22.11.2009 04:19 | Meine Presse Merkliste0

1. Mai-Kundgebung: Straßenschlacht in Istanbul

01.05.2008 | 14:51 |   (DiePresse.com)

Die türkische Polizei ging mit Wasserkanonen, Tränengas und Gummiknüppeln gegen die Demonstranten vor. Weltweit stand der 1. Mai auch im Zeichen des Protests gegen die hohen Lebensmittelpreise.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Bei schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten in Istanbul sind am Tag der Arbeit zahlreiche Menschen verletzt worden. Mehr als 500 Personen wurden festgenommen. Die Polizei ging mit Wasserkanonen, Tränengas und Gummiknüppeln gegen mehrere hundert Arbeiter und Studenten vor, die sich trotz Verbots zu einer Mai-Kundgebung versammeln wollten. Die Polizei sprach von sechs verletzten Polizisten. In Russland demonstrierten Zehntausende Menschen gegen steigende Lebenshaltungskosten und forderten deutliche Lohnerhöhungen.

Die Mai-Demonstrationen auf dem Taksim-Platz in Istanbul sind seit 1977 verboten. Damals kamen 37 Menschen ums Leben, als unbekannte Täter das Feuer auf Demonstranten eröffneten. Zur Durchsetzung des Verbots waren am Donnerstag 20.000 Polizisten im Einsatz. Bereits im vergangenen Jahr wurden mehrere hundert Demonstranten auf dem Taksim-Platz verhaftet. Die Türkei hat den 1. Mai nach dem Militärputsch von 1980 als Feiertag abgeschafft.

Moskau: "Nein zu höheren Preisen"

In Moskau beteiligten sich rund 30.000 Menschen an Mai-Kundgebungen. Kommunistenchef Gennadi Sjuganow verlangte vor rund 4.000 Menschen eine Anhebung der Mindestpensionen. Anhänger der Kreml-Partei Geeintes Russland trugen bei einem Protestzug in Moskau Plakate mit den Aufschriften "Wirtschaftswachstum nicht nur für die Reichen" und "Nein zu höheren Preisen!". Teilnehmer des Protestzugs der Kommunistischen Partei hatten dagegen Stalin- und Lenin-Porträts bei sich. In St. Petersburg versammelten sich mehrere Hunderte Oppositionelle.

In der Sowjetunion war der 1. Mai einer der Hauptfeiertage zur Demonstration von Arbeitersolidarität. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR hat der Tag allerdings nach und nach an Bedeutung verloren.

Tschechien: Warnung vor Spaltung Europas

Die oppositionellen Kommunisten in Tschechien, die 26 der 200 Parlamentsabgeordneten stellen, übten Kritik an der Regierung unter dem konservativen Ministerpräsidenten Mirek Topolanek.

KSCM-Chef Vojtech Filip warf in Prag dem Kabinett vor, zu einer neuen Spaltung Europas beizutragen, indem es mit der geplanten Errichtung einer Radaranlage als Teil des US-Raketenabwehrsystems in Zentraleuropa einverstanden sei. An der Europäischen Union vorbei schleiche Topolankes Regierung buckelnd nach Washington.

"Senkt die Lebensmittelpreise jetzt"

Unter dem Eindruck der weltweiten Nahrungsmittelkrise gingen am Donnerstag Tausende Menschen in der indonesischen Hauptstadt Jakarta auf die Straße. Sie trugen Plakate mit der Aufschrift "Senkt die Lebensmittelpreise jetzt" und "Mehr Geld für Arbeiter und Bauern". In der thailändischen Hauptstadt Bangkok forderten tausende Demonstranten einen höheren Mindestlohn von rund 230 Baht (4,69 Euro) pro Tag.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) rief Politik und Unternehmen am diesjährigen Tag der Arbeit zu mehr Anstrengungen für die Vollbeschäftigung in der Bundesrepublik Deutschland auf. Die Arbeitgeber müssten Investitionen vornehmen, die auf Sicherung und Schaffung von Beschäftigung ausgerichtet seien, sagte DGB-Chef Michael Sommer auf der zentralen Maikundgebung des DGB in Mainz.

Der Kampf für ein flexibles Pensionsalter und Mindestlöhne von 3.500 Franken (2.168 Euro) prägte in der Schweiz die Reden zum 1. Mai. Allein in Zürich versammelten sich am Vormittag mehrere tausend Personen zum traditionellen 1.-Mai-Umzug. Die von den Gewerkschaften organisierte Kundgebung stand unter dem Motto "Sozialer Fortschritt - jetzt". (Ag.)

 

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

Schlagzeilen Politik

  • EU-Topjobs: Schüssel und Plassnik bis zuletzt im Rennen
    Die Dänen und Osteuropäer waren für Ex-Kanzler Schüssel als Ratspräsident der EU. Aber Bundeskanzler Faymann will nichts gehört haben.
    Strache: "Hass gegen demokratische Bewegung"
    FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache betonte die Friedlichkeit des Festkommers der Burschenschafter in der Wiener Hofburg. Rund 500 Personen demonstrierten am Ring.
    Hofburg-Wahl: Gerüchte über Fischers Wiederkandidatur
    Angeblich will Bundespräsident Fischer am Donnerstag seine Wiederkandidatur bekanntgeben. Aus der Präsidentschafts-Kanzlei kam bloß: "Kein Kommentar".
  • Regierungsbilanz: Das verlorene Jahr
    Das Kabinett „Faymann I“ hat in seinem ersten Jahr viel getan. Nur das Wichtigste nicht. Selten war die Zeit für die Vorbereitung unpopulärer, aber notwendiger Reformen besser als im Vorjahr. Eine verpasste Chance.
    Heinisch-Hosek: Eine Mutter auf Zeit
    Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek erzählt u.a. wie ein schwerstbehindertes Kind drei Jahre lang ihr Leben bereichert hat, was ihr von dieser ungewöhnlichen Beziehung geblieben ist.
    Adoption: Zwei Mütter für Janis
    Adoption bleibt im Gesetz zur Homo-Ehe für schwule und lesbische Partner verboten. Doch viele Paare mit Kinderwunsch haben längst ihren Traum vom Nachwuchs verwirklicht.
  • Grünen-Chef Özdemir: "Das Türkische ist keine In-Kultur"
    Seit einem Jahr ist Cem Özdemir Chef der Grünen Deutschlands. Mit der "Presse am Sonntag" spricht er über Integration, Bildung und seine Elternzeit: "So modern, wie wir immer tun, sind wir in Mitteleuropa nicht".
    Davutoglu: Der Kissinger aus Konya
    Lernen von den Osmanen: Ahmet Davutoglu richtete die türkische Außenpolitik neu gen Osten aus: Europa muss sich Ankaras Aufmerksamkeit nun teilen. Mit seiner Brille, seiner zierlichen Gestalt wirkt Ahmet Davutoglu manchmal wie ein gealterter Student.
    Kabul: Rakete schlägt in Luxushotel ein
    Bei dem Anschlag stürzte eine Wand des Gebäudes ein. Es gab sieben Verletzte. Die Regierung in Kabul will die afghanischen Polizei- und Militärkräfte auf 400.000 Mann ausbauen.
  • Bürgerkrieg: "Es war eine Diktatur. Punkt."
    Umstrittenes Gedenken an 1934: Vor 75 Jahren war Bürgerkrieg in Österreich, ideologische Gräben verhindern eine gemeinsame Aufarbeitung. Prominente Historiker wollen jetzt die Opfer des Ständestaates rehabilitieren.
    Avraham Burg: „Traumawettbewerb“
    Avraham Burg provoziert: Der Sohn eines Holocaust-Überlebenden und frühere Knessetpräsident fordert die Überwindung des Holocaust-Traumas. Leistet er damit einen Beitrag zur Schlussstrichdebatte?
    Gasstreit: Putin als Timoschenkos Wahlhelfer
    Mit seiner „Großzügigkeit“ unterstützt Russland die einstige Erzfeindin. Die Ukraine darf fortan ohne Angst vor Sanktionen weniger Gas einkaufen als bisher vertraglich vereinbart war.