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Mittelmeerunion: „Club Med“ für ungleiche Partner

13.07.2008 | 18:40 |  Von unserem Korrespondenten RUDOLF BALMER (Die Presse)

Frankreichs Präsident Sarkozy hob sein Prestigeprojekt aus der Taufe. Ob sich eine echte Partnerschaft entwickelt, wird von der Verwirklichung realer Projekte abhängen.

Paris. So hatte sich das Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nicht vorgestellt: Als am Sonntag in Paris feierlich die „Union für das Mittelmeer“ gegründet wurde, saßen alle EU-Staaten mit am Tisch. Ursprünglich hatte Sarkozy einen reinen Club Med im Sinne gehabt, also ein Gremium der Mittelmeer-Anrainer. Doch vor allem Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel pochte auf die Hereinnahme der übrigen EU-Länder.

Sarkozy wird mit Ägyptens Staatschef Hosni Mubarak die erste Kopräsidentschaft der Union übernehmen. Zwar sei seine Initiative ein Risiko, „aber noch ein größeres Risiko wäre es, dieses nicht zu wagen“, sagte er in seiner Eröffnungsrede am Sonntag vor den Delegationen aus 43 Staaten. Der erste Versuch war ja unter dem Titel „Barcelona-Prozess“ nicht von großem Erfolg gekrönt. Nun soll es auf Augenhöhe weitergehen: „Am runden Tisch im Grand Palais sitzen nicht jene, die entscheiden, und jene, die sich unterordnen müssen“, meinte Sarkozy.


Neue Hegemoniebestrebungen?

Die Idee eines neuen „mare nostrum“ weckt Träume von einem großen friedlichen Wirtschaftsraum. Wie zur Zeit des antiken Roms soll das gemeinsame Meer nicht ein Graben zwischen Zivilisationen sein, die sich misstrauisch oder gar feindlich aus der Ferne beäugen, sondern eher eine Brücke für den ökonomischen und kulturellen Austausch. Was als Wunschtraum von Idealisten erscheint, existiert in Ansätzen bereits, die nur darauf warten, entwickelt zu werden. Dass dies bisher zu wenig der Fall war, ist weitgehend der politischen Instabilität und den Risiken einer Zusammenarbeit mit kompromittierenden Regimes in einem Teil der südlichen und nahöstlichen Region zuzuschreiben.

In Nordafrika indes vermutet man hinter in Europa ausgebrüteten Projekten neue Hegemoniebestrebungen. Wie vertrauenswürdig ist diese dargebotene Hand der EU-Staaten, die doch auf der anderen Seite durch eine immer restriktivere Immigrationspolitik aus südlicher Perspektive die Gemeinschaft in eine Festung verwandeln?

Ob sich aus Nicolas Sarkozys „Club Med“ eine echte Partnerschaft entwickelt, wird von der Verwirklichung realer Projekte, namentlich bei der Infrastruktur, und dem Abbau von Handelsschranken abhängen. Gerade der Austausch zwischen den südlichen Mittelmeer-Anrainern ist noch schwach, daher kommt den in Paris beschlossenen Projekten zur Förderung der Transportwege per Schiff und zu Lande (Autobahn durch den Maghreb) eine besondere Bedeutung zu. Andere Wirtschaftsmächte sind auch bereits an den Ressourcen und am Potenzial dieser Region interessiert: Die USA, die Golfstaaten, aber auch Brasilien und Indien sind gezielt in bestimmten Sektoren präsent.


Ungleiche Partner

Die Vorstellung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums rund um das Mittelmeer, in dem fast 800 Millionen Menschen die Dynamik und die Entwicklungsmöglichkeiten gemeinsam nutzen, tönt verlockend. Noch handelt es sich aber um eine Utopie, und die Unterschiede sind überdeutlich: Die nördlichen Mittelmeer-Anrainer verfügen in dieser theoretischen Familie über 38 Prozent, die europäischen Staaten ohne Mittelmeerufer sogar über 54Prozent des gemeinschaftlichen BIPs, die südlichen Anrainer dagegen „wiegen“ gerade einmal acht Prozent. Entsprechend sieht es beim Pro-Kopf-Einkommen aus: 26.000 Dollar bei den europäischen Mittelmeerstaaten, nur 7000 bei den südlichen Anrainern, bei denen die Arbeitslosigkeit oft mehr als 20 Prozent beträgt und namentlich der Jugend nur die Auswanderung als Perspektive erscheinen lässt. Diesen Fakten setzt der Gipfel zumindest Optimismus entgegen.

Die Presse

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WISSEN

Die Mittelmeerregion boomt: Die zehn sogenannten Meda-Staaten – Partner der EU in der bisherigen euro-mediterranen Partnerschaft – zogen 2006 fast 60 Milliarden Dollar an Direktinvestitionen an. Damit liegt die Region hinter China (70 Mrd.) auf Platz zwei der „aufstrebenden Märkte“. Knapp 40 Prozent der Investitionen kamen aus Europa. In Tanger entsteht derzeit ein neuer Container-Hafen, der der größte des Mittelmeerraums werden soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2008)


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11 Kommentare
 
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Von Gast: Machmuss Verschiebnix am 14.07.2008 um 20:18

das fällt unter Umweg-Rentabilität

In der EU wäre keiner dafür zu haben gewesen,
daß Israel aufgenommen wird, so hat man es eben durch die Hintertür gedeichselt. Und schon fließen die Mrd. wieder Fragt sich nur ob Israel dann wirklich bei EADS einkaufen geht , oder trotzdem
die Chuzpe hat , Amerikanisches Kriegsgerät anzuschaffen. Frechheit zur Potenz - aber der Normalbürger erfährt es sowieso nicht, der soll seine Sozis wählen und Steuern zahlen. Falls einer zu sehr aufmuckt , wird er tragischerweise einen
Unfall haben (Gottes-Urteil).
Dürfen wir jetzt überhaupt noch die EU kritisieren, wo doch Isreal dabei ist - und wir selbstverständlich lauter Nazis sind.

Von Gast: Irgendwie am 14.07.2008 um 18:04

erinnert das an die Geschichte

vom Schwein und von Huhn, die ein Joint Venture zur Herstellung von Eiern mit Speck gründeten. Sagt das Schwein: "Da werde ich ja geschlachtet". Sagt das Huhn, "Naja, das ist das Joint Venture".

Die Europäer lassen immer mehr Zuwanderung zu, die sie allmählich zur Minderheit im eigenen Land macht. Sie geben ihre wichtigste Ressource, ihr Land (den Speck) und werden in absehbarer Zeit zum Aussterben gebracht. Die Staaten südlich und östlich des Mittelmeeres schicken ihren Bevölkerungsüberschuß nach Europa voran und übernehmen den Laden geduldig Schritt für Schritt. "Naja, das ist die Mittelmeerunion!"

Solange diese Staaten die illegale Invasion nach Europa kalmmheimlich lächelnd dulden bis zynisch fördern, ist jeder Euro der dorthin fließt, eine Selbstbeschädigungsaktion Europas.

Von Gast: efrat am 14.07.2008 um 18:01

Gerade Frankreich

Hat es ja bitter nötig als ehemalige Kolonialmacht die so wie die Britten,Holländer den Schwarzen Kontinent geplündert haben aber das damit ganz Europa hineingezogen wird ist nicht einzusehen.
Noch dazu wo es bekannt ist das bis jetzt alle Milliarden an Unterstützungsgelder die nach Afrika geflossen sind ,höchstens den korrupten Politikern zu gute kamen.
Na Ja in Brüssel sitzen halt auch gerade in der Beziehung keine Vorbilder.

Von Gast: gast am 14.07.2008 um 10:20

Was kommt da auf Europa zu?

Mauretanien - das zur Mittelmeerunion gehören wird - ist weltweit die letzte Hochburg der Sklaverei.
Sklavenhaltung durch Muslime ist weiter ein Tabu, so sehr, dass französische Historiker vor kurzem an den Pranger gestellt wurden, weil sie die ganze, ungekürzte Geschichte der Sklaverei aufrollen wollten. Denn böse Sachen sind den Weißen vorbehalten. Kaum jemand weiß, dass schätzungsweise im Laufe von 14 Jahrhunderten insgesamt 17 Millionen Afrikaner als Sklaven in muslimische Länder verkauft wurden. Und so soll es auch bleiben.
http://www.pi-news.net/2008/07/sklavenhaltung-in-der-mittelmeer-union/

Von Gast: Slatin Musil am 14.07.2008 um 10:08

Küstenland Österreich

Ich finde Österreichs Teilnahme an diesem Prozess ungeheuer wichtig. Es mag zwar EU-Staaten ohne große Interessen in dem Raum geben, doch Österreich verfügt über uralte und sehr etablierte Beziehungen in den gesamten Mittelmeerraum, die uralt sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir noch einen Küstenstreifen besitzen oder nicht.


Von panda82 am 14.07.2008 um 09:18

Europaer sind im Grunde genommen arabisch...

Oder wo kommen sie her...


Antworten Von till uilenspygel am 14.07.2008 um 11:46

Re: Europaer sind im Grunde genommen arabisch...

Die Dummheit der Woche bereits am Montag?

Wir Indo-Arier stammen ursprünglich aus dem Gebiet Ural/Kaukasus und Du lebst nach wie vor auf einem Baum, Bärli.


Von Paige am 14.07.2008 um 09:09

7 Mrd Euro will die EU zunächst diesem "Projekt" widmen

Und wieder wurden die Mitglieder nicht gefragt. Im Kern geht es außerdem nur wieder um den ewigen Nahost-Konflikt, der nun den Europäern aufgehalst werden soll...

Von Bernhard v Clairvaux am 13.07.2008 um 20:40

ein weiterer schritt zu:

E U R A B I E N !!!

Von Bernhard v Clairvaux am 13.07.2008 um 20:39
Antworten Von Gast: GERMANY am 17.07.2008 um 20:44

FRANZÖSISCHE INTELLIGENZ

was haben die franzosen vor kaum droht europa der wirtschaftlicher caos.seit der wende ist hier so gut wie alles vorbei.
der wohlstand in deutschland ist ade.wollen sich die franzosen davon schleichen und mit uns nichts mehr zu tun haben?sie schauen in den maghreb vor innorme wirtschaftspotenzial ist.was machen unsere politiker schauen nach polen wo die armut tobt.wir müssen wach werden und schauen wo viel geld ist und mit denn länderen sich verbinden.

 
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