WieN/MUMBAI. Planten die Attentäter im indischen Mumbai ihre Tat zumindest teilweise in Österreich? Dieser Frage geht seit Freitag das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) nach.
Der Nachrichtendienst der Republik erhielt in den vergangenen Tagen konkrete Hinweise darauf, dass die islamistischen Terroristen über eine österreichische Telefonnummer kommuniziert haben dürften. Dabei soll es sich um eine sogenannte „ortsungebundene Festnetznummer“ gehandelt haben. Solche Nummern sind ohne Vorwahl bundesweit erreichbar, ganz egal, wo sich das benutzte Telefon befindet. Das Wählen einer spezifischen Ortsvorwahl (beispielsweise 01 für Wien) ist nicht nötig.
Nach Auskunft der Telekom Austria kann eine derartige Telefonnummer nur im Inland beantragt werden. Das würde bedeuten, dass die Attentäter entweder selbst in Österreich waren oder hier Komplizen hatten. Noch unklar ist, ob Telefongespräche der Terroristen auch von Österreich aus geführt wurden. Über einen „Voice over IP-Channel“ ist es nämlich möglich, eine ortsungebundene Festnetznummer von jedem Internetanschluss der Welt aus zu verwenden.
Das BVT arbeitet nun mit der Staatsanwaltschaft daran, die Telefongespräche der Terroristen über die sogenannte Rufdatenrückerfassung (wer hat wann und mit wem kommuniziert) zu rekonstruieren. Im „Presse“-Gespräch nicht bestätigen wollte das BVT das von indischen Zeitungen gestreute Gerücht, bei den Terroristen sei auch eine österreichische SIM-Karte für ein heimisches Mobilnetz gefunden worden. Konkrete Tatverdächtige gibt es ebenfalls noch nicht. „Wir stehen erst am Anfang der Erhebungen“, so ein Ermittler.
Neue Vorwürfe gegen Pakistan
Indische Zeitungen erheben unterdessen neue Vorwürfe gegen Pakistan: Demnach habe das amerikanische FBI der indischen Regierung Beweise für eine Beteiligung der pakistanischen Armee an den Attentaten vorgelegt. Die Terroristen hatten vergangene Woche Luxushotels in Mumbai tagelang besetzt und 171 Menschen getötet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2008)

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