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Rumänien: Basescu lehnt Deutsch-Rumänen als Premier ab

14.10.2009 | 18:23 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS ROSER (Die Presse)

Erfolgreicher Bürgermeister von Hermannstadt sollte Land aus Krise führen. Gründlichkeit und Effizienz sind die Tugenden, die den bei öffentlichen Auftritten etwas hölzern wirkenden Bürgermeister auszeichnen.

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Belgrad/Bukarest. Da hat die Opposition die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Unmittelbar nachdem das Parlament am Dienstag Premier Emil Boc das Misstrauen ausgesprochen hatte, ventilierten mehrere Parteien einen Angehörigen der deutschsprachigen Minderheit als dessen Nachfolger: Klaus Johannis, der erfolgreiche Bürgermeister von Sibiu (Hermannstadt), sollte den festgefahrenen Regierungskarren wieder flottmachen und mit einer Expertenregierung zwei Monate lang das junge EU-Mitglied aus der ärgsten Krise führen.

Sein Startvorteil: Er wäre parteilos. Und er erklärte sich auch bereit, den Job zu übernehmen. Am Dienstag kündigte Präsident Traian Basescu allerdings Widerstand gegen Johannis an, der eine Parlamentsmehrheit hinter sich hätte: Johannis wäre nur eine Marionette der Parteien, die ihn aufgestellt hätten, meinte Basescu, der eine Konzentrationsregierung aller Parteien fordert.

Ambitionen auf dem nationalen Parkett hatte der profilierteste Kommunalpolitiker des Landes bisher nie erkennen lassen. Er sei „kein Auswanderer“, pflegte er zu versichern. Schon zu den trostlosen Zeiten des Kommunismus, als zehntausende Siebenbürger Sachsen ihr Heil im Ausland suchten, hatte sich der Physiklehrer fürs Bleiben entschieden. Auf gerade noch 2000 Seelen war die deutschstämmige Minderheit durch den Aderlass nach der Wende von 1989 geschrumpft.

Eher zufällig rutschte er als Kandidat der Minderheit im Jahr 2000 erstmals auf den Bürgermeistersessel. Die Leute hätten alle etablierten Parteien satt gehabt, erklärte der heute 50-Jährige. Vier Jahre später wurde er mit fast 90 Prozent bestätigt. Denn in dem lange dem Verfall preisgegebenen Sibiu hat Johannis ein kleines Wunder vollbracht.

 

Wirtschaftsmotor Sibiu

Gründlichkeit und Effizienz sind die Tugenden, die den bei öffentlichen Auftritten etwas hölzern wirkenden Bürgermeister auszeichnen. Das alte Führungspersonal in den Behörden tauschte er aus, er sorgte für mehr Bürgernähe und bessere Kontrolle in der Verwaltung: „Wir wollten einfach eine andere Mentalität in die Stadt bekommen.“ Die erfolgreiche Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas (2007) nutzte Johannis zur Renovierung der heruntergekommenen Altstadt.

Der Ausbau der Infrastruktur, ein neuer Flughafen und das investitionsfreundliche Klima haben neue Unternehmen in die Gewerbegebiete der 180.000-Einwohner-Stadt gelockt, die mittlerweile zu den wichtigsten Wirtschaftsmotoren des Landes zählt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2009)

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4 Kommentare
Gast: Klaus
15.10.2009 20:24
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Johannis

Wie kommen Sie darauf, dass Klaus Johannis eine Marionette der Opposition sein wuerde? Immerhin hat er sich in Sibiu nicht nur gegen kleine und grosse Gauner durchgesetzt, sondern auch den einen oder anderen Genossen (wegen Missbrauchs) seines Postens enthoben - egal welcher Partei er angehoert hat.
Wuerde er das Marionetten-Spiel mitspielen, dann koennte er ein mittlerweile ein reicher Mann in einer sterbenden Stadt sein.
Ich gehe eher davon aus, dass es fuer PSD und Konsorten - PDL natuerlich nicht davon ausgenommen - ein schmerzhaftes Erwachen geben wird, wenn sich ENDLICH einmal ein Verantwortlicher nicht kaufen laesst.
So sehr ich hinter Basescu als Person stehe, so wenig laesst es sich leugnen, dass er doch auf vielen Ebenen versagt. Schulreform, Korruption, etc. - nach all den Jahren hat sich absolut nichts bewegt. Zumindest nicht hin zum Positiven. Aber seine Tochter, die heute noch nicht (auf Rumaenisch) fehlerfrei bis drei zaehlen kann, sitzt mittlerweile im Europaparlament.
Ob Johannis der Wunderwuzzi ist wird sich vielleicht zeigen. Wenn man die Politlandschaft hier allerdings nur ein bisschen kennt, dann muss man doch sagen, dass er das erste mal eine Alternative zu Regen bzw. Traufe darstellt.
Das schreibt Ihnen ein Oesterreicher, der seit vielen Jahren in Rumaenien lebt. ;)

Gast: Enza
15.10.2009 15:20
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Klaus Johannis

Wie kommen Sie darauf daß Rumänen Ressentiment gegen Deutschen haben? Die Anzahl der Deutschen die in Sibiu/Hermannstadt leben ist von nur 2%. Ohne den anderen hätte Klaus Johannis nie geschaft Bürgermeister zu werden.
Daß er als Premier einen guten Job machen würde, zweifelt niemand. Aber er braucht eine Mehrheit, die ihm seine Partei (Das Deutsche Demokratische Forum) nicht anbieten kann. Leider muß ich dem President Basescu Recht geben. Johannis wäre nur eine Marionette der Oposition, die genau so korrupt ist wie die Partei an der Macht ist.
Das schreibt Ihnen eine Rumänin die einen Deutschen geheiretet hat. Vielen Dank für Aufmerksamkeit!

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Spielt bei der Ablehnung

des tüchtigen Bürgermeisters das doch noch wirksame Ressentiment gegen "Die Deutschen"eine Rolle?
Oder ist es so, "MAN bleibt lieber unter sich" und wurschtelt in Korruption und Funktionärswirtschaft irgendwie weiter?

Überall regiert der Durchschnitt und die Dummheit!

Ratio
15.10.2009 11:34
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Wer wen verhindern will, der bewiesen hat, dass er erfolgreich ist,

kann angesichts der tristen Staatslage nur ein D*m mkopf sein.