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Tibet: China verhandelt nicht mehr mit dem Dalai Lama

10.11.2008 | 18:38 |   (Die Presse)

Peking erklärt die Gespräche über Tibet für gescheitert. Nur wenige Intellektuelle distanzieren sich von der offiziellen Linie.

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Peking(ag; lie). Am Montag gab China dem Dalai Lama voll und ganz recht – in dessen Feststellung, die Gespräche zwischen Peking und der tibetischen Exilführung seien gescheitert. Schon vor der jüngsten Verhandlungsrunde vergangene Woche hatte das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter gemeint, seine Bemühungen um größere Autonomie seien erfolglos. Peking zog nun offiziell einen Schlussstrich unter die Verhandlungen und gab dem Dalai Lama die Schuld, der vor neuen Gesprächen seine „separatistischen Meinungen und Handlungen aufgeben“ müsse.

Der Dalai Lama hat für 17. November einen Rat von Vertretern der Exilgemeinde einberufen, um über die künftige Strategie nachzudenken. Viele jüngere Tibeter sind unzufrieden, weil der friedliche Weg und der Verzicht auf einen eigenen Staat keine Zugeständnisse Chinas erbracht hat.

 

Hasstiraden toleriert

Gebetsmühlenartig betonen derweil die KP-Funktionäre, der Dalai Lama täusche die Welt und strebe die Unabhängigkeit Tibets an. In der kontrollierten Presse erscheint er als Lügner und Verräter, der Gewaltlosigkeit predige, aber das Land spalten wolle. Linientreue Tibet-Experten erklären im TV, der Dalai Lama wolle Leibeigenschaft und Mönchsherrschaft wiederherstellen, die bis zur „Befreiung“ durch chinesische Truppen 1950 auf dem Dach der Welt herrschten.

Diese Sicht kommt bei vielen gut an. Wer nie eine andere Version als die der KP kennengelernt hat, hält die These für absurd, dass Tibet nicht immer zu China gehört hat. Ein Blick in chinesische Internet-Foren zeigt, wie hart diese Haltung derzeit ist. Nicht wenige Teilnehmer verlangen sogar: „Tötet den Dalai Lama.“ Die Internet-Zensoren – sonst in politisch heiklen Fällen schnell mit dem Finger auf der Löschtaste – tolerieren die Hasstiraden.

 

Droht Massenaufstand?

Nur wenige Intellektuelle distanzieren sich von der offiziellen Linie. Der Pekinger Autor Wang Lixiong gehört dazu, kann seine Artikel aber nur im Ausland veröffentlichen. Sollte der Dalai Lama sterben, bevor er nach Tibet zurückgekehrt sei oder bevor sich die Situation in Tibet deutlich verbessert habe, werde es einen Massenaufstand geben, fürchtet Wang: „Ich sage voraus: Der nächste Aufruhr wird heftiger werden als im März 2008.“ Damals hatten tausende Tibeter in Lhasa Zuwanderer aus anderen Teilen Chinas angegriffen und viele Häuser in Brand gesetzt. Die Unruhen hatten auch auf tibetische Siedlungsgebiete in angrenzenden Provinzen übergegriffen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2008)

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4 Kommentare
Gast: vonirgendwo
11.11.2008 13:46
0 0

Propaganda von links und rechts

Die KP schreibt alles schön, ignoriert aber dabei die Extremen Probleme bei Korruption und etwaige Polizeigewalt diverser Dorfsheriffs.
Die Dalai Lama Fraktion spielen die Opfer und Unschuldslämmer, schrecken aber nicht vor Hetze, Vergewaltigung, Mord und Brandschatzung zurück.

Die Gespräche hat übrigens der Dalai Lama für gescheitert erklärt - übrigens vor den Gesprächen. Auf der Basis braucht man sich nichts zu erwarten. Hoffentlich tritt der Dalai Lama bald ab und es kann wieder eine vernünftige Politik für die Menschen in Tibet gemacht werden.

Antworten Gast: horst
12.11.2008 19:26
0 0

Re: Propaganda von links und rechts

der dalai lama möchte bekanntlich kulturelle und spirituelle autonomie für sein volk unter politischer verwaltung chinas. das ist meiner meinung das mindeste, worauf das tibetische volk anspruch hat. die gespräche der exilregierung mit china sind nun offiziell gescheitert. peking hatte niemals vor den tibetern zugeständnisse zu machen...

Lichtherz
11.11.2008 11:34
0 0

Viele europäische Politiker haben zur chinesischen Nomenklatura eine innigere Beziehung

als zu demokratisch gewählten Abgeordneten in Österreich. Insofern sollte man sich also nicht über die Politik Chinas mokieren, sondern einmal im eigenen Hause aufräumen.

Gast: mike
11.11.2008 10:00
0 0

Es sollte

doch spätestens seit dem Massaker am "Platz des himmlischen Frieden" bekannt sein, daß China eine brutale Diktatur ist ..