US-Präsident Barack Obama will die Kampftruppen im Irak bis Ende August 2010 abziehen. Zwischen 35.000 und 50.000 US-Soldaten sollen aber im Irak zurückbleiben, um die Ausbildung der irakischen Armee zu unterstützen und US-Einrichtungen zu schützen. Bis Ende 2011 sollen dann sämtliche US-Truppen den Irak verlassen haben.
Das hat Obama am Freitag bei einem Truppenbesuch auf dem Militärstützpunkt Camp Lejeune im Bundesstaat North Carolina verkünden. dass der "Kampfeinsatz" der US-Truppen am 31. August zu Ende gehe. Zu diesem Zeitpunkt beginne eine neue, "begrenztere" Mission, die sich auf die Ausbildung irakischer Streitkräfte, den Schutz von zivilen US-Einrichtungen und "gezielte Einsätze" beschränken werde, wollte Obama den Angaben zufolge sagen.
Der Rückzug der Truppen aus dem Irak gehörte zu den wichtigsten Wahlkampfversprechen Obamas, der dem Einmarsch der US-Armee unter seinem Vorgänger George W. Bush im März 2003 stets kritisch gegenübergestanden war.
Die US-Armee hatte Obama mehrere Szenarien vorgestellt, darunter waren die Varianten für einen Abzug der Kampftruppen binnen 16, 19 oder 23 Monaten. Der Präsident entschied sich jetzt für die 19-Monats-Frist. Damit würde der Rückzug drei Monate später erfolgen, als Obama im Wahlkampf versprochen hatte.
Obamas Pläne werden nach Medienberichten von den oppositionellen Republikanern unterstützt. Sein Rivale im Präsidentschaftswahlkampf, John McCain, habe die Pläne bei dem Treffen am Donnerstagabend im Weißen Haus als "durchdacht" und "gut vorbereitet" gelobt, zitierte die Tageszeitung "New York Times" Teilnehmer des Treffens.
Kritik aus den eigenen Reihen
Bei den Demokraten im Kongress regte sich hingegen Kritik. Mehrere demokratische Abgeordnete monieren, dass Obama auch nach dem Abzug der Kampftruppen weiterhin bis zu 50.000 Soldaten im Irak lassen will. Das wären über ein Drittel der gegenwärtigen Truppenstärke von rund 140.000 Mann. Die Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, erklärte, die geplante Zahl der im Irak verbleibenden Soldaten sei zu hoch. Ähnlich äußerte sich auch der demokratische Fraktionschef im Senat, Harry Reid. "50.000, das ist eine etwas höhere Zahl, als ich erwartet hatte."
Obama habe zugesagt, die Pläne zu überarbeiten, sollte sich die Sicherheitslage im Irak in den kommenden Monaten wieder verschlechtern, erklärte John McHugh, ranghoher Vertreter der Republikaner im parlamentarischen Kontrollausschuss für militärische Angelegenheiten. Der Irak stehe in diesem Jahr vor wichtigen Herausforderungen, unter anderem den Parlamentswahlen im Dezember. "Unsere Kommandanten müssen die Flexibilität haben, um darauf zu reagieren", sagte McHugh.
Eine zweite Etappe des Abzugs ist nach Angaben aus Regierungskreisen vor Dezember 2011 geplant. Bis zu diesem Datum hatten Obamas Vorgänger Bush und die Regierung in Bagdad den vollständigen Abzug aller amerikanischen Soldaten vereinbart.
Die USA haben zurzeit rund 142.000 Soldaten im Irak stationiert. Mindestens 4.250 amerikanische Soldaten hat der Irak-Krieg bisher das Leben gekostet. In den jüngsten Meinungsumfragen sprachen sich mehr als 60 Prozent der US-Bürger für einen raschen Abzug aus.
(Ag.)
: Was die Welt von Obama erwartet
US-Regierung: Obamas Mannschaft
Historische Präsidentenwahl ''Mubarak-Überbleibsel'' vs. Islamisten
Auch Politiker waren einmal jung Erkennen Sie die Politiker auf Ihren Kinderfotos?
Eklats im Parlament Prügeleien, Partys, Stinkefinger
Politiker beim Sport Kicken & kämpfen für das Foto
Zitate der Woche ''Ich bin ein Antifaschist reinsten Wassers''