26.05.2012 02:01 | Meine Presse Merkliste 0

Kosovo: Feier ohne Freudentänze

15.06.2008 | 18:59 |  Von unserem Korrespondenten ERICH RATHFELDER (Die Presse)

Reportage. Die neue Verfassung ist am Sonntag in Kraft getreten, doch viele Kosovaren sind ernüchtert.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

prishtina.Im Februar tanzten die Menschen im Kosovo noch vor Freude über die Unabhängigkeit des neuen Staates in den Straßen. Als gestern, Sonntag, die neue Verfassung mit einer feierlichen Zeremonie in Kraft trat, war von dieser ausgelassenen Stimmung nichts mehr zu spüren. Auch die Studenten, die auf den Treppen der Bibliothek sitzen, zeigen sich ernüchtert: „Wir sind im Kosovo einen Schritt vorwärts gekommen, aber wir leben noch nicht in einem wirklich unabhängigen Staat“, sagt der 20-jährige Bekim Gashi unter dem beifälligen Nicken seiner Freunde. Denn es hat sich herumgesprochen, dass die neue Verfassung „nur für Albaner, Roma, Bosniaken, Türken und andere Minderheiten gilt, aber noch nicht für die Serben des Kosovo“, meint Migjen Kelmendi, Chefredakteur einer der vielen Wochenzeitungen des Landes. Die Serben des Kosovo, so der Tenor vieler politischer Beobachter, hätten es mit Hilfe Belgrads und Moskaus durchgesetzt, „unabhängig von der Unabhängigkeit des Kosovo zu bleiben“.


Zugeständnis an Moskau und Belgrad

Das wurde auch jetzt deutlich. In einem Brief an die Präsidenten Serbiens und Kosovos hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den ursprünglichen Übergangsplan geändert. Mit Inkrafttreten der Verfassung am 15. Juni sollte die Mission der UNO, die Kosovo seit 1999 wie ein Protektorat führt, beendet werden. In Hinkunft sollte nur noch eine Mission der EU im Kosovo tätig sein. Zudem sollte dem Kosovo-Parlament und der Regierung mehr Macht zugestanden werden. Jetzt erklärte Ban, die UNO solle noch in verkleinerter Form im Lande bleiben, und die von der EU geplante Rechts-, Verwaltungs-und Polizeihilfemission „Eulex“ solle unter dem Schirm der UNO „statusneutral“ aufgebaut werden. Zudem werden die kosovo-serbischen Selbstverwaltungsorgane akzeptiert und der Minderheit sogar eigene Gerichte zugestanden.

Damit kam der Generalsekretär den Forderungen Moskaus und Belgrads entgegen, die nach wie vor auf dem Verbleiben der UNO und der Resolution 1244 im Kosovo bestehen. In der neuen Verfassung des Kosovo aber ist die UN-Mission nicht mehr enthalten. In ihr wird vielmehr der internationalen Gemeinschaft zugestanden, mit einem „Internationalen Zivilen Büro – International Civil Office“ (ICO) die Politik im Lande zu überwachen und die EU-Eulex-Mission mit bis zu 2000 Mitarbeitern aufzubauen. Dem EU-Sondergesandten Pieter Feith als Chef von ICO wird das Recht eingeräumt, Gesetze aufzuheben und Politiker abzusetzen.

Mit dem Brief des UN-Generalsekretärs hat sich der ohnehin komplizierte Staatsaufbau nochmals verkompliziert. Selbst Diplomaten in Prishtina befürchten, dass internationale Parallelstrukturen ein Kompetenzwirrwarr erschaffen. Und die serbische Minderheit ist zunächst von der neuen Verfassung nicht betroffen.

Das einfache Volk versteht das alles ohnehin nicht mehr. „Wir hoffen nur, dass die internationalen Institutionen ihr Versprechen halten, uns den Weg nach Europa zu ebnen“, sagen die Studenten an der Bibliothek.

AUF EINEN BLICK

Kosovos Präsident Fatmir Sejdiu hat am Sonntag mit seiner Unterschrift die neue Verfassung des Kosovo in Kraft gesetzt.

Die Institutionen des neuen Staates werden – etwa im Bereich Justiz – von einer internationalen Mission überwacht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2008)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

16 Kommentare
Gast: Illyrer Albaner und Griechen sind Verwandt
17.06.2008 19:04
0 0

Das Schreibt Dora Bokoyanis an den Bürgermeister von Tirana Edi Rama! "Albaner sind unsere Verwandte"

Dear Mayor Rama,

I was delighted to receive your letter of congratulations on the occasion of my election as World Mayor 2005; delighted for two main reasons: first, because they come from you, a good friend and the holder of the 2004 title! Second, because of the brotherly relations our two cities enjoy. Tirana is the capital of our neighbour and “cousin” Albania; a city quickly transforming itself under your able administration; the capital of a fast developing country. It is our sincere wish that Albania will also take its place as a partner of Greece in the European Union the soonest possible.
As you rightly point out, my city plays host to a considerable number of your co-nationals; they contribute, to the best of their ability, not only to their own progress, but to that of the city as well. They constitute one more bond between our two cities and countries. The Municipality of Athens is doing everything it can to assist them and help them integrate into Athenian life.

Antworten Gast: Gast
18.06.2008 12:52
0 0

Re: Das Schreibt Dora Bokoyanis an den Bürgermeister von Tirana Edi Rama!

Die Alt Griechen waren doch Illyrer also Albaner!

Aber diese eingewanderte Russen,Bulgaren,Serben und Türken in Griechenland schüren Hass zwischen Griechen und Albaner.

Den muss man irgendwie diese grosse Klappe verbieten.

Überall wo die sind verbreiten Hass und Hetzen die Leute gegenseitig.

Egal wo die sind die müssen immer was schlechtes über Albaner sagen aber das wird auch ein Ende haben.

Und wie sie das Unwissen der anderen aussnutzen?

Jeder Deutsche der ein Serbe getroffen der hat bestimmt sowas gehört wie "Kosova is unsere oder Albaner sind Kriminel oder das ist so mit dem Kosova wie als ob euch Deutschen jemand Land wegnimmt dann würdet ihr auch dagegen sein."LOL

Aber leider gehört das Land den Albaner schade für die Serben.

Manchmal hab ich das gefühl manche Deutschen mögen dass was Serben so machen und sagen!

Antworten Antworten Gast: Kenner
18.06.2008 15:34
0 0

Re: Re: Das Schreibt Dora Bokoyanis an den Bürgermeister von Tirana Edi Rama!

Auch an sie: wir haben das Jahr 2008.

Gruß!

Antworten Antworten Antworten Gast: Gast
22.06.2008 18:18
0 0

Re: Re: Re: Das Schreibt Dora Bokoyanis an den Bürgermeister von Tirana Edi Rama!

Ich bin im jahr 2008!
Wenn es euch Stolpersteine nicht geben würde dann wären wir im jahr 2100!


towercon
16.06.2008 11:19
0 0

Die nächste Konfrontation ist vorprogrammiert.

Ist nicht genug Chaos im Kosova vorhanden?
Warum werden Russland zugeständnisse erteilt?

Russland erzeugt noch mehr Unmut bei uns Albanern.
Wollen Sie uns zum wiederholten male verhönen, provozieren, destabilieseren ...

Den Mund halten und überall wo ein Serbe ist wegsehen, soll nun das probate Mittel sein?
Wir Kosovaren haben es nicht geschafft aus eigener Kraft die Unahbängigkeit zu erreichen, aber man soll nicht von uns zuviel verlangen, denn deiese neue Zweiklassengesellschaft kann nur Unheil bringen.

Gleiche Rechte für alle in einem Unabhängigen Kosova und alle die mit Gewalt dagegen angehen muss mit probaten Mitteln entgegengewirkt werden.

MfG

Antworten Gast: Illyrer
16.06.2008 20:20
0 0

Re: Die nächste Konfrontation ist vorprogrammiert.

@towercon

Kosova hat jetzt eine Verfassung und das zählt. Ob sich die Serben damit abfinden oder nicht ist nicht unser Problem.

Die Serben können das wieder feiern so wie immer, weil wir ja gelern haben das die Serben wenn sie verlieren immer wieder feiern und Schnaps trinken damit sie die REALITÄT wieder verdrängen können.

Ich persönlich werde jetzt Fussball schauen und bin gespant wer gewinnen wird, die Österreicher oder die Deutschen. Wenn es nach mir gehen würde würde ich es beiden die Qualifikation wünschen. Schauen wir was kommt. Die Serben sind sicher wieder nur mit den Russen.

Gast: SHQIPTAR
16.06.2008 02:19
0 0

PRESHEVA

WENN ES DEN SERBEN IN KOSOVA ALLES ERLAUBT WIRD, WIE ZUM BEISPIEL EIGENES GERICHT und DAS DIE VERFASSUNG NICHT FÜR SIE GILT. DANN SOLLTE DIE SERBISCHE VERFASSUNG AUCH NICHT FÜR DIE ALBANER IN PRESHEVA GELTEN!!!!!

Antworten Gast: Messalina
16.06.2008 10:07
0 0

Re: PRESHEVA

die Albaner sollen sich verziehen, sie haben ja jetzt Albanien und den Kosovo, oder peilen sie darauf, sich auch noch dieses Gebiet unter den Nagel zu reißen

Antworten Antworten Gast: Gast
18.06.2008 12:33
0 0

Re: Re: PRESHEVA

Ihr sollt euch verziehen ihr habt eure Russland.


Antworten Gast: Kenner
16.06.2008 09:53
0 0

Re: PRESHEVA

Wieso? Soweit ich weis sind die Albaner im Presevo mit ihrem Status zufrieden. Im Parlament haben sie auch Abgeordnete. Sie bekommen auch finanzielle Hilfe vom Staat. Sie können auch allerdings auf ihre Rechte, welche ihnen in der Verfassung der Republik Serbien versichert werden, auch verzichten. Nur dann entsteht sowas wie das Kosovo. Und ich denke, dass die albanischen Bewohner des Presevo das nicht wollen. Zumal weil Serbien eindeutig "reicher" ist.

Jetzt zu Kosovo.
Kosovo ist sowohl eine Serbische Provinz, als auch ein unabhängiger Staat. Für die Staaten welche das Kosovo anerkannt haben, ist Kosovo unabhängig. (Nur bin ich mal gespannt, wie lange diese "Anerkennung" dauern wird.) Für all die Staaten, welche das Kosovo nicht anerkannt haben, ist Kosovo eine Serbische Provinz.(Darunter auch Serbien.) Und wenn die Serben eine eigene Verwaltung wollen, dann ist das nur Gerechtfertigt. Da die Albaner auch das Recht hatten.

Mit freundlichen Grüßen,

Kenner

Antworten Antworten Gast: Arber
16.06.2008 16:59
0 0

Re: Re: PRESHEVA

Gehts noch ?
Die Rechte der Albaner in Serbien haben wir ja gesehen sobald Tito gestorben war.
Wenn sie darauf bestehen dass nach Ethnien geteilt wird (was völliger Wahnsinn ist und das wird nicht mal Russland unterstützen ), dann sollen doch auch die Albaner und alle anderen Minderheiten in Serbien das gleiche Recht haben.

P.S. Es gilt nachwievor das recht des stärkeren.
Genauso wie ihr Albanien 1912 geteilt habt, kann man auch die albanischen Gebiete wieder zurückholen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Kenner
17.06.2008 09:03
0 0

Re: Re: Re: PRESHEVA

Wann gehörte jemals das Kosovo zu Albanien? Abgesehen in der Illyrer-These und in der NS-Zeit(!). Mein lieber Herr, wir schreiben das Jahr 2008. Und nicht 1989, 1991, 1995 oder 1999. Fakt ist, die Albaner haben ihre Abgeordneten im Parlament, sie bekommen Hilfe vom Staat (wie in der Verfassung definiert) und sie bekommen noch zusätzliche Hilfe, da sie eine Minderheit sind. Sie haben einen klardefinierten Status in der Verfassung. Und zwar den Status einer Minderheit. Natürlich gibt es auch gewisse Gedanken sich Kosovo anzuschließen. Doch die Mehrheit will das nicht. Wieso sollten sie sich selber in einen Sumpf ziehen. Wenn sie bald, in der EU sein können.

Mit freundlichen Grüßen,

Kenner

chilly
16.06.2008 00:23
0 0

gleiches recht für alle

zitat:
Die Serben des Kosovo, so der Tenor vieler politischer Beobachter, hätten es mit Hilfe Belgrads und Moskaus durchgesetzt, „unabhängig von der Unabhängigkeit des Kosovo zu bleiben“.
antwort:
sollten nicht die serben das gleiche recht auf selbstbestimmung wie die albaner haben? wenn es für die albaner in einem serbischen staat zu leben unzumutbar sein sollte, dann ist es ebnso unzumutbar für die serben in einem zweiten albanien zu leben.

Antworten Gast: Messalina
16.06.2008 10:08
0 0

Re: gleiches recht für alle

das meine ich auch

Antworten Gast: Arber
16.06.2008 03:02
0 0

Re: gleiches recht für alle

Ja , das finde ich auch. Aber dann sollten auch die Albaner die in Serbien leben auch das Recht jaben. und all die anderen Minderheiten doch auch.
Sieh es endlich ein du verwirrter Nationalist !
Kosovo wird nicht mehr zu Serbien gehören.

Antworten Antworten Gast: Kenner
17.06.2008 09:07
0 0

Re: Re: gleiches recht für alle

Ok. Das heißt, die Serben bekommen den Norden Kosovos und die Republika Srpska, und die Albaner bekommen Südkosovo. Dia anderen Minderheiten gehen leer aus. Da die Serben überall in der Mehrheit sind. Auf das Kosovo kann dies nicht übertragen werden, da die Albaner sich mit der illegalen Sezession das Recht nahmen.

Mit freundlichen Grüßen,

Kenner