Peacekeeping: Österreich sucht neuen Blauhelm-Einsatz

13.11.2009 | 19:21 |  HELMAR DUMBS (Die Presse)

Österreich sei nach dem Ende des Tschad-Einsatzes bereit "sich an einem anderen Ort zu engagieren", so Außenminister Michael Spindelegger. Konkrete Pläne gibt es laut Außenamt allerdings noch keine.

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Princeton. Man hätte den Satz in seinem beiläufigen Ton fast überhören können: Österreich sei nach dem Ende des Tschad-Einsatzes bereit „sich an einem anderen Ort zu engagieren“, sagte Außenminister Michael Spindelegger am Rande seiner Rede an der US-Eliteuniversität Princeton (New Jersey) am Donnerstag. Und man habe darüber auch schon mit UN-Generalsekretär Ban Ki-moon gesprochen.

Nein, nein, keinesfalls gebe es schon konkrete Pläne, versucht das Außenamt zu beschwichtigen: Die UNO müsse hier an Österreich herantreten. Das Verteidigungsministerium will sich „offiziell“ nicht zu dem Thema äußern. Inoffiziell auch nicht. Vage Überlegungen will man aber nicht ganz ausschließen.

Österreich hat sich 2008 an der EU-Mission im Osten des Tschad und im Norden der Zentralafrikanischen Republik beteiligt. Zu Spitzenzeiten betrug das Kontingent 160 Mann, Ziel des Einsatzes ist der Schutz von Flüchtlingslagern. Deren Insassen sind teils Binnenvertriebene, teils stammen sie aus der westsudanesischen Bürgerkriegsregion Darfur. Im heurigen März hat die UNO die Mission von der EU übernommen, Österreich ist noch bis Jahresende dabei. Diese Kräfte wären also für einen anderen Einsatz verfügbar. Weitere österreichische Blauhelm-Kapazitäten würden durch eine Verkleinerung des Kosovo-Kontingents frei werden.

Aufgrund der notwendigen Planungs- und Trainingsphase kann mit dem Beginn eines neuen Einsatzes aber wohl nicht vor Anfang 2011 gerechnet werden.

 

Libanon wäre schlüssig

Und wo? Schweigen im Walde. Aus UN-Kreisen war immerhin zu erfahren, dass die UNO Österreichs Blauhelme vorerst nicht mehr in Afrika einsetzen dürfte, sondern eher im Mittelmeerraum. Das schränkt die möglichen Destinationen schon ein: Da wäre etwa Zypern, wo das Bundesheer über beste Erfahrungen verfügt. 37 Jahre lang war es einer der wichtigsten Auslandseinsätze, er wurde 2001 beendet und könnte theoretisch wieder hochgefahren werden.

Ein weiterer traditioneller Einsatzort sind die Golanhöhen zwischen Israel und Syrien, wo man derzeit aber schon etwa 380 Soldaten unterhält. Die rund um Israel präsente Untso-Beobachter-Mission wiederum ist zu klein. Bleibt in Nahost im Ausschlussverfahren die Unifil, die an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon patrouilliert. Eine Beteiligung an dieser Mission wäre jedenfalls eine schlüssige Ergänzung des Golan-Engagements.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2009)

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10 Kommentare

grad jetzt, wo wir eh so wenig geld haben?

jeden einzelnen groschen sollten die minister mindestens dreimal umdrehen, bevor sie ihn ausgeben! und für solche scherze ist nu wirklich kein geld übrig. ich bin nämlich schwer dafür, daß sich diese ganzen staaten mit zuvielen menschen und zu hoher geburtenrate und staatlicher mißwirtschaft und mafiösen strukturen endlich selbst helfen.

Gast: Carlos Ogrosl
14.11.2009 17:39
0 0

Immerwährende Neutralität Österreichs?!

Mit etwas Geduld werden wir es schon schaffen wieder in irgend einen kleinen Krieg (sprich: Mission) mitmachen zu dürfen!

Ich bin nicht bereit

auch nur einen Groschen in die maroden Drittweltlaender zu investieren, unsere Filzminister sollen selbst dort hin auswandern

0 1

Kaum ist ein

yes we can Schwätzer zur Stelle und klopft
einen Schluchtenbewohner auf die Schulter,
werden Burzelbäume gedreht.

Gast: Alter Kämpfer
14.11.2009 15:04
2 0

Unnötig

Bitten wir jetzt schon um Abenteuerspiele fürs Bundesheer, die der Steuerzahler finanzieren muß?

Gast: Hercules
14.11.2009 11:59
2 0

Eh klar

wir suchen wieder ein geignetes Platzerl um Steuergeld zu verpledern.Hat der Einsatz am Heldenplatz leicht auch zu wenig Geld verschlungen? Hätt mas net, so tät mas net. Business as usual.

Gast: ...
14.11.2009 09:02
0 0

.

Sehr gut, wenn man so was in Richtung USA sagt.
Der Druck Richtung Afghanistan wird immer größer...

Bis jetzt haben wir uns ausgeredet mit der Tatsache, dass das Heer völlig überstrapaziert ist, was ja auch stimmt!

Gast: ASVG-Sklave
13.11.2009 22:18
2 0

Österreich sucht neuen Blauhelm-Einsatz

scheinbar ist noch ein wenig (Steuer)Geld übrig geblieben.- Man weiß ja sonst nicht, wofür man es ausgeben könnte.

Gast: gepoppter
13.11.2009 21:44
0 0

Der Spindelegger ist auch so ein

Laberprinz. Ich habe ihn noch erlebt, als er bei einer der vielen Demoveranstaltungen der Bürgerinitiative das Wort ergriffen hat. Für die Grottenbahnbauer natürlich. Und dafür die Quittung erhalten hat. Jetzt sollte man ihm sie ebenfalls geben. Oder hat er vergessen, daß Peppis Vormann der Sparefroh Sparsamkeit empfohlen hat?

Gast: pour le merite
13.11.2009 21:08
3 0

Nennt das Bundesheer wieder Grenzschutz

und schickt die Soldaten an die Grenzübergänge zur Personen und Fahrzeugkontrolle.

Das wäre allemal sinnvoller, als irgendwelche Abenteuer in Afrika oder Kurdistan

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