Mit seinem "Schuh-Attentat" auf US-Präsident George W. Bush machte der irakische Fernsehjournalist Muntadar al-Zaidi weltweit Schlagzeilen. Nun erhebt sein Bruder schwere Vorwürfe gegen die irakischen Sicherheitsbehörden: Diese hätten al-Zaidi nach dem Vorfall schwer verletzt, ihm einen Arm und mehrere Rippen gebrochen. Zudem habe er Verletzungen an einem Auge und an einem Bein erlitten.
Al-Zaidi hatte während einer Pressekonferenz Bushs mit dem irakischen Regierungschef Nuri al Maliki in Bagdad am Sonntag seine beiden Schuhe in Richtung des US-Präsidenten geworfen, ohne ihn jedoch zu treffen. "Das ist dein Abschiedskuss, du Hund!", rief der Journalist dabei.
Al-Zaidi werde nun von Sicherheitskräften des nationalen irakischen Sicherheitsberaters Muaffak el Rubai in der "Grünen Zone" in Bagdad gefangen gehalten, sagte der Bruder des Journalisten am Dienstag. Rubai wollte zu den Aussagen nicht Stellung nehmen. Als der 29-jährige Journalist vom Ort des Angriffs abgeführt worden war, waren dort Blutspuren zu sehen.
TV-Sender bietet Schuh-Werfer Job an
Unterdessen bot der libanesische Fernsehsender New TV (NTV) al-Zaidi in seiner am Montagabend ausgestrahlten Nachrichtensendung eine Stelle an. Er solle "von dem Moment an bezahlt werden, in dem er den (ersten) Schuh warf", sagte die Nachrichtenchefin Fadja Bassi. Zudem sei NTV bereit, die Kaution für al-Zaidis Freilassung und seine Anwaltskosten zu übernehmen. Der Sender ist für seine anti-amerikanische Ausrichtung bekannt.
"Held" oder "Schande"?
Seit der Schuh-Attacke wird im Irak darüber gestritten, ob al-Zaidi ein "Held" oder eine "Schande für die irakischen Journalisten" ist. Zu den wenigen Kommentatoren, die ihn kritisieren, gehört Tarik Al-Homaid von der überregionalen arabischen Tageszeitung "Al-Sharq Al-Awat". Er schrieb am Dienstag, als normaler Bürger seines Landes hätte al-Zaidi das Recht gehabt, seine Schuhe auf Bush zu werfen. Da er aber als Journalist zu der Pressekonferenz gegangen sei, habe er durch seine Attacke "den Ruf der Journalisten beschädigt".
Für den spanischen Außenminister Miguel Angel Moratinos spiegelt der "Schuh-Angriff" die Wut vieler Araber auf die USA wider. Die Attacke sei "unwürdig" gewesen, aber sie sei der Ausdruck eines Gefühls, das in der arabischen und muslimischen Welt weit verbreitet sei, sagte der Minister dem spanischen TV-Sender Telecinco am Dienstag. Die US-geführte Invasion des Iraks habe die Abneigung der Bevölkerung gegen alles Westliche noch verschärft.
(Ag./Red.)
Irak: Ein Schuh-Wurf und seine Folgen
Bilanz: Bush: Was bleibt, wenn er geht
Historische Präsidentenwahl ''Mubarak-Überbleibsel'' vs. Islamisten
Auch Politiker waren einmal jung Erkennen Sie die Politiker auf Ihren Kinderfotos?
Eklats im Parlament Prügeleien, Partys, Stinkefinger
Politiker beim Sport Kicken & kämpfen für das Foto
Zitate der Woche ''Ich bin ein Antifaschist reinsten Wassers''