Nach den Sexskandalen um den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi eskaliert der politische Konflikt in Rom. Nachdem der Präsident der Abgeordnetenkammer, Gianfranco Fini, in den letzten Tagen den Regierungschef wegen seines Verhaltens kritisiert hatte, gerät der Rechtspolitiker ins Visier der Berlusconi-eigenen Tageszeitung "Il Giornale".
Der Chefredakteur des Blattes, Vittorio Feltri, drohte Fini in einem Kommentar mit der Veröffentlichung eines Dossiers aus dem Jahr 2000 über Sexskandale rund um Spitzenpolitiker seiner Partei Alleanza Nazionale, sollte er weiterhin Berlusconi attackieren. In den Sog der Affäre sollen angeblich auch Vertrauensmänner Finis geraten sein.
Die Worte Feltris lösten heftige Empörung unter den engsten Mitarbeitern Finis aus. "Feltris Worte verletzen die Ehrwürdigkeit des Präsidenten der Abgeordnetenkammer. Wir werden gegen diese Diffamierungskampagne rechtliche Schritte unternehmen", warnte die Parlamentarierin und Rechtsanwältin Giulia Bongiorno, Präsidentin der Justizkommission in der Abgeordnetenkammer. Kurz darauf hat Gianfranco Fini dann Feltri angezeigt.
Feltri ist wegen seiner provokativen Kampagnen an der Seite Berlusconis bekannt. Für einen Eklat sorgte er Ende August mit seinem Schlag gegen den Chefredakteur des katholischen Blatts "L'Avvenire", Dino Boffo. Dieser hatte Berlusconis außerehelichen Eskapaden in mehreren Kommentaren scharf kritisiert. Das kostete ihn den Job. Feltris Tageszeitung druckte ein Polizeidokument ab, aus dem hervorgeht, dass Boffo im Jahr 2004 wegen Nötigung einer Frau zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt worden war. Das Blatt berichtete, dass Boffo homosexuell sei und die Frau eines angeblich homosexuellen Freundes wiederholt bedroht habe. Daraufhin reichte Boffo seine Kündigung ein.
Seit Tagen sind die Beziehungen zwischen dem Premierminister und Fini frostig. Fini, der mit Berlusconi im März die neue Mitte-rechts-Gruppierung "Volk der Freiheit" aus der Taufe gehoben hatte, kritisierte mangelnde interne Demokratie in der Regierungspartei. Die Partei habe seit ihrer Gründung noch keine Beschlüsse bezüglich der internen Struktur gefasst. Berlusconi dominiere die Partei, ohne eine demokratische Debatte zuzulassen. Fini kritisierte außerdem die zunehmend starke Rolle der rechtsföderalistischen Partei Lega Nord in der Regierungsallianz. Die Lega Nord beeinflusse viel zu stark alle Beschlüsse Berlusconis.
Seit Wochen plädiert der 57-jährige Fini für ein Ende des Kriegs zwischen Berlusconi und regierungskritischen Medien wie der Tageszeitung "La Repubblica", die wegen der Sexaffäre den Rücktritt des Premierministers verlangt. Der ständige Konflikt rund um Berlusconi schade dem ganzen Land, warnte Fini.
Feltris Attacken lösten heftige Empörung auch in Oppositionskreisen aus. "Wer dem Präsidenten der Abgeordnetenkammer droht, droht dem ganzen Parlament", sagte der Fraktionschef der Oppositionspartei PD, Antonello Soro, der sich mit Fini solidarisch erklärte. Die Attacken gegen Fini seien unannehmbar, weil sie von einer Zeitung im Besitz Berlusconis stammen. Er rief Berlusconi auf, sich im Namen seiner Zeitung bei Fini zu entschuldigen.
(Ag.)

Italien: ''Playboy-Künste'' und ''gekochte Kinder''- Berlusconi im Fettnäpfchen
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