Der Prozess in Deutschland gegen die mutmaßlichen Terroristen der sogenannten "Sauerland-Gruppe" steht vor einer überraschenden Wende: Die vier Angeklagten haben am Dienstag umfassende Geständnisse angekündigt. Der mutmaßliche Rädelsführer Fritz Gelowicz sagte vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf, er werde gestehen und danach auch Fragen beantworten. Sein Verteidiger Dirk Uden fügte hinzu: "Es wird ein umfassendes Geständnis. Es wird auch Überraschungen geben."
Der Angeklagte Adem Yilmaz ließ über seine Verteidigung erklären, er wolle sich "umfassend äußern". "Er hat keine Lust mehr auf das Verfahren. Er langweilt sich", sagte die Anwältin Ricarda Lang. Yilmaz sei von seinem Temperament her nicht in der Lage, dem Prozess weiter standzuhalten, und hoffe, dass das Verfahren vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadam abgeschlossen werden könne. Dieser beginnt in diesem Jahr am 21. August.
"Alle Karten auf den Tisch legen"
Auch die Anwälte von Daniel Schneider teilten mit, ihr Mandant werde eine "umfassende und weitgehend geständige Einlassung" abgeben. Der Angeklagte Atilla Selek will seinem Verteidiger Axel Nagler zufolge "alle Karten, die er in der Hand hat, auf den Tisch legen" und sich auch zur Frage der Zünderbeschaffung äußern.
Die zum Islam konvertierten Deutschen Gelowicz und Schneider, der Deutsch-Türke Selek und der Türke Yilmaz wollten laut Anklage mit Autobomben möglichst viele US-Bürger in Deutschland töten. Sie sollen eine deutsche Zelle der Islamischen Dschihad-Union (IJU) gegründet haben. Sie stehen unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags vor Gericht. Schneider wird zudem versuchter Mord vorgeworfen, weil er bei seiner Festnahme auf einen Polizisten geschossen haben soll. Drei Angeklagte wurden im September 2007 im Sauerland festgenommen, ein vierter später in der Türkei.
Angeklagte durften zusammenkommen
Zunächst hatte sich am Dienstag Yilmaz zu einem Geständnis bereit erklärt und um ein Gespräch mit seinen Mitangeklagten gebeten. Das Oberlandesgericht erlaubte den mutmaßlichen Terroristen daraufhin eine gemeinsame Pause ohne ihre Anwälte.
Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling wies darauf hin, dass die Angeklagten bei ihrer Beratung von zwei Ermittlern des Bundeskriminalamtes (BKA) überwacht werden. "Sie sollen keine Gelegenheit haben, ihre Einlassung abzusprechen." Bei dem Gespräch soll es darum gehen, ob die Männer aussagen wollen. Normalerweise sind die Angeklagten strikt voneinander getrennt: Sie sind in verschiedenen Justizvollzugsanstalten untergebracht und dürfen während des Prozesses nicht miteinander sprechen.
Auslöser der neuen Entwicklung am 15. Verhandlungstag war ein Vermerk, mit dem der Vorsitzende Richter den Angeklagten Yilmaz am Morgen konfrontiert hatte, wie Gerichtssprecher Ulrich Egger sagte. Demnach hatte der Angeklagte in der Untersuchungshaft in der JVA Wuppertal an einem Besuchstag geäußert, er wolle gestehen.
(APA)
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