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Der Kaukasus-Krieg im Internet

13.08.2008 | 18:27 |   (Die Presse)

Hacker führen einen Parallelkrieg im Worldwide Web. Georgische Websites haben aber in westlichen Ländern ein Asyl gefunden.

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WIEN (s. b.). In Georgien gibt es seit Dienstag zwar die Einigung der Konfliktparteien auf einen Friedensplan und eine – wenn auch äußerst brüchige – Waffenruhe. Im Internet aber tobt der georgisch-russische Krieg in aller Heftigkeit weiter. Ausgetragen wird dieser Krieg in Form von Hackerangriffen; mit einher geht ein Ping-Pong-Spiel wüster gegenseitiger Anschuldigungen.

Tom Burling von der Firma Tulip Systems in Atlanta bestätigte Vermutungen, dass die Angriffe auf georgische Internetseiten von Russland aus erfolgen. Die Stiftung „Shadowserver“, die im Worldwide Web Hackerangriffe beobachtet, bestätigte ebenfalls großangelegte Angriffe auf georgische Websites. Selbst der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat das Thema entdeckt und gefordert, die „Cyberattacken auf Georgien einzustellen“. Inzwischen befasst sich sogar die US-Bundespolizei FBI mit den Hackerattacken.

So sorgten wahrscheinlich russische Hacker dafür, dass die Website des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili nicht mehr aktualisiert und teilweise nicht mehr aufgerufen werden konnte. Inzwischen fand die Saakaschwili-Seite einen vorläufigen Unterschlupf bei einem Server in den USA. Pikant ist außerdem, dass auf der Homepage des georgischen Außenministeriums zwischenzeitlich eine Website auftauchte, die Präsident Saakaschwili als Nazi zeigte.

Zur Zeit bietet der polnische Präsident Lech Kaczynski auf seiner englischsprachigen Homepage Platz für Mitteilungen des georgischen Außenministeriums. Kaczynski begründete das damit, dass Russland georgische Websites blockiere. Auch Estland, das im vergangenen Jahr selbst Opfer vermutlich russischer Hacker-Angriffe war, kam den Georgiern zu Hilfe und schickte Computerspezialisten nach Tiflis. Nach einem Streit um die Verlegung eines sowjetischen Kriegerdenkmals in Tallinn im April 2007 waren eine Reihe estnischer Regierungs-Websites durch Hacker-Angriffe lahmgelegt worden. Estland machte daraufhin die Abwehr von Angriffen im Cyberspace zu einem Thema in der Nato.

 

Auch Nachrichtenagentur im Visier

Ein Kreml-Sprecher dementierte unterdessen alle Anschuldigungen, dass Russland hinter den Hacker-Attacken auf georgische Websites stehe. Im Gegenteil, russische Internetseiten seien ihrerseits schweren Angriffen ausgesetzt. So wurde die Homepage der russischen Nachrichtenagentur „RIA Novosti“ am Sonntag für mehrere Stunden lahmgelegt.

Fakt ist, meint Bill Woodcock, Direktor der Organisation „Packet Clearing House“, dass Internetangriffe dieser Art aufgrund ihrer niedrigen Kosten zu einer Selbstverständlichkeit in der modernen Kriegsführung geworden sind. „Ein Angriff kostet vier Cent pro Maschine“, zitierte ihn die „New York Times“. „Ein umfassender Cyberangriff kostet etwa so viel wie der Wechsel einer Panzerkette. Da wäre man ja blöd, die Chance von Hackerattacken nicht zu nützen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2008)

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