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Der omnipräsente Barack Obama

20.09.2009 | 18:37 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Fast zeitgleich erschien der Präsident am Sonntag auf fünf Fernsehsendern. Kritiker werfen ihm zu viel Präsenz vor, für seine Berater ist er der beste Anwalt in eigener Sache.

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WASHINGTON. In den ersten acht Monaten seiner Amtszeit hat sich Barack Obama nicht eben rar gemacht. Er hat zweimal den Kongress zu einer Sondersitzung einberufen, er hat vier Pressekonferenzen abgehalten, die die nationalen Fernsehsender im Hauptabendprogramm übertragen haben, er hat die Nachrichtenmoderatoren serienweise zu Interviews im Weißen Haus empfangen, und er ist in der Late-Night-Show von Jay Leno aufgetreten. Kaum ein Tag, an dem der Präsident nicht die Schlagzeilen bestimmt hätte. Damit hat er nicht nur seinen notorisch pressescheuen Vorgänger George W. Bush weit hinter sich gelassen, sondern auch Ronald Reagan und Bill Clinton, die als große „Kommunikatoren“ gelten.

 

Tour d'Horizon in 15 Minuten

Doch am Sonntag übertraf sich Obama selbst. Als Ouvertüre zu einer Woche, die er bei seiner Premiere bei der UN-Hauptversammlung in New York und als Gastgeber des G20-Gipfels in Pittsburgh verbringen wird, erschien er fast zeitgleich in fünf Vormittagssendungen. In „Meet the Press“ (NBC), „This Week“ (ABC), „Face the Nation“ (CBS), „State of the Union“ (CNN) – den klassischen Polit-Talkshows – sowie im spanischsprachigen Kanal „Univision“ warb er für seine Agenda: von der Gesundheitsreform bis zum Einsatz in Afghanistan. Eine Tour d'Horizon zu je 15 Minuten.

Weil selbst Obama – ein Fan von „Raumschiff Enterprise“ und Spock – nicht über extragalaktische Fähigkeiten verfügt, traf er die Moderatoren am Freitagabend hintereinander im Kaminzimmer des West Wing, des Arbeitsflügels des Weißen Hauses. Das offiziöse Ambiente sollte staatsmännische Souveränität vermitteln. Nur der konservative Kampfsender Fox News, dessen Moderatoren an vorderster Front gegen seine Präsidentschaft agitieren, blieb von der medialen Blitzoffensive ausgeklammert. Fox erwies sich als immun gegenüber Obama.

Damit nicht genug: Montagabend stellt sich Obama in der „Late Show“ dem humoristischen Pas de deux mit David Letterman. Ob auf dem TV-Schirm oder als Gesprächspartner in Internetforen: Obama ist omnipräsent. Nur während der heißen Kontroverse um die Gesundheitsreform im August steckte er zurück – und prompt purzelten die Umfragwerte. Expräsident Jimmy Carter führte die heftigen Attacken gegen Obama auf immanenten Rassismus zurück, was der Präsident freilich in Abrede stellte. Der frühere Außenminister Colin Powell macht dafür das Schwarz-Weiß-Denken und die Polarisierung zwischen Demokraten und Republikanern verantwortlich. Auch George W. Bush sei mit harter Polemik konfrontiert gewesen.

 

Geheimwaffe Michelle Obama

Mit seiner Rede im Kapitol hat Barack Obama die Initiative nach der Sommerpause wieder zurückgewonnen. Zuletzt sind indes die Einschaltquoten bei seinen Auftritten deutlich gefallen. Kritiker werfen ihm denn auch Überinszenierung vor. Karl Rove, dem als Einflüsterer und Wahlkampfmanager George W. Bushs beinahe magische Qualitäten zugeschrieben worden waren, ätzte: „Er sollte seine Zeit lieber darauf verwenden, für öffentliche Unterstützung zu beten.“ Doch die Obama-Berater im Weißen Haus kontern: Der Präsident sei der beste Anwalt in eigener Sache. Kein anderer aus dem Kabinett habe eine ähnliche Anziehungskraft. Pressesprecher Robert Gibbs mokierte sich: Dieselben, die dem Präsidenten Omnipräsenz zum Vorwurf machen würden, gierten nach Interviews.

Allmählich – und ganz vorsichtig – setzt der Präsident nun auch seine „Geheimwaffe“ ein: Ehefrau Michelle. Als ehemals führende Managerin einer Uni-Klinik und als Tochter eines Vaters, der an Multipler Sklerose gelitten hat, wirbt sie für die Dringlichkeit einer Gesundheitsreform. Das Engagement Hillary Clintons als First Lady steht den Obamas als abschreckendes Beispiel vor Augen.

AUF EINEN BLICK

Obamas Woche.
Montagabend tritt der US-Präsident in der „Late Show“ David Lettermans auf. Während der UN-Hauptversammlung leitet er eine Sitzung des Sicherheitsrats. Und beim G-20-Gipfel in Pittsburgh wird Obama als Gastgeber agieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2009)

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6 Kommentare
Satori
21.09.2009 16:48
0 1

die amerikaner sind undankbar

obama bemüht sich das es seinem Volk gut geht und das volk ist das nicht recht.
obama hat einen wandel versprochen, doch das braucht zeit; er kann nicht einfach so mit dem finger schnippen und alle probleme sind gelöst. er ist ja kein wunderheiler. die amerikaner sollten sich in geduld üben und nicht maulen und murren. wendezeiten brechen meist langsam an, nach der wende kann es gut oder schlecht sein.

Gast: Oskar
21.09.2009 12:22
2 0

Es gibt Massenproteste gegen ihn

die es in der jüngsten amerikanischen Geschichte nicht gegeben hat. Das hat nicht nur mit dem Gesundheitssystem zu tun.

Aber darüber berichten die europäischen Zeitungen bewußt nicht. Die Lage in den USA ist alles andere als ruhig.

Gast: Cougar
21.09.2009 11:09
0 0

Produktiv

Hat der außer den Nahen Osten noch mehr zu versklaven schon irgendwas produktives weitergebracht.

kobold
21.09.2009 10:38
1 0

Nur mehr lästig

Obama und seine Frau sind vielen Amerikanern nur mehr lästig. Sie haben es satt zu Society-Adabeis degradiert zu werden und das neuest Outfit der First Lady zu kommentieren. Obama steckt mit allen seinen Projekten in der Sackgasse. Er will nur vom Scheitern seiner Gesundheitsreform ablenken.

Gast: 8700
21.09.2009 07:45
0 0

Vom Gesundheitssystem der USA macht sich der Durchschnittseuropäer keine Vorstellungen

mehr als 40 Millionen der USA-Bürger nicht krankenversichert, aber trotzdem wesentlich höhere Gesundheitskosten/Person als in Europa, längerer Krankenhausaufenthalt kann sogar für Versicherte in den Konkurs führen, wesentlich höhere Kindersterblichkeit als in Europa, Arbeitslosigkeit führt in der Regel dazu, dass man seine Krankenversicherung kündigen muss, da man sie nicht mehr bezahlen kann usw. usw.
Die grossen Versicherer fürchten um ihr Geschäft und betreiben extremes Anti-Lobbying mit viel Geld und viele US-Bürger sind nicht so solidarisch, dass sie jedem ihrer Mitbürger eine KV gönnen.

We don't know "Engst"


Wer schon mal in Amerika Fernseh gschaut hat, kriegts spätestens nach einer halben Stunde mit der Angst.

ANGST ist Amerika's #1 Marketing Tool, damit lässt sich alles verkaufen, Low Fat, Low Colesterol, Preventing Stroke and Heart Attack, 24h Tornado Watch, Holiday Survival Tips, Swine Flue, 9/11, you name it…..

Daher wichtig - VORSORGE - wenn man nicht gerade einen Tumor findt, dann zumindest so einen dunklen Schatten - also deeen solltn wir vorsichtshalber anschauen lassen.

Unbedingt Herr Doktor !

…. jaaa, da schick ich sie zu einem Kollegen von mir, das is ein ganz ein Guter.

Dieses System hat einen Selbstverteidigungs-Automatismus, da verdienen zuviele zu gut.