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Libyen-Schweiz: Hotel-Prügelei wird zur Staatsaffäre

24.07.2008 | 18:03 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS GERBER (Die Presse)

Nach der Festnahme eines Gadhafi-Sohnes in Genf stoppt Tripolis Öllieferungen, streicht internationale Flüge und nimmt Schweizer in Haft. Bern bleibt hart.

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Bern.Die Staatsaffäre zwischen der Schweiz und Libyen gerät aus den Fugen. Auslöser war die vorübergehende Festnahme von Hannibal Gadhafi, Sohn des libyschen Revolutionsführers, nach einer Prügelei in einem Luxushotel in Genf. Am Donnerstag stoppte Libyen die Öllieferungen in die Schweiz und strich bis auf einen alle Flüge der Swiss International Air Lines nach Tripolis.

Bern, das ebenfalls einen harten Kurs beibehalten will, warnte Schweizer Bürger vor Reisen nach Libyen. Außenministerin Micheline Calmy-Rey brach ihren Urlaub wegen des Streits ab. Eine Delegation des Außenministeriums reiste nach Tripolis. Die Lage werde ernst genommen, heißt es in Bern. Von einer Krise will man indes nicht sprechen.

Der am Donnerstag verhängte Lieferstopp gilt für die Transporte der nationalen Gesellschaft Libyens. Andere Öltanker sind nicht betroffen. Schiffe aus der Schweiz dürfen jedoch bis auf weiteres nicht mehr in den Häfen Libyens anlegen und werden dort auch nicht mehr beladen. Für die Schweiz wird die Maßnahme des Revolutionsführers jedoch kaum zu einem Engpass bei Öl führen. Das Alpenland verfügt über Pflichtlager, die den Benzinverbrauch für vier Monate sichern.

Zwar stammt rund die Hälfte des in der Schweiz verwendeten Erdöls aus Libyen. Der Wüstenstaat lieferte im letzten Jahr 4,6 Millionen Tonnen der gesamten 11,6 Millionen Tonnen Rohöl und Fertigprodukte. Ein Sprecher der Schweizer Erdölvereinigung bezeichnete der Lieferstopp aber als ein „Eigentor Libyens“.

Hintergrund des bizarren Kräftemessens ist die vorübergehende Festnahme von Hannibal Gadhafi und seiner Frau Aline vergangene Woche in Genf. Die beiden sollen in einem Genfer Luxushotel zwei Angestellte – eine Tunesierin und einen Marokkaner – mehrfach beschimpft und geschlagen haben. Drei Mal rückte die Genfer Kantonspolizei aus. Letztlich konnte sie die Dienstboten aus der ungemütlichen Situation befreien.

Die Polizei, die mit einem Aufgebot von 20 bis 30 Mann vorgefahren war, verhaftete Hannibal und seine Frau – gegen den Widerstand von zwei Leibwächtern. Die Frau ist im neunten Monat schwanger und wurde in ein Spital gebracht. Der Untersuchungsrichter beschuldigt Hannibal der einfachen Körperverletzung, der Drohung und der Nötigung. Seine Frau soll an den Taten beteiligt gewesen sein. Das Ehepaar bestreitet alle Anschuldigungen. Gegen eine Kaution von 310.000 Euro wurde Hannibal freigelassen. Er reiste umgehend ab.


Beste Gefängniszelle

Das Vorgehen der Polizei erzürnte den libyschen Staatschef. Und der Familienclan reagierte: Mehrere Schweizer in Libyen, darunter Mitarbeiter von ABB und Nestlé, wurden am Samstag festgenommen. Weitere Schweizer Unternehmen wurden aufgefordert, ihre Büros zu schließen. Neue Maßnahmen drohen, falls die Schweiz nicht „innerhalb der nächsten Stunden“ den Fall zu den Akten legt. Die Regierung des Kantons Genf will allerdings hart bleiben. Sie betonte sogar, der Sohn des Machthabers habe eine „leicht bevorzugte“ Behandlung genossen. Er sei in der besten Gefängniszelle des Kantons untergebracht worden.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Gadhafi-Sohn zu Spannungen mit der Schweiz führt. Bereits vor zehn Jahren hatte Libyen eine Einreisesperre für Schweizer Staatsangehörige verhängt. Das Land reagierte damit auf die Verweigerung eines Visums für Gadhafis Sohn Saif, der an die Genfer Uni wollte. Saif studierte dann übrigens in Österreich, wo ihn der damalige FPÖ-Chef und jetzige Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider unter seine Fittiche nahm.

Ihren damaligen Streit legten die Schweiz und Libyen dann relativ schnell bei. Wie lange es diesmal dauern wird, ist noch offen.

EINE SCHRECKLICH NETTE FAMILIE

Hannibal Gadhafi ist eines von acht Kindern des libyschen Staatschefs und nicht der einzige schwierige Fall der Familie. Bruder Mutasim wurde verdächtigt, an einem Putschversuch gegen seinen Vater beteiligt gewesen zu sein. Tochter Ayesha war eine der Anwältinnen von Saddam Hussein, und Sohn Saif glänzte durch exzessive Partys in Österreich. [EPA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2008)

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15 Kommentare
Gast: Kjurai
04.09.2009 15:27
0 0

Haider längst verstorben?

Zitat:
"Saif studierte dann übrigens in Österreich, wo ihn der damalige FPÖ-Chef und jetzige Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider unter seine Fittiche nahm."

Der "jetzige Kärtner Landeshauptmann" ist bereits vor ca. 11 Monaten verstorben. Vielleicht sollte die Meldung etwas umformuliert werden?

Gast: tar
27.07.2008 20:31
0 0

Bravo

Diese Courage ist auch anderen "Europäern" zu wünschen.
Anläßlich des Schweiz-Besuches des chinesischen Staatschefs durfte dieser FreeTibet-Plakate begutachten.
In Wien gäbs diese Demo gar nicht oder am anderen Ende der Stadt.

panda82
25.07.2008 15:10
0 0

hehehehe

Gaddafi ist wieder da...

Die "Zahngoldreichen" sollten sich in Acht nehmen...


Gast: fmj
25.07.2008 13:07
0 0

Höchste Zeit

Es ist höchste Zeit sich von Erdöl als Energiequelle zu verabschieden. Vor allem aus dem Grund, um endlich von Barbaren wie Gadaffi und den orientalischen Despoten nicht mehr abhängig zu sein und ihnen märchenhafte Vermögen reinzuschieben.

Gast: Romundo
25.07.2008 10:27
0 0

Propaganda

Das ist doch nur Propaganda der Schweiz und westliche Welt! Der Sohn wurde in Genf sehr schlecht behandelt und ein Plasticksack wurde ihm überstülpt, dies melden die Lybier. Warum sollten wir der Schweiz glauben, dass es anders war ? ? ? ?

modestus
25.07.2008 08:49
0 0

ausserhalb..

...der EU weht der wind rauh.
die schweiz ist ein finanzstarker politischer zwerg.
spielball für grössenwahnsinnige wüstenmuslims.
reagan hatte die richtige antwort.....er schmiss dem
hurensohn bomben auf tripoli.
das sollte für der antiEUoberguru in der muthgasse, der uns aus der EU führen will ein zeichen sein
CALQUON trinken herr dichand...das entkalkt

Gast: Saure-Gurke
25.07.2008 02:42
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UNO-EU.... Für was?

Ich bin seit langem wieder mal Stolz auf die Schweiz!

Nicht kuschen, sondern der EU zeigen wie's geht.
Unsere Gesetze werden hier riguros durchgesetzt, ob Falschparkierer oder Papisöhnlein.

Antworten Gast: Gast
26.07.2008 13:52
0 0

Re: UNO-EU.... Für was?

Lybien = EU ????? also bitte schön...

Gast: Beobachter
25.07.2008 00:39
0 0

Lybier, Tuniesier, Marokkaner

Die Schweiz ist wirklich "weltoffen"

Gast: xaver12
24.07.2008 20:15
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Wo ist Brüssel??

Wieder einmal zeigt der Wüstenbastard sein wahres Gesicht aber das ist ja schon seit 30 Jahren bekannt. Das wirklich schlimme ist, daß die EU diesen brutalen Tyrannen hofiert wie zuletzt durch Frankreich.

Unsere großen europäischen Demokraten biedern sich einem der widerlichsten Schurken an und verhalten sich als wäre Europa von Lybien abhängig.

In diesem Fall ist uneingeschränkte Solitarität mit der Schweiz von der EU gefordert.

Doch Brüssel schweigt, und zeigt, wie so oft, daß man mit Europa alles machen darf.

Antworten Alien
25.07.2008 12:57
0 0

Re: Wo ist Brüssel??

Brüssel hat gefälligst die Schnauze zu halten, denn weder die Schweiz, noch Lybien sind EU-Mitglieder.


Antworten Gast: Nun ja
24.07.2008 22:26
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Re: Wo ist Brüssel??

Stellen wir uns mal vor, der englische Prinz wird mit seiner hochschwangeren Freundin in Arabien verhaftet und in einer Einzelzelle untergebracht, die Prinzesin in ein Haftkrankenhaus zwangseingewiesen. Ich glaube wir hätten ein zweites Falkland messen wir bitte nicht mit zweierlei Maß

Antworten Antworten DFAvJ
25.07.2008 01:35
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Re: Nun ja

Da hat unser Gast schwer danebengegriffen, und "apples with oranges" verglichen. Kleinkarierte Mafiosi wie der Khadaffi sind eben kleinkarierte Mafiosi. Wenn sich jemand gegen deren Familie auflehnt, zu Recht wie es hier scheint, werden sie wütend und schlagen aus. Libyen ist wohl mindestens genau so korrupt wie Nigerien, nur daß hier Papa Khadaffi alle Fäden in seiner Hand hält: "Der Papa wird's scho richt'n". Armes Libyen!

Antworten Antworten Gast: NoNaNe
25.07.2008 01:10
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Re: Re: Wo ist Brüssel??

Hannibal Gadhafi wurde ja nicht grundlos verhaftet.

Sohn eines Diktators zu sein, sollte nicht automatisch einen Persilschein für Körperverletzung bedeuten.
Zumindest nicht in der Schweiz!

Wäre der englische Prinz ein Schläger und würde wegen Körperverletzung verhaften, würde sich höchstens die Yellow Press freuen und Arabien überfallen.

Hop Schwyz !!! (LG aus Tyrol)


Antworten Antworten Gast: xaver12
24.07.2008 23:25
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Re: Re: Wo ist Brüssel??

Mein lieber Freund, was glauben Sie wie es Europäern ergeht die sich in arabischen Ländern nicht an die dortigen Gepflogenheiten halten?

Wenn Gadhafis Prinzen hier in Europa ihr Luxusleben verleben wollen, so müssen sie sich an die Regeln einer zivilisierten Gesellschaft halten, ansonsten ab in die Wüste mit den Kerlen.

Europa sei geraten nicht immer nur zu beschwichtigen, klüger wäre es eine ganze Kriegsflotte vor die Lybische Küste zu stationieren und unmißverständliche Drohungen an das Regime zu richten.