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Iran: 50.000 Dollar Hauptpreis für Holocaust-Karikaturen

Ein iranischer Jude im Gebetshaus.
Ein iranischer Jude im Gebetshaus. / Bild: REUTERS 

Teilnehmer aus 50 Ländern werden bei den Wettbewerb in der iranischen Stadt Mashhad erwartet. Israels UN-Botschafter verurteilt die Veranstaltung.

 (DiePresse.com)

Der Iran veranstaltet dieses Jahr wieder einen von Israel als antisemitisch eingestuften Karikaturen-Wettbewerb zum Thema Holocaust. Das Preisgeld für den Gewinner wurde nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur IRNA von 12.000 auf 50.000 Dollar (46.230 Euro) erhöht. Der Wettbewerb wird von der Teheraner Stadtverwaltung organisiert und im Juni in der Stadt Mashhad abgehalten.

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Teilnehmer aus 50 Ländern würden erwartet, erklärte der Organisator des Wettbewerbs, Masud Shojai-Tabatabai. "Unsere Absicht ist es nicht, den Holocaust zu billigen oder zu leugnen", hatte Shojai-Tabatabai im Dezember erklärt. "Die Hauptfrage ist: warum darf man nicht über den Holocaust reden, wenn doch der Westen so an die Meinungsfreiheit glaubt? Außerdem, warum muss das unterdrückte palästinensische Volk den Preis für den Holocaust zahlen?"

Veranstaltung sei "das wahre Böse"

Der israelische Botschafter bei der UNO, Danny Danon, forderte UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon auf, den Wettbewerb offiziell zu verurteilen, berichtete die israelische Nachrichtenseite "ynet" am Donnerstag. Die Veranstaltung sei ein Akt des Antisemitismus, der "das wahre Böse" zum Ausdruck bringe. Die Leugnung des Holocaust sei der stärkste Ausdruck von Antisemitismus, indem er den Mord an sechs Millionen Juden legitimiere.

Im Vorjahr war im Iran eine Ausstellung von Karikaturen zum Thema Holocaust kurzfristig abgesagt worden. Die Ausstellung sollte eine Protestaktion gegen die Mohammed-Zeichnungen im französischen Satiremagazin "Charlie Hebdo" sein. Es wurde vermutet, dass die iranische Führung die Ausstellung in der Endphase der Atomverhandlungen mit dem Westen nicht haben wollte, weil sie für negative Schlagzeilen gesorgt hätte.

Der ehemalige iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad hatte den Holocaust immer wieder infrage gestellt. Unter seiner Regierung wurde auch der alle zwei Jahr stattfindende Holocaust-Karikaturen-Wettbewerb ins Leben gerufen. Ahmadinejads Nachfolger Hassan Rohani hat sich nach seiner Amtsübernahme 2013 von diesen Äußerungen abgesetzt.

Was sagte Rohani wirklich?

In einem CNN-Interview äußerte er sich zu dem Thema, allerdings ist die damals (von einem von der iranischen Regierung beigestellten Dolmetscher) angefertigte Übersetzung umstritten. Laut CNN sagte Rohani: "Über die Dimensionen des Holocaust sollen Historiker befinden. Generell ist aber jedes Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das sich in der Geschichte ereignete, und das schließt die Verbrechen der Nazis gegenüber den Juden ein, verwerflich. Was auch immer sie den Juden angetan haben, wir verurteilen das."

Die iranische Agentur Fars indes, die den Revolutionsgarden nahesteht, korrigierte dies später und schrieb, dass Rohani den Begriff "verwerflich" nicht gebraucht habe, ebensowenig wie das Wort "Holocaust".

(APA/Red.)

 
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