Der Befehl zur Bombardierung von zwei Tanklastern in Afghanistan wird einem Medienbericht zufolge bei der Nato nach ersten Erkenntnissen als Fehlentscheidung eingestuft. Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Nato-Kreise in ihrer Online-Ausgabe berichtet, habe der deutsche Oberst Georg Klein seine Kompetenz überschritten und die Lage falsch eingeschätzt. Dies ergebe sich aus einem vorläufigen Bericht der Internationalen Schutztruppe ISAF zu dem Angriff bei Kunduz, erfuhr die Zeitung am Mittwoch.
Es sei "sonnenklar", dass Klein den vorgeschriebenen Befehlsweg nicht eingehalten habe, erklärte ein führender Nato-Offizier der Zeitung. Zu einer Entscheidung von solcher Tragweite sei der deutsche Oberst ohne Rücksprache mit dem ISAF-Hauptquartier nicht befugt gewesen. Es habe keine unmittelbare Bedrohung für ISAF-Truppen und daher auch keine Notwendigkeit für eine schnelle Entscheidung gegeben. Die beiden Tanklaster hätten auf einer Sandbank im Fluss Kunduz festgesteckt. Nach Einschätzung der Bundeswehr hätten die beiden Tanklaster als rollende Bomben eingesetzt werden können.
Der Darstellung des nicht näher bezeichneten Nato-Offiziers zufolge ist die Anforderung von Luftunterstützung durch zwei US-Kampfjets, die schließlich die beiden Bomben auf die Tanker abwarfen, nicht zulässig gewesen. Der sogenannte "Close Air Support" dürfe nur angefordert werden, wenn Soldaten am Boden in Gefechte verwickelt seien, zitiert die Zeitung den Offizier.
Ein Sprecher des deutschen Verteidigungsministeriums sagte, die Aussagen des Nato-Offiziers stützten sich auf einen ersten Bericht der ISAF, der als "eine Art Reisebericht" mit unbestätigten Spekulationen zu werten sei. Vor dem Abschluss der Untersuchungen werde das Ministerium nicht zu derartigen Spekulationen Stellung nehmen.
Frankreich unterstützt Deutschland
Unterdessen hat Frankreich Deutschland nach dem umstrittenen Befehl der Bundeswehr zu einem Bombardement nahe Kunduz in Nordafghanistan seine "uneingeschränkte Solidarität" erklärt. "Unser gemeinsames Interesse ist die Sicherheit", sagte der französische Staatssekretär im Außenamt, Pierre Lellouche, am Mittwoch in Paris. "Wir müssen Verständnis zeigen", sagte Lellouche. "Ich drücke Deutschland meine vollständige und uneingeschränkte Solidarität aus."
Der von der deutschen Bundeswehr befohlene Luftangriff in der afghanischen Provinz Kunduz hatte unter den Bündnispartnern der Nato-geführten Schutztruppe ISAF Spannungen hervorgerufen. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner hatte den Angriff mit dutzenden Toten zunächst als "großen Fehler" bezeichnet.
Nato räumt zivile Opfer ein
Wie viele Opfer der Luftangriff gefordert hat und wie viele davon Zivilisten waren, ist weiter umstritten. Zunächst war in US-Medien von über 120 Toten die Rede, darunter Dutzende Zivilisten. Die Bundeswehr wiederum gab an, nur rund 50 Taliban seien ums Leben gekommen. Mittlerweile räumen die Deutschen aber auch zivile Opfer ein. Die Nato bestätigte am Dienstag, sie gehe davon aus, dass beim Angriff auch Zivilisten starben. Klarheit sollen die noch laufenden Ermittlungen bringen, die von einem kanadischen Generalmajor geleitet werden.
In Deutschland wächst indessen die Kritik an der Informationspolitik der Regierung. Der Fraktionschef des Regierungspartners SPD, Peter Struck, zeigte sich darüber „beunruhigt“. Und Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte den Rücktritt des Verteidigungsministers.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ zwar in ihrer Regierungserklärung zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr am Dienstag eine Entschuldigung für mögliche Fehler anklingen, verteidigte aber auf der anderen Seite die Bundeswehr gegen die heftige Kritik der Verbündeten.
Historische Präsidentenwahl ''Mubarak-Überbleibsel'' vs. Islamisten
Auch Politiker waren einmal jung Erkennen Sie die Politiker auf Ihren Kinderfotos?
Eklats im Parlament Prügeleien, Partys, Stinkefinger
Politiker beim Sport Kicken & kämpfen für das Foto
Zitate der Woche ''Ich bin ein Antifaschist reinsten Wassers''