ROM. Als die Römer bei der Parlamentswahl vor zwei Wochen auch einen neuen Bürgermeister bestimmen sollten, war es schon überraschend, dass der Kandidat der gemäßigten Linken, Francesco Rutelli, nicht gleich in Runde eins gewann. Montagabend war das Desaster für die Partito Democratico von Walter Veltroni perfekt: Der 53-Jährige, der Veltronis Vorgänger war und den dieser sich als Nachfolger auf dem Kapitol wünschte, verlor den symbolischen Kampf um Rom gegen Giovanni Alemanno vom Mitte-Rechts-Bündnisses um Neo-Premier Silvio Berlusconi.
"Rom ist mehr als nur Kino"
Mit 53,6 Prozent konnte sich Alemanno klar durchsetzen. Dabei hatte Rutelli, der zuletzt Kulturminister und Vize von Premier Romano Prodi war, vor zwei Wochen noch mit 45,8% vor Alemanno (40,7%) geführt. Nach ihrem triumphalem Sieg in der Parlamentswahl aber machte Berlusconi die Frage, wer Rom regiert, zur Schicksalsfrage: Die Parteiprominenz betrieb nochmals Wahlkampf, unter dem Motto „Rom ist mehr als nur Kino“.
Damit spielte Alemanno auf Veltronis Vorliebe für Film und Showbusiness an; der langjährige Bürgermeister hat Rom zwar ein neues Filmfestival beschert, in den Augen vieler aber nichts gegen die Verwahrlosung der Vorstädte getan – und vor allem gegen Ausländer und die angeblich schnell wachsende Kriminalität.
Insgesamt 15 Jahre lang wurde Rom von Linken regiert, und ihre Bilanz kann sich durchaus sehen lassen, zumindest in der Innenstadt. Neue Bus- und Straßenbahnlinien sorgen dafür, dass der öffentliche Verkehr etwas besser funktioniert. Veltroni gelang es auch, prestigeträchtige Kulturereignisse an den Tiber zu holen.s
Hass auf Rumänen
In den Vororten allerdings wuchern die Bausünden und der öffentliche Verfall. Dazu kommen Elendssiedlungen, die jeder afrikanischen Großstadt Ehre machen. Dort leben vor allem illegale Migranten aus Rumänien, die in Italien extrem unbeliebt sind. Seitdem Rumänien in der EU ist, strömen Hunderttausende Rumänen nach Italien. Ganz unten auf der sozialen Skala sind rumänische Roma.
Zwar gilt Rom noch immer als sichere Stadt, und die Kriminalitätsraten sind ingesamt kaum gestiegen. Zahlen des Innenministeriums zufolge wächst aber der Anteil der Delikte, die von Ausländern verübt werden, deutlich.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2008)

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