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Afghanistan: Auf der Suche nach „gemäßigten Taliban“

13.03.2009 | 18:18 |  TERESA SCHAUR (Die Presse)

Obama ist zu Gesprächen mit „Moderaten“ bereit. Experten warnen vor zu hohen Erwartungen, es gebe gar keine gemäßigten Taliban.

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WIEN/KABUL. Noch setzen die USA weiter auf militärische Härte: Bei einem Drohnenangriff auf ein Trainingslager der Taliban in Pakistans Grenzregion zu Afghanistan wurden am Freitag mindestens 24 Menschen getötet. Gleichzeitig plant US-Präsident Obama in Afghanistan eine zweite Strategie: Gespräche mit „gemäßigten Taliban“. Seither rätselt die Welt, wen genau er damit meint.

Es gebe gar keine gemäßigten Taliban, erklärten unisono westliche Beobachter und die Taliban selbst. Was es gibt, sind frühere Mitglieder der gestürzten Taliban-Regierung, die heute nicht mehr zu den Islamisten gehören, aber als Vermittler fungieren. Zum Beispiel Ex-Außenminister Wakil Ahmad Muttawakil, der an Geheimverhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban in Riad teilgenommen hat.

 

Banditen und Stammesführer

Vielleicht ist der Begriff auch nur unglücklich gewählt. Gemeint seien nicht die „ideologisch verbohrten“ Taliban, sondern jene Gruppen, die aus verschiedenen Gründen auf Seiten der Taliban kämpfen, glaubt Conrad Schetter, Afghanistan-Experte am Zentrum für Entwicklungsforschung der Uni Bonn. Das seien Banditen und Kriminelle, ebenso wie Stammesälteste – „all jene also, die sich durch die internationale Besatzung mehr bedroht fühlen als durch die Taliban“. Zumal die Taliban sich als Beschützer der afghanischen Einheit gegen die Besatzer von außen präsentieren.

Auch sei die Idee, das Gespräch mit Aufständischen zu suchen, nicht neu. Schon seit drei Jahren würden viele Akteure „eingekauft“ und mit Verwaltungsposten versorgt. Adressat von Obamas Botschaft sei daher der Westen gewesen. Schetter: „Akteure, die bisher negativ bewertet wurden, werden als Gesprächspartner akzeptabel.“

Die Strategie, die Gegner zu spalten, hat schon im Irak zum Erfolg geführt. Die Zusammenarbeit mit sunnitischen Stämmen führte dort zu einem merklichen Rückgang der Gewalt.

Allerdings: Der Irak ist nicht Afghanistan. „Das System in Afghanistan basiert auf Netzwerken“, erklärt Schetter. Dort gebe es keine klare Frontziehung. „Die Macht haben jene, die gute Verflechtungen zu beiden Seiten haben.“ Viele Akteure würden in einer großen Grauzone operieren und je nach aktuellem Stammeskonflikt die Seiten wechseln. „90 Prozent der Konflikte drehen sich um Land- und Wasserrechtsfragen. Die Ideologie ist da oft nur übergestülpt.“

Der Thinktank „International Crisis Group“ warnte gestern vor zu hohen Erwartungen in Gesprächen mit „gemäßigten Taliban“. Frühere Vereinbarungen mit Aufständischen seien innerhalb kurzer Zeit kollabiert und hätten nur zur Stärkung der Gewalttäter geführt. Viel wichtiger sei, Afghanistans Armee und Polizei zu schlagkräftigen Einheiten zu machen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2009)

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1 Kommentare
Gast: Ludwig Ammer
14.03.2009 19:30
0 0

Mit Taliban

wird Obama noch gegen den Drogenhandel kämpfen, wenn er ein Mensch ist. Wir haben als Deutsche wohl mit der Poloihzeiarbeit die einzige Persprektive für Afghanistan aufgezeigt, und Weihbischof Andreas Laun hat als wahrer Christ das größte Problem zur gefährlichsten Zeit erkannt, als er öffentlich fragte, ob wir denn nicht das Vorhaben der Taliban ernst nehmen sollten, daß sie gegen die archaischen Clans religiös getragen den Drogenanbau vernichten wollten. Jetzt haben wir freie Athleten aus Afghanistan als Randerscheinung bei der Olympiade gesehen, aber das war keine Demonstration von Menschlichkeit. Krieg für Drogendealer ist geführt worden. Und so kann der Drogenanbau historische Ernterekorde bei stabilen Marktverhältnissen und steigenden Preisen feiern. Obama hat zum Amtsantritt versprochen, daß er den Drogenanbau weiter gut regulieren werde, damit die Preise nicht fallen. Wir sollten deutsche Polizisten in Afghanistan nicht weiter von Drogenmächten gefährdet sehen müssen.