Jane's-Rangliste zuständige Geschäftsführer Christian Le Miere auch den Drogenhandel, der einigen Schätzungen zufolge rund 50 Prozent der Wirtschaftskraft ausmache, und die Rohstoffarmut des Landes. Im Irak wirkten dagegen die weltweit proportional höchste Zahl ausländischer Soldaten, hohe Öleinnahmen und ein deutlicher Rückgang der Gewalt stabilisierend. Mit Hilfe der internationalen Truppen könne die Regierung dort ihren Willen im gesamten Staatsgebiet durchsetzen.
Die Gewalt in Afghanistan hat in den vergangenen zwei Jahren stetig zugenommen und mittlerweile das höchste Niveau seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 erreicht: Vergangenes Jahr wurden bei Kämpfen 6.000 Menschen getötet, davon ein Drittel Zivilisten. Dagegen ist die Gewalt im Irak seit der US-Truppenaufstockung vergangenen Sommer um mehr als 60 Prozent zurückgegangen.
Nach Angaben des Dachverbands für die Afghanistan-Hilfe, Acbar, wenden allein die USA rund 100 Millionen Dollar (64,2 Mio. Euro) täglich für den militärischen Kampf gegen die Taliban auf, während sich die Summe sämtlicher Hilfszahlungen seit 2001 nur auf sieben Millionen Dollar pro Tag summieren.
(APA)
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