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Kriegsentschädigung: Deutschland verklagt Italien

28.12.2008 | 11:17 |   (DiePresse.com)

Berlin will Forderungen nach Entschädigungen in Millionenhöhe für Verbrechen von Deutschen verhindern. Dazu wurde Italien vor dem Weltgerichtshof in Den Haag verklagt.

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Der Streit zwischen Deutschland und der Justiz in Italien um individuelle Entschädigungen für Opfer von Nazi-Verbrechen beschäftigt Anfang des neuen Jahres den Weltgerichtshof in Den Haag. Mit einer ungewöhnlichen Völkerrechtsklage gegen den NATO- und EU-Verbündeten Italien, die einen Tag vor dem Heiligen Abend eingereicht wurde, will die Bundesregierung eine Welle von Forderungen nach Millionenentschädigungen für Verbrechen von Deutschen während des Zweiten Weltkrieges vor ausländischen Zivilgerichten verhindern.

Dafür soll der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag nach dem Willen Berlins die grundsätzliche Immunität des deutschen Staates vor italienischen und anderen ausländischen Justizorganen bekräftigen. Zudem soll der IGH eine Pfändung deutscher Guthaben in Italien für Wiedergutmachungszahlungen für unrechtmäßig erklären. Wann eine Entscheidung in der Sache erwartet werden kann, ist noch unklar. Zunächst werde die Zulässigkeit der Klage geprüft, hieß es am Wochenende in Den Haager Juristenkreisen. Erst danach könne das weitere Verfahren konkret festgelegt werden.

Deutschland hatte sich zu der Klage vor dem IGH entschlossen, nachdem das Oberste Gericht in Rom im Oktober neun Familien von Opfern eines 1944 verübten Massakers das Recht auf individuelle Entschädigungen durch die Bundesrepublik in Höhe von rund einer Million Euro zugesprochen hatte. Damals waren in der Toskana-Ortschaft Civitella mehr als 200 Menschen von Wehrmachtssoldaten ermordet worden.

Die Bundesrepublik sei "besorgt, dass Hunderte zusätzliche Fälle gegen sie vorgebracht werden", heißt es in der Klageschrift. Der Weltgerichtshof möge verbindlich erklären, dass Italien die Immunität Deutschlands missachtet habe, indem es derartige Zivilklagen gegen die Bundesrepublik zugelassen habe.

Bei dem Verfahren gehe es nicht um die moralische Verantwortung, zu der Deutschland sich stets bekannt habe, hieß es im Auswärtigen Amt in Berlin. "Die Klage ist kein Versuch einer Relativierung von Verbrechen", sagte ein Sprecher. Es sei aber nicht hinnehmbar, dass Deutschlands Staatenimmunität von ausländischen Zivilgerichten ignoriert wird. Nach diesem völkerrechtlichen Grundsatz kann kein Staat vor Gerichten anderer Länder verklagt werden.

Die Regierung in Rom unterstützt nach eigenem Bekunden die Anrufung des IGH durch Berlin. Der Klage ist als Dokument die gemeinsame deutsch-italienische Erklärung vom 18. November 2008 in Triest beigefügt. Darin hatte Rom die deutsche Entscheidung begrüßt, den Gerichtshof um eine Klarstellung zur Frage der Staatenimmunität zu bitten.

 

(APA)

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15 Kommentare
Gast: Österreicher
30.12.2008 23:18
0 0

Die Zulasssung von Entschädigungsklagen durch italienische Gericht birgt auch für deutsche Vertriebene interessante Aspekte:

Vice versa könnten auch die Heimatvertriebenen aus Polen und der Tschechoslowakei mit gleichem Recht Polen und Tschechien/Slowakei auf Schadenersatz klagen ... Auch die Südtiroler könnten sich Klagen überlegen...

Denn gleiches Recht für alles!!!

Gast: Walther v. d. V.
30.12.2008 16:00
0 0

Mamma mia!

1. Italien hat noch nie einen Krieg auf Seite seiner Verbündeten beendet - 2. Italien ist wie ein Schnitzel. Je mehr man es klopft, desto größer wird es. - Das dünnste Buch: Die italienischen Heldensagen

Gast: ceterum censeo
29.12.2008 10:48
0 0

Das wäre doch auch etwas

für die Gerichte von Hiroshima und Nagasaki!

Gast: ASVG-Sklave
28.12.2008 20:10
0 0

großartiger Schachzug der Italiener

einzig deswegen, weil dadurch wieder einmal die Einseitigkeit der Wiedergutmachung nur für Auserwählte vor Augen geführt wird. Also soll der brave Trottel in Berlin ruhig auch die italienischen Forderungen begleichen, wenn ihm seine Immunität erst jetzt einfällt.

Gast: Atze
28.12.2008 18:48
0 0

Italien

ist die Abstiegsnation Nummer eins auf dem europäischen Kontinent. Man sollte sich dort lieber fragen, was alles falsch gemacht wird, um wieder auf die Beine zu kommen. Mittlerweile hat das einstige Armenhaus Spanien Italien schon überholt. Wann wird Slowenien Italien überholen?

Im übrigen, wer hat denn dem Faschismus in Europa als erster gehuldigt?

Gast: vulpes123
28.12.2008 17:43
0 0

Klage

Als nächstes verklage ich die Deutschen, weil mein Großvater in Stalingrad gefallen ist

Antworten Michael
28.12.2008 19:06
0 0

Re: Klage

Und ich die Italiener, weil sie mir Südtirol, das Heimatland meiner Vorfahren, weggenommen haben.

Und die Briten, weil sie meinen Grossvater in Zivil bei einem Fliegerangriff getötet haben.

Ach ja, das waren ja die "Befreier" *fg*. Haben die ein Glück, dass ... sonst würde am Ende noch die Kriegsschuld in Frage stehen.

Gast: Douglas-Hamilton
28.12.2008 17:03
0 0

Auswirkung?

Falls diese Klage der BRD abgewiesen wird, müssen sich dann etwa die Tschechei, Slowakei, Polen, Rumänien, Serbien usw. Gedanken machen?
Oder sticht da etwa wieder der Benes-Pilsudski-Avnoj-etc. Joker?
Und selbst falls dem nicht so sein sollte: Die Sieger haben die Spielregeln ja so festgelegt, dass der Schwarze Peter noch mindestens drei Generationen bei den Deutschen verbleiben muss.
Es bleibt also alles wie's is'.

Gast: pour le merite
28.12.2008 12:45
0 0

Ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Als nächster Schritt wären Klagen gegen England und die USA angebracht.

Deweiteren eine lückenlose Aufarbeitung an Hand von mittlerweile zugänglichen Dokumenten.

...bis die ganze Wahrheit auf dem Tisch liegt.


Antworten Gast: gast74
28.12.2008 17:33
0 0

Re: Ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Was willst denn aufarbeiten, Kleiner, hm?

Wird das wieder so eine Dresden-Heulnummer wie bei deinen Kameradschaftsverbänden üblich?

Oder geht ihr eher in Richtung moderne Verschwörungstheorie? Alles ganz anders und man muss nur Dokumente nochmal lesen, dann klärt sich das auf?

Du sag mal: Deine Eltern sind beide ganztags berufstätig, oder? Seit deiner frühesten Kindheit, richtig? Oder du bist ein Scheidungskind. Richtig?

Antworten Antworten Ophicus
28.12.2008 20:26
0 0

Re: Re: Ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Wenn man das Ergebnis vorher schon wüsste müsste man ja nichts aufarbeiten.
Dass Leute wie Sie aber mit solchen Konzepten ihre Probleme haben kann ich mir schon vorstellen. Wo käme man denn hin, wenn man vom hohen Ross fallen könnte, weil man die Wahrheit nicht mehr selbst bestimmen kann?

Das Ergebnis wäre aber mit ziemlicher Sicherheit ziemlich eklig. Auch und vor allem für Deutschland (inklusive Österreich), aber eben nicht nur.

Antworten Antworten Antworten Gast: gast74
29.12.2008 14:23
0 0

Re: Re: Re: Ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Find ich süß, wenn jemand seine Ansichten mit Mutmaßungen begründet. Ich mag dumme Menschen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Gast
29.12.2008 16:31
0 0

Re: Re: Re: Re: Net bes sein ...

... aber wofür steht die 74 dort?

Antworten Antworten Gast: Hans
28.12.2008 20:07
0 0

Re: Re: Ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Wenn Sie das nötig haben, beleidigen Sie andere Leute. Ich finde es schade, aber das ist Ihre Entscheidung.

Beleidigungen ändern aber nichts daran, dass sich "unverrückbare Tatsachen" in unser Bewusstsein eingebrannt haben, die so nicht passierten.
Vergessen Sie nicht: Bis heute ist der vollständige Zugriff auf die Dokumente des Deutschen Reichs von den ehem. Alliierten gesperrt. Wiedervereinigung hin oder her, die Deutungshoheit über den WKII haben nach wie vor nur die Siegermächte.
Die Zeitgeschichte Deutschlands darf sich nur mit jenen deutschen Dokumenten beschäftigen, die von den Allierten freigegeben wurden.
Diese - eigentlich unglaubliche - Tatsache wird von dt. Forschern als "ganz normal" akzeptiert, teilweise wird diese Zensur sogar begrüßt, gerade so als würde es sich hier um kontaminiertes Material handeln.
Selbst diese gefilterten Dokumente erlauben - sagen wir mal: "erstaunliche" Einblicke, etwa in die Rolle Polens von 1918 bis 1939 oder alliierten Kriegszielen.

Antworten Antworten Antworten Gast: gast74
29.12.2008 14:22
0 0

Re: Re: Re: Ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Alle oben erwähnten Fakten sind mir

VOLLKOMMEN EGAL

und ich halte sie nur für

UNTERBESCHÄFTIGTE VERSCHWÖRUNGSGLÄUBIGE

überhaupt für erwähnenswert.

Ihnen also viel Erfolg beim ritterlichen Kampf um die Fetztchen vermuteter Wahrheit, deren Fehlen sie zu einem so rastlosen, unbeneidbaren Geist macht.

Verbleibe mit besten Genesungswünschen.