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Bolivianer stimmen für neue Verfassung

26.01.2009 | 06:45 |   (DiePresse.com)

Mit der neuen Verfassung werden die Rechte der Indios gestärkt, Landbesitz wird begrenzt, und Präsident Morales wird eine weitere Amtszeit ermöglicht. Wohlhabende Regionen stimmten jedoch mehrheitlich mit Nein.

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In einer Volksabstimmung hat sich am Sonntag eine Mehrheit der Bolivianer für die von Präsident Evo Morales unterstützte neue Verfassung ausgesprochen. Nach ersten inoffiziellen Auszählungen, die kurz nach Schließung der Wahllokale veröffentlicht wurden, stimmten rund 57 Prozent für und 43 Prozent gegen den Entwurf. Die Abstimmung verlief friedlich. Die neue Verfassung soll die Rechte der indianischen Bevölkerungsmehrheit in dem ärmsten Land Südamerikas stärken und ermöglicht dem Präsidenten eine weitere Amtszeit.

In den fünf wohlhabenden Regionen (Departamentos) Santa Cruz, Tarija, Chuquisaca, Beni und Pando gab es demnach eine breite Mehrheit gegen die Verfassung. Die dortigen Gouverneure wehren sich dagegen, dass ein Teil ihrer Einnahmen, in die ärmeren Gegenden fließen soll. Für die Annahme der Verfassung reicht die absolute Mehrheit.

Morales, der dem Volk der Aymara angehört, sieht in der Abstimmung den Höhepunkt eines jahrhundertelangen Kampfes, dessen Wurzeln bis in die Zeiten der spanischen Eroberung zurückreichen: "Wir werden die Ketten der Diskriminierung, der Spaltung, des Rassismus, der Unterwerfung, des Kolonialismus und der Erniedrigung brechen", sagte er am Donnerstag, dem dritten Jahrestag seines Amtsantritts.

"Gemeinschaftsjustiz" anerkannt


Die neue Verfassung enthält Bestimmungen, die der indianischen Bevölkerungsmehrheit mehr Rechte geben sollen. 36 ihrer "Nationen" erhalten Garantien für eine Selbstbestimmung. Für kleinere Völker neben den Aymara und Quechua werden Sitze im Parlament reserviert. Auch erkennt der Staat die traditionelle indianische "Gemeinschaftsjustiz" an. Die Richter des Obersten Gerichts sollen künftig gewählt und nicht mehr vom Präsidenten ernannt werden.

Landbesitz soll - je nach Entscheidung in der Volksabstimmung - auf 5000 oder 10.000 Hektar begrenzt werden. Der Staat kann Land beschlagnahmen, das keine "soziale Funktion" erfüllt.

Zweite Amtszeit möglich


Besonders im Blickpunkt steht eine andere Änderung: Bisher sind maximal zwei Amtszeiten des Präsidenten möglich, die aber nicht direkt aufeinanderfolgen dürfen. Diese Einschränkung soll abgeschafft werden, so dass das Staatsoberhaupt zwei Amtszeiten von jeweils fünf Jahren in Folge absolvieren kann. Dies würde Morales ermöglichen, den Andenstaat bis 2014 zu regieren.

Kritiker wenden ein, dass die Stärkung von Indianerrechten die Bemühungen um eine Einigung des ethnisch zerrissenen Landes beeinträchtige. Der Oppositionsbewegung im östlichen Tiefland kommt der Verfassungsentwurf insoweit entgegen, als die dortige Landwirtschaft von der Obergrenze für Landbesitz ausgenommen sein soll. Auch sollen die dortigen Gliedstaaten eine begrenzte Autonomie erhalten.

(Ag.)

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8 Kommentare
praetor
28.01.2009 09:39
0 0

wende

freut mich sehr dies zu lesen!
man kann nur hoffen, dass jetzt nicht ins andere extrem übertrieben wird...
aber um das wohlhabende bürgertum dort mache ich mir keine allzu großen sorgen, die werden schon über die runden kommen!

praetor
28.01.2009 09:39
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wende

freut mich sehr dies zu lesen!
man kann nur hoffen, dass jetzt nicht ins andere extrem übertrieben wird...
aber um das wohlhabende bürgertum dort mache ich mir keine allzu großen sorgen, die werden schon über die runden kommen!

praetor
28.01.2009 09:39
0 0

wende

freut mich sehr dies zu lesen!
man kann nur hoffen, dass jetzt nicht ins andere extrem übertrieben wird...
aber um das wohlhabende bürgertum dort mache ich mir keine allzu großen sorgen, die werden schon über die runden kommen!

Peregrin
26.01.2009 19:47
0 0

"ethnosozialistisch"

Was für ein schönes Wort. Ist eine Ethnie nicht sowas ähnliches wie eine Nation?

Gast: moralisch
26.01.2009 15:54
0 0

Für Bayern und Schwaben san de Preiß a Indios, und trotzdem müssen sie teilen.

Man weiß eigentlich nichts über einen Kontinent, in dem die Kirche keine Herausforderung gekannt hat. Es soll in Mexico zu einer strikten Trennung vom Staat gekommen sein, seit geraumer Zeit wird aber wieder der Kniefall vor der ecclesia geübt.
"Wir werden die Ketten der Diskriminierung, der Spaltung, des Rassismus, der Unterwerfung, des Kolonialismus und der Erniedrigung brechen...", lauter Errungenschaften hinter denen der spiritus rector der (katholischen) Kirche stand, angefangen mit den Conquistadoren. Und, wie selbstverständlich, war dieselbe Kirche eine treibende Kraft hinter der Kampagne für ein Nein bei dieser Abstimmung.
Den Barrikadenkämpfern hier in Europa gehörte viel eindringlicher ins Bewußtsein gebracht, daß südamerikanische Verhältnisse auch bei ihnen herrschen würden, hätte es den antiklerikalen Kampf nicht gegeben. Ob sie wirklich alle auf der Butterseite lägen ?!

Antworten Peregrin
26.01.2009 19:46
0 0

Re: Für Bayern und Schwaben san de Preiß a Indios, und trotzdem müssen sie teilen.

Mir kommt vor, Sie wollen hier zur Sprengung von Kirchen anstiften. Passen S' auf, der Herr Lichtenberg lauert schon!

Antworten Antworten Gast: moralisch
26.01.2009 20:21
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Re: Re: Für Bayern und Schwaben san de Preiß a Indios, und trotzdem müssen sie teilen.

Bin für Erscheinungen nicht zuständig, welchen Lichtenberg meinen Sie, Bernhard?

Peregrin
26.01.2009 11:55
0 0

Demokratie:

Zwei Woelfe und ein Schaf stimmen ab, was es zum Abendessen gibt.