Weissrussland: Land ohne Spielregeln

28.03.2008 | 18:39 |   (Die Presse)

Notwendige Veränderungs-Prozesse verlaufen chaotisch. Regierungsloyale und Oppositionelle tagen in Wien.

WIEN (b. b.). Es muss etwas passieren und es wird etwas passieren: Davon sind die meisten Teilnehmer einer derzeit laufenden Konferenz in der Diplomatischen Akademie in Wien überzeugt. Der wirtschaftlichen Kooperation und dem politischen Dialog widmet sich die vom Institut für den Donauraum und Mitteleuropa organisierte Veranstaltung, bei der versucht wird, regierungsloyale Vertreter und Oppositionelle aus Weißrussland zusammenzuspannen.

In der westlichen Welt hat Weißrussland wegen seines exzentrischen Langzeit-Machthabers Alexander Lukaschenko einen denkbar schlechten Ruf. Das zeigte nicht zuletzt auch der Protest der Österreichischen Hochschülerschaft gegen Wladimir Schimow, Rektor der Staatlichen Wirtschaftsuniversität in Minsk. Schimow hatte eine Studentin von seiner Universität gefeuert, weil sie zu einem Studententreffen in Frankreich gefahren war. Dafür wurde er nun in Wien mit Protestplakaten empfangen.

Aber: „Weißrussland wird sich ändern, es bleibt ihm gar nichts anderes übrig“, ist Leonid Zaiko vom Minsker Analyse-Zentrum „Strategiya“ überzeugt. Und die Elite-Forscherin Anna Zadora sagt: „Weißrussland steht an einem schwierigen Wendepunkt.“ Konkret: Geht Weißrussland nach West oder nach Ost. Zadora vertrat dabei die These, dass der politische Dialog zwar nützlich sei, „aber die Situation sich einzig über wirtschaftliche Hebel beeinflussen lässt“. Dies auch darum, weil die Wirtschaftselite die einzige Gruppe sei, der die Machthaber noch zuhörten.


Chaotische Veränderungen

Jaroslaw Romantschuk vom wissenschaftlichen Forschungszentrum Mises in Minsk meinte, dass es mit den derzeit noch guten wirtschaftlichen Kennziffern bald vorbei sein könnte, wenn nicht mehr Kapitel aus dem Ausland komme: „Ohne massive Auslandsinvestitionen wird keine Modernisierung des Landes möglich sein.“ Nicht nur er beklagte, dass es im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Alltag Weißrusslands keine klaren Spielregeln gebe und deshalb die notwendigen Veränderungsprozesse so chaotisch verliefen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2008)


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