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Afghanistan: „Das ist Krieg, Mann gegen Mann“

05.11.2009 | 18:36 |  BURKHARD BISCHOF (Die Presse)

Bei einer Expertentagung in Bayern wird Klartext geredet über die prekäre Lage am Hindukusch. Das Taliban-Problem mit Luftangriffen zu lösen, sei „hirnverbrannt".

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WILDBAD KREUTH. „In Teilen Afghanistans gibt es fraglos kriegsähnliche Zustände.“ Was jeder politisch interessierte Zeitungsleser oder TV-Nachrichtenkonsument längst weiß, hat diese Woche auch der neue deutsche Verteidigungsminister, Karl-Theodor zu Guttenberg, in einem Interview offen ausgesprochen. Und damit, wie manche deutsche Blätter urteilten, einen Tabubruch begangen.

Denn zu Guttenbergs Vorgänger, Franz-Josef Jung, hat sich vier Jahre lang verrenkt, verkrampft und gewunden, um im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr nur ja nicht das Wort Krieg in den Mund nehmen zu müssen.

 

„Hirnverbrannte Strategie“

Auch zu Guttenbergs CSU-Parteikollege, der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl, hält die Zeit für gekommen, Klartext zu reden: „Unsere Soldaten sitzen in Kundus wie in einer Festung. Wenn sie hinausfahren, ist ihr Leben bedroht. Das ist ein richtiger Krieg, Mann gegen Mann.“ Bei einer Expertentagung der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns Seidel Stiftung in Wildbad Kreuth zum Problemverbund Afghanistan-Pakistan wurde von den deutschen Referenten nichts mehr beschönigt, die Dinge geradezu brutal beim Namen genannt.

„Tatsache ist, dass in Afghanistan eine unglaubliche Korruption herrscht, dass es der größte Drogenanbaustaat der Welt ist und man dort nicht zur Kenntnis nehmen will, wie man das Wort Demokratie schreibt. Und für ein solches Land sollen deutsche Soldaten ihr Leben riskieren?“, sagte der Bundestagsabgeordnete Uhl. Zum afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, der sich mit massiven Wahlmanipulationen diese Woche gerade eine weitere Amtszeit gesichert hat, fiel ihm ein: „Der soll nur weiter Wahlen fälschen, aber unserer Verbündeter kann der nicht mehr sein.“

Auch General Klaus Reinhardt, der einst als Befehlshaber der Nato-Schutztruppe im Kosovo 50.000 Mann befehligt hat, sieht „eine massive Verschlechterung der Gesamtlage in Afghanistan“. Dass noch in der Bush-Ära versucht worden sei, das Taliban-Problem mit Luftangriffen zu lösen, nennt Reinhardt eine „hirnverbrannte Strategie“. Da sei „aus der Luft zerstört worden, was man am Boden hätte aufbauen sollen“.

Mit solchen Aktionen habe man die afghanische Bevölkerung, die ab Herbst 2001 die ausländischen Soldaten noch begeistert begrüßt hat, schrittweise von der Nato-Schutztruppe entfremdet. Nur, erklärt der General: „Wenn man die Bevölkerung nicht hinter sich hat, kann Aufstandsbekämpfung nicht funktionieren.“ Reinhardt meint auch: „Zu glauben, dass man die Taliban militärisch vernichten könne, ist eine absolute Illusion.“

Der indische Militäranalytiker Brigadier Vinond Anand brachte das Afghanistan-Dilemma auf die Formel: „Die Taliban können gewinnen, wenn sie nicht verlieren. Die Nato aber verliert, wenn sie nicht gewinnt.“ Und der Südasienkenner und langjährige Auslandschef des „Spiegels“, Olaf Ihlau, glaubt: „Der Westen wird in Afghanistan bestimmt verlieren, wenn er weiter eine militärische Lösung für möglich hält.“ Aber was tun? Mehrere Vortragende halten Verhandlungen mit den Taliban für „unumgänglich“. Thomas Ruttig, Ko-Direktor der viel gelobten Denkfabrik „Afghanistan Analysis Network“ und einer der intimsten deutschen Kenner des Landes, argumentiert: „Wenn es keine militärische Lösung des Problems gibt, muss man eine politische suchen. Dann muss man mit den gemäßigteren Taliban in Verhandlungen treten.“

 

Keine Alternative zu Karzai?

Aber gibt es die überhaupt? „Es gibt pragmatische, politisch denkende Taliban. Es gibt unter den Taliban Falken und Tauben.“ Ruttig plädiert für eine Gesamtstrategie, in der der Dialog mit den Taliban nur ein Element ist. Es gebe eine Tradition des Kampfes für demokratische Werte in Afghanistan, diese „Gegenkräfte“ gelte es zu fördern und zu stärken. Außerdem müsse auf gute Regierungsführung in Kabul geachtet werden.

Gute Regierungsführung mit einem vor aller Welt bloßgestellten Wahlfälscher Karzai? Ruttig kritisiert den Westen scharf, der der unverschämten Manipulation des Wahlprozesses durch Karzai ungerührt zugeschaut habe. „Jetzt wird Karzai wieder von uns legitimiert, und wir machen die ganze Sache nur noch schlimmer.“ Nur, sagt Olaf Ihlau: „Der Westen hat derzeit keinen anderen als Karzai. Wer soll ihn ersetzen?“

Auch Ihlau ist überzeugt: Ein Sofortabzug, wie ihn etwa die deutsche Linke fordert, führt mit großer Wahrscheinlichkeit schnurstracks in die Katastrophe. Er hält die Bildung einer gesamtafghanischen Regierung der nationalen Einheit für nötig. An einer solchen Regierung liege es dann, zu entscheiden, „wer im Land bleiben darf und wer raus muss“.

 

Abzug mit erhobenem Kopf

Für Abgeordneten Uhl ist klar: Die neue Afghanistan-Strategie von US-Präsident Barack Obama „ist zu dünn, eine Bundestagsmehrheit für zusätzliche Bundeswehrsoldaten wird es nicht geben“. Und: „Auf mehr Demokratie und weniger Korruption in Afghanistan zu hoffen, nützt nichts. Wir sollten uns auf die Terrorbekämpfung beschränken. Es sind die Terrorcamps im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet, von denen die Bedrohung für uns ausgeht.“

Wie US-Vizepräsident Joe Biden glaubt Uhl, dass für die Terroristenbekämpfung Spezialeinheiten und verstärkte geheimdienstliche Operationen ausreichen und man nicht mehr „in ganz Afghanistan Nato-Truppen stationieren muss“. General Reinhardt wiederum hofft, dass man „einen Weg findet, um von dort mit erhobenem Kopf herauszukommen, ohne dass alles zusammenbricht, wenn man einmal weg ist“.

AUF EINEN BLICK

Umdenken in Deutschland. Hatte der frühere Berliner Verteidigungsminister, Franz Josef Jung, im Zusammenhang mit dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan stets von einer „Stabilisierungsmission“ gesprochen, nennt sein Nachfolger, Karl-Theodor zu Guttenberg, die Dinge beim Namen: Da herrschten „fraglos kriegsähnliche Zustände“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2009)

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12 Kommentare
Gast: Nael
15.12.2009 00:30
0 0

Afghanische Mauer

Wie wärs mal um ganz Afghanistan eine Mauer zu bauen (wie die chinesische Mauer) damit das Land endlich mal Ruhe vor ihren verhassten und unsolidaren Nachbarn hat. Diese Schurkenstaaten sind das Hauptproblem und ohne kontrollierte Grenzen wird es niemals Frieden in Afghanistan geben .

Gast: schlÄchter
06.11.2009 10:12
2 0

sg herr uhl!

e n d l i c h !
klartext.

danke!!!

abzug - anschauen wer sich durchsetzt - dipl. beziehungen - klartext: j¿keine terrorcamps, keine gastfreundschaft für arabische islamisten- gegenzug: nichteinmischung in innere angelegenheiten.
bei weigerung gezielte commanduunternehmen, attentate auf die herrschende clique, luftkrieg.
die chinesen, russen und inder miteinbeziehen.

glückauf
mfg
s.

ps. von guttenberg wird immer sympathischer - bravo!

Gast: alibaba
05.11.2009 22:06
0 1

Krieg '?

wie kommt ihr denn nur darauf , krieg in afghanistan , seit wann ?

wieviele Airbase hat alleine usa in Afghanistan ?

wieso und wofür ? für paar taliban , die schon unter naturschutz stehen, da es fast keine mehr gibt !!!

ich denke usa hat andere pläne in afghanistan , die meiner meinung nicht friedlich sein wird für uns alle ...


seligman 4
06.11.2009 12:06
0 0

Re: Krieg '?

obs für euch friedlich wird, hängt ganz von euch alleine ab ;)

Gast: b345
05.11.2009 21:32
0 0

des weitern

hätten wir, würde man eine Mauer um Afghanistan bauen, das gleiche Problem wie wir es in Palestina haben (sprich: Checkpoints, fesgefahrene Meinungen) vorallem wären das festgefahrene Meinungen von uns.
Ziel ist es doch in diesem Gebiet Frieden zu schaffen!
Und wie soll Friede erreicht werden wenn wir alle Versuche mit einer Mauer zunichte machen. Die Mauer wird irgendwann zerstört werden und wie schon vorhin erwähn!
Was kann die Bevölkerung dafür? Was können die 10jährigen Kinder dafür? Die meisten Erwachsenen.... die Soldaten?!

Das Problem ist nur und zwar überall, dass die radikalen Gruppen an der Macht sind!
mfg

Antworten Gast: Independence
06.11.2009 08:23
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Re: des weitern

aber seit wann ist dieses problem so ausschlag gebend?

erst mit dem krieg begann diese welle, und so viele anhänger.

wieso auch nicht? die menschen haben alles verlooren, für uns hört sich das doch leicht an oder?

Wir leben hier in der EU, und erwarten, dass sich diese Menschen zivilisiert und ja nicht kriegerisch aufführen.

aber ihr vergesst oft eines! ES herrscht Ausnahmezustand bzw Krieg!

und kein ende in sicht für sie.. andersgläubige menschen besetzten das land und machen viele schlimme dinge.

für euch sind das terroristen, für mich sind das Freiheitskämpfer.


seligman 4
06.11.2009 12:08
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Re: Re: des weitern

das finde ich ausgesprochen interessant: erklären sie uns bitte warum ihrer bescheidenen meinung nach die anwesenheit von 'andersgläubigen' für diese armen hascherln so ein problem darstellt !

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Re: Re: Re: des weitern


denke nicht, dass der glaube ausschlaggebend ist, sondern, dass das eher ein weiterer faktor ist, der darauf hinweist, dass für die afghanische kultur die amis immer sehr fremd sein weden


seligman 4
07.11.2009 09:44
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Re: Re: Re: Re: des weitern

aber macht sie das nicht automatisch zu n.zis ?

Gast: b354
05.11.2009 21:26
1 0

re

Sie können nicht das Volk, für die Schandtaten der Politiker, verantwortlich machen!

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Interessanter Bericht !

Danke! - Und in der Tat stellt sich die Frage, warum Deutsche, Amerikaner, Franzosen, ... und wer auch immer, für dieses kaum zu zivilisierten Umgangsformen fähig Volk den Kopf hinhalten sollen? Besser wäre es, eine hohe Schutzmauer rund um das verdorbene Land errichten und Grenzen dicht gegen alle Afghanen.

Antworten Gast: osoto
06.11.2009 15:45
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Re: Interessanter Bericht !

zitiere:Besser wäre es, eine hohe Schutzmauer rund um das verdorbene Land errichten und Grenzen dicht gegen alle Afghanen.

bemerkenswert unzivilisierter beitrag.

gruß an die mauer in ihrem kopf!