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Australien: 300.000 neue Einwanderer

20.06.2008 | 19:06 |  Von unserem Korrespondenten BORIS B. BEHRSING (Die Presse)

Die Regierung folgt dem Ruf der Wirtschaft nach mehr ausländischen Arbeitskräften. Vor allem Facharbeiter sind willkommen.

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MELBOURNE.Australien macht seine Tore auf, zieht die Rollläden hoch, die die frühere konservative Regierung von Ron Howard heruntergelassen hatte. Denn dem Land fehlen Arbeitskräfte, vor allem Facharbeiter. Und das gefährdet nach Meinung von Experten den Wirtschaftsaufschwung und damit das Wohlstandsniveau der Australier. Die Einwanderungsbehörden machen deshalb Überstunden, um neue Programme zu konzipieren, mit denen ausländische Arbeitskräfte ins Land gelockt werden können.


„Visa 457“ als Eintrittskarte

Die Lage wird als so ernst angesehen, dass die neue Labor-Regierung bereit ist, nicht mehr nur fachlich ausgebildete Arbeitskräfte im Lande aufzunehmen, sondern auch ungelernte. „Visa 457“ heißt das Dokument, das die Tür nach Australien öffnet. Einwanderungsminister Chris Evans hat gerade die Einwanderungsquote um 30 Prozent auf 300.000 Plätze erhöht – die höchste Jahresquote seit dem Beginn der europäischen Masseneinwanderung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Mindestens 31.000 der Neuankömmlinge sollen Fachkräfte sein.

Welche Hautfarbe die Zuwanderer haben, spielt im zunehmend multikulturellen Australien (20,5 Mio. Einwohner) keine Rolle mehr. Der Einwanderungsminister sieht in der neuen Richtung der Einwanderungs-Politik so etwas wie eine „Revolution“. Früher, so Evans, ging es Australien um die Besiedlung der weitgehend leeren Gebiete des Kontinents. Heute sei die Einwanderung zu einem wirtschaftspolitischen Instrument geworden. Er fügte hinzu: „Wir müssen auch an die Überalterung unserer Bevölkerung denken.“

Australien müsse heute praktisch den Preis dafür zahlen, dass die frühere konservative Regierung von Ron Howard nicht in berufliche Ausbildung und Modernisierung der Infrastruktur investiert habe.


Gewerkschaften schweigen

Dass die erst sechs Monate amtierende Labor-Regierung von Premierminister Kevin Rudd so bereitwillig dem Ruf der Wirtschafts-Bosse nach höheren Einwanderungsquoten gefolgt ist, hätte noch vor kurzem Protestgeschrei der Gewerkschaften ausgelöst. Aber angesichts der niedrigsten Arbeitslosigkeit seit 30 Jahren, des anhaltenden Wirtschaftsbooms, einer schrumpfenden Mitgliedschaft und einer vergreisenden Arbeiterschaft tolerieren selbst die militantesten Gewerkschaften die jüngste Entwicklung.

In der Öffentlichkeit wird die neue Einwanderungspolitik kaum diskutiert, obwohl die anrollende neue Zuwandererwelle schon spürbar die unzureichenden Infrastrukturen der Städte belastet und den Druck auf die Kommunalverwaltungen erhöht.

Einwanderungsminister Evans gibt unumwunden zu, dass es bei den ersten Neuankömmlingen des „Visa 457“-Programms zu Fällen krasser Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte gekommen sei. Die Regierung habe jetzt zum Schutz der Fremdarbeiter einen bindenden Mindestlohnsatz von nahezu 45.500 australischen Dollar im Jahr (27.835 €) festgesetzt.

Der Mangel an Fachkräften ist in Australien überall spürbar. In den Krankenhäusern gibt es lange Warteschlangen für Operations-Patienten, weil es an Ärzten und Krankenschwestern mangelt. In vielen Kaufhäusern gibt es nicht genügend Verkäufer.

Nie zuvor hat es in Australien so viele Obdachlose gegeben, denn die Häuserpreise und Wohnungsmieten gehören zu den höchsten in der industrialisierten Welt. Es fehlt nämlich an Bauarbeitern, die genügend neue Häuser bauen. Im rohstoffreichen Westaustralien können nicht alle Exportaufträge erfüllt werden, weil es an Bergbauingenieuren fehlt. Auch in den Tourismusgebieten fehlt das Personal; gesucht werden vor allem Köche.

Wichtige Inlandsflüge sind eingestellt worden, weil es zu wenig Piloten gibt. Die ländlichen Schlachthöfe können nicht genügend Vieh für den Export schlachten, weil die Australier eine so unangenehme Arbeit ablehnen.


Langes Warten auf Handwerker

Wer einen Installateur oder anderen Handwerker zu Hause braucht, muss sich oft in Geduld üben, es gibt nicht genügend. Aber nicht nur Handwerker sind gefragt. Sogar die Vereinigung der Bordelle schrieb an das Einwanderungsministerium: „Wir bitten darum, dass auch Liebesdienerinnen unter dem neuen Fachkräfte-Einwanderungsprogramm nach Australien kommen dürfen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2008)

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16 Kommentare
diogenes
23.06.2008 19:05
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Eines ist aber unklar

Wenn der Mindestlohn 27835 € beträgt, und es keine Arbeitslosen gibt - alles Behauptungen die in diesem Artikel breitgetreten werden - warum haben dann die excellentverdienenden Obdachlosen ( knapp 2000 € monatlich )keine Häuser?

Macht aber nichts, um diesen Gehalt kann man auch im Hotel (natürlich nicht Vierstern) leben

Gast: Gast
23.06.2008 18:40
0 0

Solange es fleißige Arbeiter

aus China und Indien sind, die sich integrieren, ist das ja in Ordnung.
Möcht mal wissen wie viele Mitglieder der Religion des Friedens ins Land kommen.
Island und Finnland haben auch viele Immigranten. Nur sind das fast ausschließlich Osteuropäer. Die Türken /Araber kann man in diesen Ländern auf einer Hand abzählen.

Gast: Beobachter
23.06.2008 00:56
0 0

Drabanosch's Bruder

Anscheinend ist der Ausgewandert und jetzt Premier in Australien!

Gast: Crusader
22.06.2008 09:53
0 0

Das Gschichtl wird den Leuten überall auf`s Auge gedrückt!

Und irgendwann wachen dann alle auf und haben einen Krieg im eigenen Land - und dann kommt meist ein "Führer" der die "Probleme" löst - Mahlzeit...

Antworten Gast: AEIOU
22.06.2008 15:17
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Re: Das Gschichtl wird den Leuten überall auf`s Auge gedrückt!

Na denken Sie denn, wer einmal im ÖSI-Land Fuß gefaßt hat, der verläßt es mit gutem Zureden? Das war doch schon einmal so. Es ist wahrscheinlich, daß sich die Geschichte immer wieder wiederholt. Nur die Form ist anders.

Gast: Pour le merite
20.06.2008 20:00
0 0

Liebe Presse, leiten sie diesen Beitrag unverzüglich weiter

...an die diversen türkischen, serbischen, rumänischen, tschechischen und polnischen Gazetten.

Ein Einwanderungsparadies tut sich auf, endlich, kann man da nur sagen!

Also, werte Immigranten von wo auch immer, Österreich ist sowieso nix für Euch, packt die Koffer und dann nichts wie ab nach Australien, dort ist mehr zu holen als hier.
Mindestlohn 27.800 Euro, was will ein Wirtschaftsflüchtling noch mehr!


maeher
21.06.2008 10:54
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Re: Liebe Presse, leiten sie diesen Beitrag unverzüglich weiter

meinen sie das ernst?

unserer wirtschaft wird es genauso ergehen wie der australischen. arbeitskräftemangel. die einwanderer sind keine wirtschaftsflüchtlinge sonderen garanten für die aufrechterhaltung des wirtschaftswachstums.

wer das bei der aktuellen demographischen entwicklung immer noch nicht wahrhaben will, dem ist vermutlich nicht mehr zu helfen.

Antworten Antworten Gast: AEIOU
22.06.2008 15:32
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Re: Re: Liebe Presse, leiten sie diesen Beitrag unverzüglich weiter

Also bis zum heutigen Tage habe ich keinen einzigen Facharbeiter im Gewerbe aus den Zuzüglerländern getroffen, der fertig ausgebildet bei uns ein Arbeitsverhältnis begonnen hat. HIWIS en masse. Die Besten von Ihnen haben sich entweder selbständig gemacht, und beuten nunmehr ihre größtenteils schlecht ausgebildeten Landsleute als Unternehmer selbst aus, oder Pfuschen, was das Zeug hält, zu Marktpreisen und investieren in den Herkunftsländern für ihre Existenzen. Die Kenntnisse und Fertigkeiten des im österreichischen Handwerk tätigen Hilfspersonals, oftmals fälschlich als Facharbeiter bezeichnet, sind ziemlich bescheiden.Und daran werden auch Werbeaktionen nichts ändern.Aus der Tschechei und anderen grenznahen Ländern sind nur wenige fähige Facharbeiter zu uns gekommen. Und das wird noch schlimmer werden.Bis wir schnallen, daß wir nicht mehr Zielland sind, denn Schmarotzen ist nicht mehr "in", wird es ein böses Erwachen geben.Auch "unsere" Betrieb werden der Tatsache Rechnung tragen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Langweilig
23.06.2008 15:30
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Re: Re: Re: Liebe Presse, leiten sie diesen Beitrag unverzüglich weiter

@AEIOU

Facharbeiter kommen nicht mehr zu uns.
Soeben hat ein Bekannter aus dem Sportverein, einen Job in Polen bekommen.
Hier war er als Facharbeiter am Bau tätig und hat 1400 Netto verdient!
Dort hat er einen Vertrag erhalten, wo mit Fahrtkosten in Polen ca. 9500 Zwote pro Monat Netto verdient.
In Polen gemeldet, nicht hier.
Das entspricht einem Gehalt von ca. 3000 Euro Netto.

Da müssen eindeutig unsere Firmen besser bezahlen und sich nicht nur auf den Kollektivvertrag festlegen.
Dann werden Facharbeiter auch hier bleiben.
Unsere FH Absolventen detto.


Antworten Antworten Gast: rasen
21.06.2008 19:04
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Re: Re: Liebe Presse, leiten sie diesen Beitrag unverzüglich weiter

@maeher

Sie übernehmen scheinbar alles ungefiltert was von sogenannten Experten vorexerziert wird, stimmts?

Antworten Antworten Gast: Pour le merite
21.06.2008 15:06
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Na, selbstverständlich meine ich das ernst.

Sie gehören offensichtlich auch zu jenen, die den globalisierten Multikultis auf den Leim kriechen und sich von diesen ins Bockshorn jagen lassen.

Dass viele Wirtschaftszweige ihre Freude mit diesen billigsten Arbeitskräften haben und sich ihrer gerne bedienen, ist völlig klar.
Fakt ist aber auch, dass unsere geschätzten "Migranten", die sie so mir nicht dir nichts als "Garanten" für das Fortbestehen unseres Landes hinstellen, in größtem Ausmaß dazu beitragen, dass unser Sozial-und Gesundheitssystem an den Rand des Ruins, bzw. schon darüber hinaus getrieben wurde.

Diese "Garanten", wie sie die unqualifizierten Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen, sind leider in der Vielzahl sog."Negativposten", die mehr aus den Sozialtöpfen herausnehmen, als sie einbringen und freiwillig sowieso nichts zur Volksgemeinschaft beitragen.
Beispiele hierzu finden sie genügend.

"Und wer das immer noch nicht wahrhaben will, dem ist vermutlich nicht mehr zu helfen"

Antworten Antworten Antworten Gast: Jenny
22.06.2008 15:35
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Re: Na, selbstverständlich meine ich das ernst.

Sie sind ja ein lustiger Zeitgenosse. Was glauben Sie denn, wer bei der derzeitigen demographischen Entwicklung in Zukunft die Arbeit erledigen wird? Dieser Abwehrmechanismus gegen ausländische Arbeiter ist doch nur ein Vorwand für die vielen faulen Leute in diesem Land um sich nicht fortbilden zu müssen, Weil ein guter Facharbeiter muss sich ja nicht um seinen Arbeitsplatz sorgen.
Und um die Qualität der ausländischen Arbeiter zu garantieren schlage ich vor es ihnen auch zu ermöglichen eine Lehre in unserem Land zu absolvieren, dann werden sie als Facharbeiter vielleicht in Österreich bleiben. Weil an einem guten Facharbeiter hängen auch viele andere österreichische Jobs. Aber gute Facharbeiter machen wegen Leuten wie Ihnen einen großen Bogen um Österreich.

Antworten Antworten Antworten Gast: AT
22.06.2008 10:01
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Re: Na, selbstverständlich meine ich das ernst.

@Pour le merite

"Negativposten"

Sehr gut, dass Sie dieses große Problem angesprochen haben!

Würden man mit diesen Negativposten, eine anständige Bezahlung erhalten (Kapital bzw Papier um zu überleben) so wie früher,
wäre damit der Finanzielle Zuschuss vom Sozialismus überflüßig.
Da logischerweise, das Kapital(Papier) zum überleben ausreichend Vorhanden wäre.
Das ist Heute leider nicht der Fall (800 Euro Netto Gehälter), aus diesem Grund (Schlechte Netto Bezahlungen) ist auch das Soziale Netz viel stärker ausgelastet als früher.
Oder würden Sie als InländerIn, mit dem Kapital was Sie aus dem Negativposten erhalten haben, überleben können? Nein, Sie würden garnicht diesen Job machen wollen. (Ich auch nicht, lieber im Ausland hackeln).




Antworten Gast: Kapitalist
21.06.2008 01:18
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Re: Liebe Presse, leiten sie diesen Beitrag unverzüglich weiter

@ Pour le merite

Ich glaube nicht, dass Sie kein Wirtschaftsflüchtling wären, wenn Sie im Ausland ca 5000-6000 Euro Netto verdienen würden und mit diesem Geld Heimfahren würden(nicht Australien).

Hören Sie bitte auf den Rechten zu spielen, der Kapitalist steckt in Jeder Person von uns drinnen!
Gleich nach dem wir in der Früh aufstehen und das Sonnenlicht sehen.
Was kann ich heute verdienen, wie kann ich mehr verdienen oder überhaupt überleben?

Profit machen, egal um welchen Preis.

Kriterien Hautfarbe, Religion?

Egal, Hauptsache Geld zum überleben.

Antworten Antworten Gast: TripleK
22.06.2008 18:48
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Re: Re: Australien, nein danke!!!!

War zehn Monate in Australien, und habe auch als Facharbeiter gearbeitet. Meiner Meinung nach versuchen die Unternehmen nur billige Arbeitskräfte zu bekommen. Sehr hohe Inflation, wahnsinnig hohe Mieten, da bleibt am Schluss, auch wenn man gut verdient, nicht mehr viel übrig. Ja und die Städte sind zwar schön und es gibt dort auch sehr viel Arbeit, aber in einer Großstadt könnte ich dauerhaft nicht leben. Aber was machen in Australien wenn¿s die Arbeit nur in den Städten gibt? Auch wenn¿s das Visa bald geschenkt geben sollte, bleib ich doch lieber im schönen Deutschland. Ach, und zwei Wochen nach meiner Heimkehr von Australien hatte ich wieder einen Job. Fachkräftemangel gibt¿s aber auch hier nicht wirklich. Eher liegt¿s daran, dass die Fachkräfte niemand mehr bezahlen will. Und so sieht¿s in Australien auch aus. Da wird nur versucht das allgemeine Lohnniveau zu künstlich zu senken.

Antworten Antworten Antworten Gast: Gast
24.06.2008 11:47
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Re: Re: Re: Australien, nein danke!!!!

Interessanter beitrag, glaub ich dir auch sofort, Australieer müssen hart und viel arbeiten und bekommen wenig Geld, immer mehr Aussies wandenr aus, aber das wird nicht berichtet und achja, die Quote wird von derzeit 120000 auf 150000 Einwanderer erhöht, 300000 wird es in Kanada geben, in den nächsten paar jahren!