LONDON (ag., red.). Vertreter der Regierung in Kabul und der radikal-islamischen Taliban haben offenkundig Geheimgespräche begonnen, um einen Ausweg aus dem politisch-militärischen Patt in Afghanistan zu finden. Der US-Fernsehsender CNN meldete am Montag unter Berufung auf gut informierte Kreise, dass es Ende September unter der Schirmherrschaft des saudischen Königs Abdullah in Mekka zu viertägigen Verhandlungen zwischen hochrangigen Vertretern beider Seiten gekommen sei. In zwei Monaten soll eine weitere Verhandlungsrunde stattfinden.
Als die britische Sonntagszeitung „Observer“ am vorletzten Wochenende über solche Geheimgespräche berichtet hatte, wurde das von der Taliban-Führung dementiert: „Unser Kampf wird fortgesetzt, bis alle ausländischen Truppen abgezogen sind und eine unabhängige islamische Regierung gebildet ist“, hieß es in einer Taliban-Erklärung.
Gleichzeitig wurde auf einer Internet-Seite der Taliban eine Botschaft des Führers der Radikal-Islamisten, Mullah Omar, veröffentlicht, in der er die USA und die Nato zu einem Rückzug aus Afghanistan aufforderte und dafür „ehrenvolle Bedingungen“ anbot: „Wenn Sie das Land verlassen, dann werden wir ein sicheres Umfeld schaffen, damit das möglich ist. Wenn die Besetzung aber anhält, werden Sie wie die sowjetischen Truppen eine Niederlage erleiden.“
Mehrere westliche Diplomaten und hochrangige Nato-Militärs haben sich zuletzt für Verhandlungen mit den Aufständischen in Afghanistan ausgesprochen, wenn die Taliban tatsächlich zu Gesprächen über eine politische Lösung bereit sein sollten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2008)
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