Der malaysische Oppositionsführer Anwar Ibrahim ist am Donnerstag wegen angeblicher homosexueller Handlungen angeklagt worden. "Das ist eine heimtückische und betrügerische Verleumdung", rief der Politiker nach der Anklageverlesung. "Ich bin unschuldig." Anwar blieb auf freiem Fuß. Er musste jedoch eine Kaution von umgerecht knapp 4000 Euro zahlen und seinen Pass abgeben.
Ein Mitarbeiter Anwars hatte den Politiker Ende Juni wegen homosexueller Kontakte angezeigt. Diese können in Malaysia mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden. Der sechsfache Vater weist den Vorwurf als "erfunden" zurück. Damit solle sein politisches Comeback verhindert werden. Die Abgabe eines Bluttests für eine DNA- Probe habe er aus Angst vor einer Manipulation verweigert.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte, die Anklage gegen Anwar fallenzulassen. "Die malaysische Regierung scheint das Rechtssystem zu manipulieren, um sich ihre Machtposition zu sichern und die Opposition zu unterlaufen", kritisierte der Asien-Verantwortliche von Amnesty, Brad Adams.
Anwar war bis 1998 Vizepremier. Dann wurde er wegen Korruption und Homosexualität verurteilt und saß bis 2004 im Gefängnis. Das Urteil wegen Homosexualität wurde später aufgehoben. Menschenrechtsorganisationen hielten die Prozess für politisch motiviert.
Bei der Parlamentswahl Anfang März fügte die Opposition der seit 51 Jahren mit Zwei-Drittel-Mehrheit regierenden Koalitionsregierung eine empfindliche Schlappe zugefügt. Seither nehmen die Spannungen zwischen Regierung und Opposition zu.
(Ag.)

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