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Bolivien: Morales setzt ethnosozialistische Verfassung durch

26.01.2009 | 18:33 |  Von unserem Korrespondenten ANDREAS FINK (Die Presse)

Eine neue Charta gewährt Indios neue Rechte und dem Präsidenten eine mögliche zweite Amtszeit.

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BUENOS AIRES. „Ab heute ist der Kolonialstaat beendet. Ab heute sind innerer und äußerer Kolonialismus vorbei. Ab heute ist Schluss mit Neoliberalismus.“ Als Evo Morales seinen Anhängern am Sonntagabend diese Worte zurief, war die Gewissheit groß, dass die Bolivianer dem Verfassungsentwurf des Präsidenten zugestimmt hatten. Morales ist nach drei Amtsjahren, einer Volksabstimmung über seine Abwahl, einer Parlamentsblockade, vier Referenden über regionale Autonomie und bürgerkriegsähnlichen Zuständen mit über 25 Toten endlich am Ziel, das eigentlich der Anfang ist.

Eine „Neugründung Boliviens“ verheiße die neue Magna Carta, die allen 9,2 Millionen Einwohnern das Recht auf unentgeltliche Ernährung, Gesundheitsversorgung, Bildung, Arbeit, Rente, Trinkwasser und auf einen angemessenen Lohn einräumt. Über alle natürlichen Ressourcen wie Bodenschätze, Wasser, Luft, Erde und auch Koka soll der Staat allein gebieten. Und künftig ist Bolivien ein plurinationaler Staat, in dem neben Spanisch auch alle 36 im Lande gesprochenen indigenen Idiome zu offiziellen Sprachen erhoben werden. Die katholische Kirche verliert ihre staatstragende Rolle. Außerdem beschloss gestern eine deutliche Mehrheit, dass kein Bolivianer künftig mehr als 5000 Hektar Land besitzen darf.

 

Ablehnung im weißen Tiefland

Damit dürften sich die Morales-Gegner kaum abfinden. Denn in den Tiefland-Provinzen, wo wohlhabende weiße Großgrundbesitzer den Widerstand gegen den ersten indigenen Präsidenten des Kontinents anführen, ist der Verfassungsentwurf ebenso deutlich abgelehnt worden, wie er in den dichter besiedelten armen Hochlandregionen angenommen wurde.

Deswegen interpretierte Autonomisten-Führer Branko Marinkovich in der Oppositionshochburg Santa Cruz das Wahlergebnis als technisches Patt. Davon wollte Morales natürlich gar nichts wissen. Vom Balkon des Präsidentenpalast schmetterte er: „Hier gibt es kein Unentschieden. Hier gibt es nur einen Sieger: die neue Verfassung des bolivianischen Volkes.“

In Wahrheit heißt der Sieger Evo Morales, denn die neue Verfassung erlaubt erstmals die Wiederwahl des Präsidenten. Mit dem Referendum im Rücken will sich der Chef der „Bewegung zum Sozialismus“ bis Jahresende eine neue Amtszeit sichern. Der erste Verfassungsentwurf sah gar die unbegrenzte Wiederwahl vor, davon musste Morales abgehen, damit die Opposition das Referendum guthieß.

Aber das kann er in den kommenden Jahren noch ändern. Rat dafür spendet sicher Morales' großer Förderer aus Caracas. Am 15.Februar will sich Venezuelas Präsident Hugo Chávez seine unbegrenzte Wiederwahl an den Wahlurnen genehmigen lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2009)

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8 Kommentare
praetor
28.01.2009 09:39
0 0

wende

freut mich sehr dies zu lesen!
man kann nur hoffen, dass jetzt nicht ins andere extrem übertrieben wird...
aber um das wohlhabende bürgertum dort mache ich mir keine allzu großen sorgen, die werden schon über die runden kommen!

praetor
28.01.2009 09:39
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wende

freut mich sehr dies zu lesen!
man kann nur hoffen, dass jetzt nicht ins andere extrem übertrieben wird...
aber um das wohlhabende bürgertum dort mache ich mir keine allzu großen sorgen, die werden schon über die runden kommen!

praetor
28.01.2009 09:39
0 0

wende

freut mich sehr dies zu lesen!
man kann nur hoffen, dass jetzt nicht ins andere extrem übertrieben wird...
aber um das wohlhabende bürgertum dort mache ich mir keine allzu großen sorgen, die werden schon über die runden kommen!

Peregrin
26.01.2009 19:47
0 0

"ethnosozialistisch"

Was für ein schönes Wort. Ist eine Ethnie nicht sowas ähnliches wie eine Nation?

Gast: moralisch
26.01.2009 15:54
0 0

Für Bayern und Schwaben san de Preiß a Indios, und trotzdem müssen sie teilen.

Man weiß eigentlich nichts über einen Kontinent, in dem die Kirche keine Herausforderung gekannt hat. Es soll in Mexico zu einer strikten Trennung vom Staat gekommen sein, seit geraumer Zeit wird aber wieder der Kniefall vor der ecclesia geübt.
"Wir werden die Ketten der Diskriminierung, der Spaltung, des Rassismus, der Unterwerfung, des Kolonialismus und der Erniedrigung brechen...", lauter Errungenschaften hinter denen der spiritus rector der (katholischen) Kirche stand, angefangen mit den Conquistadoren. Und, wie selbstverständlich, war dieselbe Kirche eine treibende Kraft hinter der Kampagne für ein Nein bei dieser Abstimmung.
Den Barrikadenkämpfern hier in Europa gehörte viel eindringlicher ins Bewußtsein gebracht, daß südamerikanische Verhältnisse auch bei ihnen herrschen würden, hätte es den antiklerikalen Kampf nicht gegeben. Ob sie wirklich alle auf der Butterseite lägen ?!

Antworten Peregrin
26.01.2009 19:46
0 0

Re: Für Bayern und Schwaben san de Preiß a Indios, und trotzdem müssen sie teilen.

Mir kommt vor, Sie wollen hier zur Sprengung von Kirchen anstiften. Passen S' auf, der Herr Lichtenberg lauert schon!

Antworten Antworten Gast: moralisch
26.01.2009 20:21
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Re: Re: Für Bayern und Schwaben san de Preiß a Indios, und trotzdem müssen sie teilen.

Bin für Erscheinungen nicht zuständig, welchen Lichtenberg meinen Sie, Bernhard?

Peregrin
26.01.2009 11:55
0 0

Demokratie:

Zwei Woelfe und ein Schaf stimmen ab, was es zum Abendessen gibt.