Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat nach ernsten Mahnungen des Westens die Bildung einer lagerübergreifenden Regierung und einen entschiedenen Kampf gegen die Korruption angekündigt. "Meine Regierung wird für alle Afghanen da sein", versprach Karzai am Dienstag in einer Fernsehansprache zu seiner Bestätigung im Amt.
Jeder, der mit ihm zusammenarbeiten wolle, sei herzlich willkommen. Zudem werde es entscheidende Veränderungen in der neuen Regierung geben.
Abdullah nicht erwähnt
"Wir sind jetzt entschlossen, mit allen Mitteln diesen Schandfleck (der Korruption) von unserem Boden zu tilgen", sagte Karzai. Ob der Regierung auch sein politischer Rivale, der frühere Außenminister Abdullah Abdullah, angehören wird, ließ Karzai allerdings offen. Er erwähnte Abdullah in seiner Rede nicht einmal.
Auch den radikal-islamischen Taliban streckte Karzai die Hand aus. "Wir rufen unsere Brüder der Taliban auf, nach Hause zurückzukehren und ihr Land anzunehmen", sagte Karzai am Dienstag auf einer Pressekonferenz.
Internationaler Aufruf zu Einheitsregierung
Die internationale Gemeinschaft hatte Karzai aufgefordert, die verfeindeten Lager zusammenzuführen. Für die notwendigen Veränderungen in Afghanistan seien nun "Taten und nicht Worte erforderlich", sagte US-Präsident Obama. Karzai müsse "klar machen, dass er sofort etwas gegen die Korruption unternimmt", forderte der britische Premier Gordon Brown während eines Treffens mit UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon in London.
Der UNO-Chef selbst betonte, Karzai müsse alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Erwartungen der Menschen in Afghanistan und die der internationalen Gemeinschaft zu erfüllen. Das bedeute, gegen den Drogenhandel und die Korruption vorzugehen, sowie eine Regierung zu bilden, die alle ethnischen und religiösen Gruppen erreiche.
Taliban: Karzais Bestätigung Farce
Die radikal-islamischen Taliban kritisierten Karzais Bestätigung als Farce und kündigten eine Fortsetzung ihres Kampfes gegen die ausländischen Truppen in Afghanistan an. Mit einer Welle der Gewalt hatten die Islamisten zuvor vergeblich versucht, die Wahl zu verhindern.
(Ag.)

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