09.02.2010 20:33 | Meine Presse Merkliste0

Heikle Themen: Obama brüskiert die Europäer

22.11.2009 | 18:14 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Bankdaten, Klimaschutz, Welthandel: Der US-Präsident enttäuscht die hohen Erwartungen der EU. Der Großteil der Europäer lobte zuletzt die Außenpolitik Obamas. Doch die Einreisegebühr empört viele.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

BRÜSSEL. In Europa macht sich zusehends Enttäuschung darüber breit, dass es die USA auch unter Präsident Barack Obama nicht schaffen, beim Kampf gegen den Klimawandel oder der Wiederbelebung der Verhandlungen in der Welthandelsorganisation WTO hehren Worten konkrete Taten folgen zu lassen. Zudem brüskiert Washington die Europäer mit einer Zehn-Dollar-Einreisegebühr und der Forderung nach einem Abkommen über den Austausch von Banküberweisungsdaten, die Europas Datenschutz nicht Genüge tut.

Beim Kampf gegen den Treibhauseffekt steht Obama vor demselben Problem wie sein Vorvorgänger Bill Clinton. Beiden wurden oder werden in ihren Bemühungen, die USA zu rechtlich verbindlichen Zielen bei der Senkung von Treibhausgasemissionen zu verpflichten, vom Kongress in Washington die Hände gebunden. Zwar haben beide Kammern des US-Gesetzgebers, also Senat und Abgeordnetenhaus, Entwürfe für Klimaschutzgesetze erarbeitet, die vorsehen, dass die USA ihren Ausstoß an Treibhausgasen bis 2020 um sieben bis 20 Prozent unter das Niveau von 1990 drücken. Bis daraus ein US-Gesetz wird, werden aber noch Monate vergehen. Zudem sind diese Ziele nach Ansicht vieler Klimaforscher zu niedrig angesetzt, um den Klimawandel einzudämmen.

 

Kampf um Klimaabkommen

Obama hat zwar angekündigt, am Klimaschutzgipfel in Kopenhagen teilzunehmen, der am 7. Dezember beginnt, sofern dies den dortigen Verhandlungen dienlich sei. Allerdings wird er ohne bindendes Angebot der USA, ihre Emissionen zu senken, an den Verhandlungstisch treten – oder mit einem bindenden Angebot, das kaum nennenswerte Ziele enthält. Denn das Ringen um die Reform des Gesundheitswesens bindet derzeit alle Kräfte im Kongress und im Weißen Haus.

Groß ist auch die Untätigkeit der USA in Sachen Welthandel. Während Obama eine protektionistische „Buy American“-Regel für öffentliche Aufträge eingeführt hat, die US-Hersteller und -Dienstleister bei der Vergabe von staatlichen Lieferverträgen protegiert, ist in Sachen Abbau von Handelsschranken wenig aus Washington zu hören.

„In den USA gibt es nicht viel Appetit auf diese Verhandlungsrunde“, sagte erst unlängst David O'Sullivan, Generaldirektor für Handelsfragen und einer der mächtigsten Funktionäre in der EU-Kommission, bei einer Veranstaltung des European Policy Centre in Brüssel.

 

Schleppende WTO-Gespräche

„Es gibt in den USA derzeit keine Industrielobbys, die die Regierung in die richtige Richtung schubsen würden.“ Seit acht Jahren versucht die Welt im Rahmen der WTO-Verhandlungsrunde von Doha, die Handelsbedingungen für die Entwicklungsländer fairer zu gestalten. Und seit acht Jahren scheitert man damit – und zwar zu einem Gutteil, weil Obamas Vorgänger George W. Bush kein Interesse an solchen multilateralen Prozessen hatte. Doch auch Obamas Regierung hat so gut wie nichts unternommen, um die WTO-Gespräche wieder in Schwung zu bringen.

Das lässt nichts Gutes für die anderen großen Probleme unserer Zeit erwarten: „Wenn wir nicht einmal in der WTO, mit ihren 50 Jahren Erfahrung, Fortschritte erzielen können – wie soll das dann bei der Regulierung der Finanzmärkte oder dem Kampf gegen den Klimawandel funktionieren?“, so O'Sullivan.

 

EU prüft Einführung von Visa

Zudem stößt Obamas Regierung die Europäer mit der starren Haltung bei der Verhandlung eines Abkommens vor den Kopf, das regeln soll, wie Geheimdienste Zugriff auf Banküberweisungsdaten der belgischen Firma Swift bekommen. Nach dem derzeit bekannten Stand der Geheimverhandlungen wollen die USA Daten, die sie aus Europa haben, zu Zwecken der Terrorbekämpfung an Drittstaaten weitergeben dürfen, ohne dafür vorher in Europa um Erlaubnis zu fragen.

Und richtig sauer ist man in Brüssel über die Zehn-Dollar-Einreisegebühr, die man schon in wenigen Monaten bei jeder Reise in die USA wird zahlen müssen. „Das ist nicht nur richtig, sondern in Zeiten angespannter staatlicher Budgets auch vernünftig“, hat US-Innenministerin Janet Napolitano vor zwei Wochen im EU-Parlament die Kritik der Abgeordneten eher schnoddrig abgekanzelt.

Die EU-Kommission prüft als Reaktion darauf, ob diese Gebühr einem Visum gleichkommt, wie ein Sprecher von Justiz- und Innenkommissar Jacques Barrot zuletzt bestätigte. Bejaht die Kommission die Frage, könnte die EU als Gegenmaßnahme die Visumspflicht für US-Bürger wieder einführen.

Derzeit zehrt Obama in seinem Image bei den Europäern noch davon, dass Bush hier so unbeliebt wie kein anderer US-Präsident war. 77 Prozent der Europäer unterstützten im September in einer Umfrage des U. S. German Marshall Funds die Außenpolitik Obamas – gegenüber 19 Prozent für Bush ein Jahr zuvor. Der große Zuspruch könnte sich ändern, wenn Amerika im Dezember als Sündenbock für das enttäuschende Ergebnis des Kopenhagener Klimaschutzgipfels gebrandmarkt wird – und die ersten europäischen Obama-Fans bei US-Reisen zehn Dollar am Einreiseschalter hinblättern müssen.

AUF EINEN BLICK

US-Präsident Barack Obama ist mit einem großen Vertrauensvorschuss der Europäer in seine Amtszeit gestartet. Doch nun zeigt sich Brüssel enttäuscht über die mangelnde Kooperation der USA beim Klimaschutz und im Welthandel sowie über neue US-Pläne zur Einsicht in Bankdaten. Auch eine Einreisegebühr für EU-Bürger empört Europa.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2009)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

82 Kommentare
1 2 3
Gast: Kennie
25.11.2009 14:48
0 0

Adios Globalisierung!

"Die EU-Kommission prüft als Reaktion darauf, ob diese Gebühr einem Visum gleichkommt, wie ein Sprecher von Justiz- und Innenkommissar Jacques Barrot zuletzt bestätigte. Bejaht die Kommission die Frage, könnte die EU als Gegenmaßnahme die Visumspflicht für US-Bürger wieder einführen."

Bemerkenswert! Im Moment sieht es doch an allen Ecken und Enden so aus, als ob die Globalisierung langsam rückabgewickelt und der Protektionismus wieder eingeführt wird. Schutzzölle, Devisenkontrollen, Visa - das glaubten wir doch alle schon lange hinter uns zu haben.

Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis auch die EU unter den enormen Spannungen hinsichtlich der Wirtschaftsleistung ihrer Mitgliedsstaaten in die Zerreisprobe gerät. Spannende Zeiten in denen wir da leben...

0 0

10$

Die Frage lautet: 10$ von jedem Einreisenden, oder 10$ von Europäern (und die restlichen zahlen nichts)
Im zweiteren Fall würde ich von einreisenden US-Bürgern halt auch 10€ (selbe umrechnung wie Amerikanische Firmen auf Europe) verlangen. Wo ist denn das Problem?

Die Abgesandte ...

... des 51.US-Bundesstaates, der weder die EU Grundrechtscharta ankerkannt hat und auch nicht Schengen beigetreten ist, wurde EU-Außenkommissar und Vizepräsident der Kommission.
Das zeigt wohl deutlich unseren Status als Kolonie.

ga-stein
23.11.2009 18:46
0 0

change-yes we can

hat wirklich jemand geblaubt, daß obama die interessen seines landes über bord schmeißen würde? naiv.ein gutaussehender,grundanständiger mann im vorgegebenen ablauf der amerikanischen interessen.einfach genial.

0 2

Egal was die Amerikaner fordern,

werden wohl die Europaer erfüllen!

Europa kann sich nicht leisten in Ungnade bei den Amerikaner zu fallen!

Wir haben ...

... den Krieg verloren. Das spüren wir immer noch.

Antworten Antworten Gast: Nudelauge
23.11.2009 19:49
0 0

Re: Wir haben ...

..aber den nächsten gewinnen wir...


Davon sind alle überzeugt,

... die einen Krieg beginnen.

Gast: Steve
23.11.2009 14:23
0 0

komische Formulierungen im Text

Ich finde die Formulierung, dass Obama und Clinton ach ja das Klima schützen wollten aber vom Kongress her nicht durften schon sehr komisch. Wer die US Politik verfolgt weiß, das ist so formuliert der totale Holler.

Bombur
23.11.2009 13:03
0 0

Naja ewig kann auch...

der Herr Obama nicht den "nichtBush" Status genießen.

Die großen Worte sind mit der Zeit verflogen und warum sollten wir glauben, dass außenpolitisch etwas kommt von den USA, wenn es die Demokraten nichteinmal innenpoltisch schaffen ihre Anliegen durchzubringen.

4 0

Das ist Tourismusfoerderung!

Ich war frueher gerne als Tourist in USA.Seit mir der Sicherheitsdienst laufend unversperrte Koffer ruiniert,ich bei der Ein-oder Ausreise sogar die Schuhe ausziehen muss und ich schon mehrmals wegen der umstaendlichen Kontrollen Anschlussfluege verpasste,waere eine Einreisegebuehr das Tuepferl auf dem I!!
Die USA sind fuer mich schon lange unatraktiv!

Steininger
23.11.2009 12:32
2 0

Einreisegebühren

haben nur Entwicklungsländer. Und auch bei denen sind es eher die Diktaturen die sich solch ein Körberlegeld sichern.

ernestus
23.11.2009 12:15
0 0

Gegenmaßnahmen

Nachdem amerikanische Staatsbürger gerne Hüte tragen, wäre eine Hutgebühr, gemessen an der Breite der Krempe, sicheer gerechtfertigt.

Überdies wäre eine Rechtschreibprüfung bei der Einreise im Sinn der Terrorbekämpfung anzuordnen und pro Rechtschreibfehler eine entsprechende Gebühr einzuheben.

Eine Gangwaygebühr für Amerikaner wäre ebenfalls anzudenken.....

Bei einiger Phantasie könnte Europa die Kreavität an Schikanen und Forderungen nahezu erreichen. Nur an Schamlosigkeit wird und die Administration der USA locker übertreffen.

Ophicus
23.11.2009 12:12
0 0

Böse USA

Da will also Obama den heren Worten nicht auch Taten folgen lassen. Und als solche Tat sieht man es in Europa offenbar schon an, wenn man sich zur ehrgeizigen Zielen verpflichtet.
Was auch erklären würde, warum sich auch der europäische Tatendrang nach der Verpflichtung verflüchtigt hat - und wir folgerichtig an der Erfüllung der Ziele scheitern.

Was solls, wir haben was getan.

ernestus
23.11.2009 12:02
0 0

Es ist ein Jammer

--- und diesem Obama und dieser Janet Nepolitano soll die neue europäische Hohe Repräsentantin, die Mrs. GASP, wirksam entgegentreten?

Neugierde auf's Kommende ist wohl angesagt.

Gast: kathi
23.11.2009 11:43
1 0

obama für träumer

viel bla,bla,bla von obama aber nichts dahinter. er ist ein guter prediger aber mehr auch nicht. uns europäer benutzt er wie einen schuhfetzen.

TomLehner
23.11.2009 11:41
3 0

His true face

Obama zeigt jetzt auch euch Europäern sein wahres Gesicht. Macht er schon die längste Zeit nur eure PseudoLiberalen Obama verherrlichenden Medien habe bis jetzt nur Obama propaganda präsentiert. Er ist nicht am gängelband the Großkapitalisten wie Elch sagt sonder zeigt offen wo er steht: Er brüskiert und beleidigt unsere Verbündeten (Europäer speziell engländer) und kriecht und unterstützt unsere Feinde die Arabischen Terrorstaaten. Jezt zeigt er auch euch sein wahres Gesicht. Wir wissen es seit seinem ersten Arbeitstag nur wolltet Ihr das nicht wissen vor lauter Obama kriechen.

0 0

Re: His true face

Er mag ja hinter den hohen Erwartungen zurückbleiben, zu einem guten Teil auch einfach, weil man 8 Jahre Bush nicht in 1 Jahr aufräumen kann.

Aber jedenfalls ist er 100x besser als noch so ein ölgesponserter Kriegshai, der noch ein paar tausend Milliarden in ein paar Angriffskriege steckt, um die "Demokratie zu bringen".

TomLehner
23.11.2009 14:42
1 0

Re: Re: His true face

Wenn es nicht so traurig waeere muesste man lachen...da freue ich mich das ihne eine Obama der sich bei unseren Feinden entschuldigt und sich vor denen verbeugt, der am Tag nach den F.Hoot shootings in der Pressekonferenz witze macht und lacht und dann viel lieber seinen nonsens von Helath care reform durch peitscht (was 86% aller Amerikaner ablehenen) als den Opfern trost zu spendend (Oh das haben die medien ja rausgeschintten nicht) al so ein boeser George Bush der einfach nur unser land verteidigt hat. Na ja der nächste Presdient wird schon hinter obama aufräumen wird schwer aber wir schaffen es die Sozialisten rauszuwählen .

Gast: elch
23.11.2009 11:02
0 0

ja mei.

der obama ist - wie auch die europäischen politiker halt auch nur am gängelband des grosskapitals. bei den amis ist es halt noch offensichtlicher als bei uns - parlamentarismus hin oder her; die bürger dürfen abstimmen wer dann von der wirtschaftslobby in den nächsten 5 jahren bearbeitet wird.

0 0

OBAMA - NEIN DANKE!

1. Obama: Das hätte unser Werner Faymann auch fertig gebracht!

2. Einreisegebühr: Ich weigere mich seit 9/11 vehement, in die USA zu reisen - drum können die machen, was sie wollen. (Werden schon sehen...)

LG
l.h.

derpradler
23.11.2009 10:12
2 0

warum die Aufregung?

Dann wird eben umgekehrt auch eine Gebühr eingehoben. Man braucht sich ja nicht unbedingt mit Haut und Haaren dem Cash-Denken der Fremdenverkehrswirtschaft beugen.

0 0

Re: warum die Aufregung?

Eben ....

LG
l.h.

derpradler
23.11.2009 10:11
0 0

warum die Aufregung?

Dann wird eben umgehehrt auch eine Gebühr eingehoben. Man breaucht sich ja nicht unbedingt mit Haut und haaren dem Cash-Denken der Fremdenverkehrswirtschaft beugen.

Gast: glückspirat
23.11.2009 10:10
3 0

obama wird extrem überschätzt!

ich will ihm nicht zu nahe treten, aber irgendwie ist er der KHG der usa: sieht gut aus, guter schmäh, gute marketing-ausrichtung all seines handelns, aber im endeffekt wird nur heisse luft produziert. auch wenn obama um häuser intelligenter als unser KHG ist.

Entropix
23.11.2009 10:39
2 0

Re: obama wird extrem überschätzt!

Ein gutes Marketing-Konzept wirkt halt, es erinnert mich irgendwie an "stärkt die Abwehrkräfte" (und wer's glaubt, wird selig ). Im Übrigen hoffe ich, dass Sie mit Ihrem statement zur Intelligenz recht haben, ich habe selbst da meine Zweifel.

1 2 3