CARACAS/RIO DE JANEIRO. Eifersüchtige Frauen haben in der Geschichte schon immer eine große Rolle gespielt – man denke nur an Brunhild, Kriemhild und die Nibelungen. Oder an Suzanna Higuchi, die Ex des früheren peruanischen Herrschers Alberto Fujimori: Der sitzt in U-Haft, weil sie, die Senatorin, ihn ans Messer geliefert hatte. Das könnte Hugo Chávez in Venezuela auch passieren: Marisabel Rodríguez Oropeza, geschiedene Chávez, fährt schweres Geschütz gegen den Populisten auf: „Wir wollen die Regierung ändern und nicht mehr Blankoschecks zugunsten einer Person unterschreiben!“
Diese Person ist Hugo Chávez, dem Marisabel vor elf Jahren verfallen war, und die den damaligen Präsidentschaftskandidaten so liebte, dass es heftig gefunkt haben muss; damals, Jänner 1997, auf seiner Wahl-Tour durchs Land auf dem Rücksitz einer Limousine – so gaben sie es beide später im Fernsehen zum Besten, und Töchterchen Rosínes ist der Beweis.
Heute, sagt Marisabel (44), gebe es in ihrem Haus keinen Chavista mehr. Sie wolle den Fans des Ex-Offiziers gern genau sagen, warum er „unmöglich“ sei; warum er raus aus dem Präsidentenpalast müsse, und warum im November bei der Kommunalwahl viele Anti-Chavistas antreten sollten, so wie sie selbst fürs Amt des Bürgermeisters von Barquisimeto kandidiert. Das ist ihre Heimatstadt mit fast einer Million Einwohnern und drei Unis.
„Er hat das Land verraten“
Sollte das klappen, wird sie automatisch Gegenfigur zu Caudillo Chávez. Der habe das Land verraten. Weil es sei so: Regierung und Volk sollten eine „gute Ehe“ führen. Man solle einander nicht nur mögen, sondern auch vertrauen. Aber der Mann habe sein Volk verraten.
Ist Marisabel nur beleidigt, weil Chávez angeblich extra-ehelich zu Gange war und „ausschließlich mit der ,bolivarischen Revolution‘ verheiratet“ gewesen sei? Jedenfalls fühlte sich die wasserstoffblonde Journalistin als „Primera Dama“ (First Lady) in den drei Ehejahren (1999-2002) nicht wohl. Nur als hübsche Garnitur zu gelten, vertrug ihr Stolz nicht.
Hugo aber wollte seine zweite Frau (die erste, mit der er vier Kinder hat, verließ ihn während seiner Haftzeit, die er wegen seines Putschversuches 1992 aufgebrummt bekam) zur zweiten Evita Perón stilisieren; selbst in ihrer Frisur sollte sie dem einstigen „Engel der Armen“ Argentiniens gleichen. Und Marisabel bekam bei der Wahl zur Verfassungsgebende Versammlung die zweithöchste Stimmenzahl. Aber aus dem „Theater“ trat sie 1999 aus. Zwar setzte sie sich beim Putschversuch gegen Chávez vom April 2002 für ihren Mann ein, aber da war die Ehe schon am Ende. Marisabel war dem autoritären Chávez zu selbstständig geworden, und er selbst der ehrgeizigen Journalistin zu „autistisch“: Er wollte nicht mehr auf sie hören.
Charisma blättert ab
Mittlerweile blättert Chávez' Charisma ab, seine Regierung überlebt nur dank des hohen Ölpreises. Der Dämpfer vom Dezember 2007 war ein Menetekel: Da votierte das Volk dagegen, die Verfassung so zu ändern, dass Chávez theoretisch ewig hätte herrschen können.
Seither drückte der zwar 26 Vollmachten durchs Parlament, ohne das Volk zu fragen – doch bei der Kommunalwahl im November wird es kritisch für ihn.
■Marisabel Rodríguez Oropeza(*24.11.1964 in Barquisimeto) ist Journalistin in Radio und TV und PR-Frau. 1999-2002 war sie mit dem heutigen Präsidenten Hugo Chávez verheiratet und hat mit ihm eine Tochter, Rosinés (10).Heute ist sie eine seiner heftigsten Gegner und warnt vor dessen Allmachts-Träumen. Angeblich erhielt sie von seiner Seite auch schon Morddrohungen. [AP]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2008)

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