Im Stadtzentrum von Athen ist es am Montagabend erneut zu schweren Krawallen gekommen. Die Polizei scheint nicht mehr Herr der Lage zu sein. Rund 4000 Randalierer haben praktisch das Athener Stadtzentrum eingenommen, berichteten übereinstimmend griechische Medien. An mehreren Stellen des Stadtzentrums wurden Brände gelegt.
Randalierer verwüsteten den Eingang und die Lobby zweier Hotels und plünderten mehr als ein Dutzend Geschäfte. Zudem zündeten sie den etwa 20 Meter hohen Weihnachtsbaum der Stadt Athen vor dem Parlamentsgebäude an. Gewalttätige Demonstranten legten Feuer in einem Großkaufhaus. Die Polizei ging mit einem massiven Tränengaseinsatz gegen die Randalierer vor.
Zuvor hatten rund 10.000 Demonstranten in der Innenstadt von Athen gegen Polizeigewalt protestiert. Die meist jugendlichen Demonstranten bemalten große Teile der Panepistimiou-Straße im Stadtzentrum mit roter Farbe. Die Farbe sollte das vergossene Blut des jungen Mannes symbolisieren, der am Samstag von einem Polizisten erschossen wurde. Zu der Demonstration hatte die kleine griechische Partei Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA) aufgerufen.
Krawalle in weiteren Städten
Außer der Hauptstadt und Thessaloniki (Saloniki) wurden weitere Städte im Norden des Landes sowie die Inseln Kreta und Rhodos von Krawallen erschüttert. Bereitschaftspolizisten gingen gegen Jugendliche vor, die mit Steinen warfen und Mülltonnen anzündeten. In Athen waren immer noch Demonstranten in zwei Universitäten verbarrikadiert, andere Gruppen blockierten Straßen und eine Bahnverbindung.
Ministerpräsident Kostas Karamanlis
In einer Rede an die Nation verurteilte der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis von der konservativen Nea Dimokratia die Ausschreitungen als "nicht hinnehmbar". Für die Ausschreitungen machte er "extreme Elemente" verantwortlich. "Deren einziges Motiv ist die Gewalt und die Zerstörung", sagte der Regierungschef. "Wir werden das nicht dulden. Der Staat wird die Gesellschaft schützen." Staatspräsident Karolos Papoulias schickte ein Beileidstelegramm an die Eltern des getöteten Jugendlichen, die Polizeigewerkschaft entschuldigte sich bei ihnen.
Anlass für die schwersten Unruhen in Griechenland seit rund zwei Jahrzehnten war der Tod des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos am Samstagabend in Athen. Er gehörte nach Polizeiangaben zu einer kleinen Gruppe von vermutlich anarchistischen Jugendlichen, die gegen 21 Uhr einen Streifenwagen attackierten. Ein Polizist gab daraufhin drei Schüsse ab und traf den Jugendlichen tödlich in die Brust.
Die Beamten machten Notwehr geltend, doch einige Augenzeugen erklärten griechischen Medien zufolge, die Polizei habe mit voller Absicht auf die Jugendlichen geschossen. Die beiden in den Vorfall verwickelten Beamten wurden festgenommen und des Mordes beziehungsweise der Beihilfe zum Mord beschuldigt. Das letzte Mal wurde in Griechenland 1985 ein Jugendlicher von der Polizei erschossen. Danach gab es wochenlange Unruhen.
(APA/Red.)
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