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Ahmadinejads Schwert: Die Basidj-Miliz

17.06.2009 | 18:08 |  Von unserem Korrespondenten JAN KEETMAN (Die Presse)

Wer sind die freiwilligen Schläger in Zivil, die die Opposition tyrannisieren?

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Wenn es für die islamische Republik hart auf hart kommt, so haben die Machthaber verschiedene loyale Truppen an der Hand, insbesondere die Revolutionswächter und die freiwillige Miliz Basidj.

Basidj heißt „Mobilisierung“ und ist die Abkürzung von Basidj-e Mostaz'afin „Mobilisierung der Unterdrückten“. Khomeini rief die Basidji während des Irakisch-Iranischen Kriegs 1980–88 ins Leben. Die Basidj-Einheiten bestanden damals aus Jugendlichen ab 14, die man in den Schulen rekrutiert hatte. Viele trugen nur Stöcke und um die Stirn ein Band mit der Aufschrift „Allahu akbar!“ Um den Hals hatten sie ein Band mit einem kleinen Plastikschlüssel gebunden. Die aus Taiwan importierten Schlüssel sollten ihnen nach dem Märtyrertod die Pforte des Paradieses öffnen.

Ihre Aufgabe war es, als menschliche Welle vorauszustürmen und so Minen zur Explosion zu bringen. Die Basidji wurden damit zum Vorbild für alle späteren Selbstmordattentäter. Irans Präsident Ahmadinejad betont gerne diesen Zusammenhang: Khomeini habe den Grundstein zur „Basidj-Kultur“ auf der ganzen Welt gelegt, meint Ahmadinejad. Er selbst ist ein ehemaliger Basidji, der gerne in seiner alten Uniform auftritt.

 

Schlagen und peitschen

Heute verteidigen die Basidji die islamische Republik vor allem gegen die kulturelle Unterwanderung durch den Westen. Frauen, deren Kleidung nicht den Vorschriften entspricht, werden mit auf die Wache genommen und verwarnt, im Wiederholungsfall mit Geldstrafen belegt und Auspeitschung bedroht. Ähnliches blüht Jugendlichen, wenn sie auf gemischten Partys angetroffen werden, oder jungen Männern, die Haarfestiger verwenden.

Seit dem Wochenende tyrannisieren die Basidji Demonstranten, sie drangen, bewaffnet mit Schlagstöcken, auch in Universitäten ein. Am Montag erschossen sie aus dem Fenster einer Wache heraus acht junge Männer. Die Demonstranten hatten die Wache zuvor mit Brandsätzen angegriffen.

Nach offiziellen Angaben zählt die Basidji heute 12,5 Millionen Mitglieder, darunter fünf Millionen Frauen. Westliche Schätzungen belaufen sich auf etwa eine Million. Sie haben leichte Waffen, es gibt aber auch Pläne, einen Teil mit schweren Waffen auszurüsten.

Die Basidji untersteht den Revolutionswächtern, auch Pasdaran genannt, die ihrerseits über 125.000 Mann mit allen Arten von Waffen, Schiffen und Flugzeugen verfügen. Die Pasdaran sind aber nicht nur die Elitetruppe der Republik, sie sind zugleich Unternehmer mit einem beträchtlichen Firmenbesitz. Ahmadinejad will die wirtschaftlichen Aktivitäten der Pasdaran weiterhin fördern.

Am Tag der Präsidentenwahl, gaben die Pasdaran eine Erklärung heraus, in der sie drohten, sie würden eine „samtene Revolution“ im Iran unterdrücken. Die Pasdaran und die Basidji unterstehen dem Religiösen Führer, Ali Khamenei, der die Iraner aufgefordert hatte, keinen „prowestlichen“ Kandidaten zu wählen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2009)

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