Bagdad/Kabul(ag.). Es könnte fast eine gute Nachricht sein: Im vergangenen Sommer kamen monatlich mehr als 100 al-Qaida-Kämpfer in den Irak. Im heurigen Juni waren es noch knappe 50, im Juli nur mehr zwanzig.
Der Rückgang hat aber damit zu tun, dass mehr Kämpfer nach Pakistan und Afghanistan gehen. Kein Zweifel, die Extremisten konzentrieren ihre Kräfte auf ein anderes, von „Ungläubigen“ besetztes Land. Einem Bericht des irakischen Geheimdiensts zufolge hat die Führungsriege der irakischen al-Qaida das Zweistromland verlassen und hält sich in Afghanistan auf, im Irak ausgebildete Kämpfer werden nach Afghanistan verlegt.
Al-Qaida musste im Irak heuer schwere Verluste hinnehmen. Der Hauptgrund für die Minimierung ihrer dortigen Kräfte liegt aber wahrscheinlich bei der irakischen al-Qaida Führung selbst.
Zerstrittene al-Qaida
Deren Kopf, ein unter dem Pseudonym Abu Ayyub al-Masri bekannter Ägypter, hat unter seinen Gefolgsleuten derartigen Frust aufkommen lassen, dass sich kürzlich einige Kämpfer abgespalten haben um eine eigene Widerstandsgruppe zu gründen.
Als Grund für die Abspaltung nennen die Kämpfer Masris fehlende Führungskompetenzen. Er habe ihrer Meinung nach viel zu wenig gegen den „Kopf des Bösen“, die USA, getan. Dafür hat die sunnitische Extremistengruppe durch Attacken auf die Zivilbevölkerung den Rückhalt der irakischen Sunniten verloren.
Die al-Qaida-Mitglieder im Irak glauben, dass Masris Reise nach Afghanistan erfolgte, um mit Osama bin Laden über seinen Nachfolger zu beratschlagen. Es existiert aber auch das Gerücht, dass Masri dem Irak den Rücken gekehrt hat und geflohen sein soll.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2008)

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