1. Mai-Kundgebung: Straßenschlacht in Istanbul

01.05.2008 | 14:51 |   (DiePresse.com)

Die türkische Polizei ging mit Wasserkanonen, Tränengas und Gummiknüppeln gegen die Demonstranten vor. Weltweit stand der 1. Mai auch im Zeichen des Protests gegen die hohen Lebensmittelpreise.

Bei schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten in Istanbul sind am Tag der Arbeit zahlreiche Menschen verletzt worden. Mehr als 500 Personen wurden festgenommen. Die Polizei ging mit Wasserkanonen, Tränengas und Gummiknüppeln gegen mehrere hundert Arbeiter und Studenten vor, die sich trotz Verbots zu einer Mai-Kundgebung versammeln wollten. Die Polizei sprach von sechs verletzten Polizisten. In Russland demonstrierten Zehntausende Menschen gegen steigende Lebenshaltungskosten und forderten deutliche Lohnerhöhungen.

Die Mai-Demonstrationen auf dem Taksim-Platz in Istanbul sind seit 1977 verboten. Damals kamen 37 Menschen ums Leben, als unbekannte Täter das Feuer auf Demonstranten eröffneten. Zur Durchsetzung des Verbots waren am Donnerstag 20.000 Polizisten im Einsatz. Bereits im vergangenen Jahr wurden mehrere hundert Demonstranten auf dem Taksim-Platz verhaftet. Die Türkei hat den 1. Mai nach dem Militärputsch von 1980 als Feiertag abgeschafft.

Moskau: "Nein zu höheren Preisen"

In Moskau beteiligten sich rund 30.000 Menschen an Mai-Kundgebungen. Kommunistenchef Gennadi Sjuganow verlangte vor rund 4.000 Menschen eine Anhebung der Mindestpensionen. Anhänger der Kreml-Partei Geeintes Russland trugen bei einem Protestzug in Moskau Plakate mit den Aufschriften "Wirtschaftswachstum nicht nur für die Reichen" und "Nein zu höheren Preisen!". Teilnehmer des Protestzugs der Kommunistischen Partei hatten dagegen Stalin- und Lenin-Porträts bei sich. In St. Petersburg versammelten sich mehrere Hunderte Oppositionelle.

In der Sowjetunion war der 1. Mai einer der Hauptfeiertage zur Demonstration von Arbeitersolidarität. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR hat der Tag allerdings nach und nach an Bedeutung verloren.

Tschechien: Warnung vor Spaltung Europas

Die oppositionellen Kommunisten in Tschechien, die 26 der 200 Parlamentsabgeordneten stellen, übten Kritik an der Regierung unter dem konservativen Ministerpräsidenten Mirek Topolanek.

KSCM-Chef Vojtech Filip warf in Prag dem Kabinett vor, zu einer neuen Spaltung Europas beizutragen, indem es mit der geplanten Errichtung einer Radaranlage als Teil des US-Raketenabwehrsystems in Zentraleuropa einverstanden sei. An der Europäischen Union vorbei schleiche Topolankes Regierung buckelnd nach Washington.

"Senkt die Lebensmittelpreise jetzt"

Unter dem Eindruck der weltweiten Nahrungsmittelkrise gingen am Donnerstag Tausende Menschen in der indonesischen Hauptstadt Jakarta auf die Straße. Sie trugen Plakate mit der Aufschrift "Senkt die Lebensmittelpreise jetzt" und "Mehr Geld für Arbeiter und Bauern". In der thailändischen Hauptstadt Bangkok forderten tausende Demonstranten einen höheren Mindestlohn von rund 230 Baht (4,69 Euro) pro Tag.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) rief Politik und Unternehmen am diesjährigen Tag der Arbeit zu mehr Anstrengungen für die Vollbeschäftigung in der Bundesrepublik Deutschland auf. Die Arbeitgeber müssten Investitionen vornehmen, die auf Sicherung und Schaffung von Beschäftigung ausgerichtet seien, sagte DGB-Chef Michael Sommer auf der zentralen Maikundgebung des DGB in Mainz.

Der Kampf für ein flexibles Pensionsalter und Mindestlöhne von 3.500 Franken (2.168 Euro) prägte in der Schweiz die Reden zum 1. Mai. Allein in Zürich versammelten sich am Vormittag mehrere tausend Personen zum traditionellen 1.-Mai-Umzug. Die von den Gewerkschaften organisierte Kundgebung stand unter dem Motto "Sozialer Fortschritt - jetzt". (Ag.)

 


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