WIEN/TIFLIS (ag.). Der Abschuss eines unbemannten Aufklärungsflugzeuges sorgt für eine weitere Verschärfung der diplomatischen Krise zwischen Russland und Georgien. Die Regierung in Tiflis beschuldigt die russische Luftwaffe, die Drohne am vergangenen Sonntag über der abtrünnigen Provinz Abchasien zerstört zu haben. Das georgische Verteidigungsministerium veröffentlichte am Montag ein Video, das nach georgischen Angaben einen russischen MiG-29-Kampfjet zeigt, der eine Rakete auf die ferngesteuerte Drohne abschießt.
Georgiens Präsident Michail Saakaschwili bezeichnete den Abschuss in einer TV-Ansprache – sichtbar verärgert – als „ernsthaften Verstoß gegen die UN-Charta“. In einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin verlangte er ein „sofortiges Ende der aggressiven Attacken auf Georgien“.
Verstoß gegen Waffenruhe
Sowohl Putin als auch die russische Militärführung lehnten jede Verantwortung für den Zwischenfall ab. Ein Sprecher der Luftwaffe erklärte, kein russisches Flugzeug habe sich zur fraglichen Zeit in der Nähe befunden. Der Abschuss müsse das Werk der abchasischen Luftabwehr sein.
Putin reagierte auf die Nachricht mit einem verbalen Gegenangriff: Er sei „verwundert“ über die Anwesenheit eines georgischen Aufklärungsflugzeugs über Abchasien. Schließlich sei dies ein Verstoß gegen die 1994 vereinbarte Waffenruhe zwischen Abchasien und Georgien.
Die anhaltenden Spannungen zwischen Georgien und Russland werden am heutigen Mittwoch auch im Rahmen eines UN-Treffens thematisiert werden. Georgien hatte den UN-Sicherheitsrat angerufen, nachdem Russland vergangene Woche die Vertiefung der Beziehungen zu den beiden abtrünnigen Regionen Abchasien und Süd-Ossetien im Norden Georgiens angekündigt hatte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2008)

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