26.05.2012 09:16 | Meine Presse Merkliste 0

"Antisemitismus": Skandinavien spürt Israels Zorn

24.08.2009 | 18:12 |  Von unserem Korrespondenten HANNES GAMILLSCHEG (Die Presse)

Ein Boulevardartikel über angeblichen Organhandel der israelischen Armee löst diplomatische Krise aus. Israel protestiert gegen 150-Jahr-Feiern für den Literaten und „Nazibewunderer“ Knut Hamsun.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Kopenhagen/Stockholm. Wie sich doch die Bilder ähneln: Ein Streit, der seit einer Woche zwischen Israel und Schweden tobt, weckt starke Erinnerungen an die Karikaturenkrise, als vor vier Jahren eine dänische Zeitung mit ihren Zeichnungen des Propheten Mohammed die Gefühle von Millionen Muslimen verletzte.

Nur ist es diesmal Israel, das mit Empörung auf einen Artikel reagiert, den Schwedens auflagenstärkste Zeitung, „Aftonbladet“, publiziert hat. Thema: Haben israelische Soldaten getöteten Palästinensern Organe entnommen?

Wie damals islamische Vertreter von der dänischen Regierung ein Eingreifen und eine Entschuldigung verlangten, fordern nun israelische Politiker, Stockholm möge doch den Artikel verurteilen. Und wie damals Kopenhagen erwidert diesmal Stockholm: Wir können uns nicht darin einmischen, was schwedische Zeitungen drucken.

 

Kritik auch in Schweden

Der umstrittene Text stammt vom freien Journalisten Donald Boström, der unter dem Titel „Die Organe unserer Söhne werden geplündert“ Gerüchte, die er unter Palästinensern gehört hatte, mit einer kürzlich in den USA aufgeflogenen Affäre um illegalen Organhandel verwob. Er warf die Frage auf, ob israelische Soldaten getöteten Feinden Organe entnommen hätten, und belegte den Vorwurf durch Gespräche mit Hinterbliebenen von Kriegsopfern und mit einem eigenen Erlebnis von 1992. Da hatte er gesehen – und fotografisch dokumentiert –, wie Soldaten die Leiche eines palästinensischen 19-Jährigen zurückgaben, die offensichtlich obduziert worden war. Brust und Bauch waren frisch vernarbt. Beweise für eine Organentnahme lieferte er nicht.

„Aftonbladet“ rechtfertigte die Publizierung später so: Man habe ja nicht behauptet, dass Organdiebstahl tatsächlich vorkomme. Boström habe nur eine Untersuchung gefordert. Dennoch rief der Artikel auch in Schweden geharnischte Kritik hervor. Die liberale „Sydsvenskan“ taufte die Zeitung in „Antisemitbladet“ um und warf ihr vor, sie habe sich mit alten antijüdischen Klischees in dieses Eck gestellt. Doch als israelische Politiker begannen, von Schweden eine Entschuldigung zu fordern, schlossen die Medien die Reihen: Ein solcher Eingriff in die Meinungsfreiheit sei unerhört. Außenminister Carl Bildt stellte klar: „Wir können uns nicht für einen Artikel in einer unabhängigen Zeitung entschuldigen. Was ,Aftonbladet‘ publiziert, muss ,Aftonbladet‘ verantworten.“

In die Kritik kam dafür Schwedens Botschafterin in Tel Aviv, die die Publizierung des Artikels als „genauso schockierend und widerlich für uns Schweden wie für Israels Bürger“ bezeichnete.

 

„Schweigen zum Holocaust“

„Niemand kann verlangen, dass Schwedens Regierung gegen die Verfassung verstößt“, unterstrich Premier Fredrik Reinfeldt die starke Verankerung der Meinungsfreiheit. „Heuchler“, entgegnete Israels Außenminister Avigdor Lieberman. Während des Karikaturenstreits habe sich Schwedens (damals sozialdemokratische) Außenministerin sehr wohl vom Nachdruck der Mohammed-Zeichnungen in schwedischen Medien distanziert. Die Weigerung, Stellung zu nehmen, verglich Lieberman mit „Schwedens Schweigen während des Holocaust“. Premier Benjamin Netanjahu sagte, Schweden solle den Artikel nicht entschuldigen, aber verurteilen. Die „Blutlüge“ erinnere an alte antisemitische Stereotype, nach denen Juden das Blut von Christen für rituelle Zwecke genutzt hätten.

Am Montag weitete Lieberman seine Angriffe auch auf Norwegen aus, das in diesem Jahr den 150. Geburtstag des Dichters und Literaturpreisträgers – aber auch aktiven Nationalsozialisten – Knut Hamsun begeht. Er sei „erstaunt über die Entscheidung der norwegischen Regierung“, Hamsun zu ehren, obwohl dieser Hitler bewundert hat, polterte der Außenminister, obwohl die Schwierigkeit, das literarische Erbe des Dichters von seinen politischen Verfehlungen zu trennen, eines der wichtigsten Themen des „Hamsun-Jahres“ ist.

Doch offensichtlich sind die Skandinavier im Schussfeld der israelischen Rechtsregierung. Sie hat nicht vergessen, dass norwegische Ärzte im Gaza-Krieg die wichtigsten Augenzeugen waren. Der Antisemitismus-Vorwurf, der nun Schweden trifft, ist auch gegen Norwegen vorgebracht worden, obwohl die jüdischen Gemeinden beider Länder solchen Vereinfachungen widersprechen.

 

Aufrufe zu Schweden-Boykott

Selbst in Unterschriftenaktionen zum Boykott schwedischer Waren – just in Israel, das selbst ständig unter Boykotten leidet – hat die Affäre Parallelen zum Karikaturenstreit. Carl Bildt, derzeit EU-Ratsvorsitzender, versuchte, seinen israelischen Kollegen entgegenzukommen, als er „Verständnis“ für ihre Gefühle zum Ausdruck brachte. Wenn das falsche Bild entstehe, Schweden gehe mit dem Antisemitismus leichtfertig um, wäre er bekümmert.

Doch dies ist seinen Kritikern nicht genug. „Wer eine derartige Verleumdung nicht verurteilt, ist in Israel nicht willkommen“, sagte Finanzminister Yuval Steinitz und meint, man solle den für nächste Woche geplanten Bildt-Besuch in Israel entweder absagen – oder statt über Gaza und Siedlungspolitik „ausschließlich über den Artikel“ reden.

 

Kollektivstrafe für Journalisten

Schwedischen Journalisten soll nun die Arbeit in Israel erschwert werden. Nicht nur Boström riskiert, seine Aufenthaltsgenehmigung zu verlieren. Auch anderen Korrespondenten droht der Entzug der Akkreditierung. Schwedens Journalistengewerkschaft protestierte gegen diese „kollektive Bestrafung“. So etwas kenne man nur aus Diktaturen: „Ich kann mich an kein anderes demokratisches Land erinnern, das so agiert hätte“, sagte die Vorsitzende Agneta Lindblom Hulthen.

Zwei Reportern von „Aftonbladet“ wurde mitgeteilt, es werde drei Monate dauern, ehe ihr Antrag auf einen Presseausweis geprüft sei. Warum so lange? Der ätzende Kommentar von Daniel Seaman, Chef des staatlichen Presseamtes: „Wir müssen untersuchen, ob sie sich als Organspender eignen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

488 Kommentare
 
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Gast: Ballast
28.08.2009 06:42
0 4

Blutlüge ?

"Die gezielte Verbreitung von Gerüchten ist ein Teil des palästinensischen Kampfes gegen die Besatzung."

Schön wenn man sich mit diesem Verweis der journalistischen recherche entledigen kann.

Es gibt allerdings Berichte die dafür sprechen sich näher mit diesem Thema zu beschäftigen :

http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=7239&Itemid=214

1 0

Re: Blutlüge ?

Wahrlich eine seriöse Quelle!
Die dort glauben noch heute an eine Verschwörung gegen Mumia Abu Jamal!

Wie sagte schon Ernst Jandl:
"Lechts und Rinks kann man nicht velwechsern!
Werch ein Illtum!"

1 0

Re: Re: Blutlüge ?

Hey, dort gibt's sogar auch einen Link zu 9 11
http://nuoviso.tv/index.php?option=com_content&view=article&id=65:unter-falscher-flagge&catid=54:11-september&Itemid=66

Echt seriös!

0 2

Auf einen gemeinsamen Nenner gebracht.

Die Ha.mas steht fuer naturrechtlichen Freiheitskampf mit allen politisch-korrekten und unkorrekten Mitteln.

I.sr.ael verhindert das mit allen politisch-korrekten und unkorrekten Mitteln.

Weder die Ha.mas noch I.sr.ael benoetigen dafuer eine Ideologie.

Don Quichotte kaempfte fuer und gegen Ideologien.


Antworten Gast: Gast
27.08.2009 14:14
0 0

Re: Auf einen gemeinsamen Nenner gebracht.

Israel hat aber eine Menschenverachtende, eine Menschenmordende und eine ethnische Ideologie!

0 1

Re: Re: Auf einen gemeinsamen Nenner gebracht.

"Ideologie" ist dafuer zu hoch gegriffen.

Die Thora-geschulte Ellenbogentechnik und der Hol.oca.ust-Bonus from gesamten Westen decken alle Verbrechen.

0 0

Re: Re: Auf einen gemeinsamen Nenner gebracht.

Du erinnerst mich an den Pavian, der auf sein Spiegelbild reindrischt, weil er sich selber für seinen Gegner hält.

0 1

Re: Re: Re: Auf einen gemeinsamen Nenner gebracht.

Lauter dumme Kurvenkratzerei!

Antworten 4x4
27.08.2009 14:01
0 0

Re: Auf einen gemeinsamen Nenner gebracht.


Hier geht's nicht ums "Benötigen", sonder ums "Um- und druchsetzen"

Die Hamas setzt ihre fa schis tische und menschenmordende Ideologie (Islam) um.

Wären die Palis keine Moslems, sondern irgandwas anderes, hätte es diesen Konflikt gar nicht gegeben.

0 0

Re: Re: Auf einen gemeinsamen Nenner gebracht.

"Wären die Palis keine Moslems, sondern irgandwas anderes, hätte es diesen Konflikt gar nicht gegeben."

Ihrer Meinung nach gibt es und kann es nur Freiheitskaempfer geben, wenn sie gleichzeitig Moslems sind.

Und Sie shaemen sich nicht mit Erwachsenen zu diskutieren?

Antworten Antworten Antworten 4x4
27.08.2009 16:16
0 0

Re: Re: Re: Auf einen gemeinsamen Nenner gebracht.


"Ihrer Meinung nach gibt es und kann es nur Freiheitskaempfer geben, wenn sie gleichzeitig Moslems sind. "

Das ist kompletter Unsinn!
Wie kommen Sie darauf?

Bevor Sie jemanden das Schämen nahelegen, tun Sie es lieber selber!
Und zwar dafür, dass Sie sich derartigen Mist zusammenbasteln und dann das als meine Meinung bezeichnen!

4x4
27.08.2009 11:32
0 0

Zenzitest


Gast: 8x8 (26.08.2009 12:27) hat das geschrieben:
"Die Hamas betreibt zurecht Widerstand gegen eine fas chisti sche und Menschenmordende Ideologie. "

mal schauen, ob die Zenzitant da ist

Die Hamas (islamisch!!!) steht für eine fa schis tische und menschenmordende Ideologie.

4x4
27.08.2009 10:31
0 0

"Freiheitskämpfer"

Für die mörderischen "Freiheitskämpfer" der Hamas ist die Freiheit von Frauen völlig unwichtig.

http://diepresse.com/home/politik/nahost/504284/index.do

Gast: Karl 09
26.08.2009 19:52
0 0

444 Kommentare

Ich trinke jetzt einen drauf!!


mehrdad
26.08.2009 16:11
6 1

lachhaft...

klar doch. juden zu sagen, sie müssten sich selbst fragen, warum "man" sie hasst, ist kein judenhass, sondern objektiver israelkritik.

und einen bogen um die völkermorde um uns herrum zu machen, und nur die empörungskeule auszupacken, wenn es gegen israel/juden verwendet werden kann, ist nichts anderes als "objektiver israelkritik".

demnach war ein julius streicher kein judenhasser, sondern objektiver israelkritiker...hoppla, damals gab es ja israel noch nicht und es gab "komischerweise" trotzdem judenhass.

ösis und deutsche töteten damals 6.000.000 juden und als staatschefs der "freien welt" gefragt wurden, wieviele juden sie denn aufnehmen könnten, die aus europa fliehen wollten, sagten sie (MP von kanada):"am liebsten keinen."

lustig ist, dass ösis, deren land langsam aber sicher von moslems übernommen wird, sich an juden festbeissen, statt die wahre gefahr für ihr ösi-land zu sehen.

das meiste, was man hier liest, könnte glatt aus dem "stürmer" forum stammen.

"Den Israelis, trau ich alles zu!"
"Weil die Hamas im Recht ist!!!!!!!!!!"
"Die Hamas betreibt zurecht Widerstand gegen eine faschistische und Menschenmordende Ideologie."
"Israel tötet. Entnimmt die Organe und zum Export in die Staaten in denen Organe mehr als Gold Wert sind . "

nach einigen solche von judenhass zerfressene postings kommt einem die galle hoch..hoppla, hoffentlich sind keine "blutrünstigen juden" in der nähe, die die galle klauen.


Antworten Gast: Leser
27.08.2009 14:16
0 5

Re: lachhaft...

Lügen, Lügen und noch mehr Lügen!

glaubst du eigentlich diese zionistische Merte?

Antworten 4x4
27.08.2009 10:34
1 0

Re: lachhaft...


"lustig ist, dass ösis, deren land langsam aber sicher von moslems übernommen wird, sich an juden festbeissen, statt die wahre gefahr für ihr ösi-land zu sehen."

das ist nicht "lustig", sondern bizarr und beängstigend.

0 0

Re: Re: lachhaft...

Ich finde das nicht auch lustig. Sieht fast so aus wie das Gerangel um die besten Plätze in einer neuen Gesellschaft.

3 1

Re: lachhaft...

Absolute Zustimmung!

Das ist vielleicht eine behämmerte Linksfaschisten-Dialektik. Einfach nur grauenhaft, was man hier lesen muss:

Der grundlos Beschuldigte muss doch ein Bisschen Schuld haben, sonst würde man ihn doch nicht grundlos beschuldigen.

Also wirklich absolut unterste Schublade...

Antworten Arethas
26.08.2009 18:42
0 0

Re: lachhaft...

Galle wird tatsächlich geklaut, allerdings nicht von Menschen, sondern von Bären.
http://www.geo.de/GEO/natur/tiere/3599.html

Gast: gast leser
26.08.2009 14:54
1 7

So viele plumpe Beleidigungen von faschistischer bzw. pro-zionistischer Seite, habe ich es letzte mal beim Gaza-Massakers gehört.

die Art wie die Israelis darauf reagieren, zeigt das
doch was dran ist.

Ohne Feuer kein Rauch!

So viele plumpe Beleidigungen von faschistischer bzw. pro-zionistischer Seite, habe ich es letzte mal beim Gaza-Massakers gehört.


Antworten 4x4
26.08.2009 16:19
4 1

Re: "Ohne Feuer kein Rauch!"

Nach genau dieser plumpen Masche sind die Lügen der Hamas gestrickt.
Und die Einfaltspinsel fallen regelmäßig darauf herein.

Antworten Antworten Gast: 4x4=16
26.08.2009 16:49
0 0

Re: Re:

Und warum verlangst du keine unabhängige Untersuchung des Falles?

Dann wären Zweifler straft, falls es nicht stimmen sollte!
Aber anscheinend ist doch sehr Viel an der Geschichte dran, sonst würde die Hunde nicht so laut B....

Antworten Antworten Antworten 4x4
27.08.2009 09:22
1 0

Re: Re: Re:

ich verlange gar nichts!

aber natürlich bin ich für eine Untersuchung.

Bezeichnend ist, dass die Untersuchungen der bizarren Anschuldigungen der Hamas üblicherweise von den Palis selber blockiert werden.
Weil dann ja auch für den hartgesottensten Realitätsverweigerer offensichtlich würde, dass das alles haltlos ist.

0 0

Weil dann ja auch für den hartgesottensten Realitätsverweigerer offensichtlich würde, dass das alles haltlos ist

nein, nicht einmal dann würden sie das zur Kenntnis nehmen...

sunshine
26.08.2009 13:04
1 15

Den Israelis, trau ich alles zu!

Die meisten getöteten Widerstandskämpfer wurden zur „Autopsie" gebracht und sogar Verwundete wurden aus den Krankenhäusern entführt. Dieses Vorgehen minderte sich erst nach der Einrichtung der palästinensischen Autonomiebehörde. Die in den Gebieten unter Kontrolle der PA getöteten Palästinenser wurden nicht mehr „autopsiert", doch das geschieht weiterhin in den von den Israelis kontrollierten Gebieten.

http://www.kawther.info/wpr/2009/08/23/the-body-snatchers-of-israel

 
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11