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Analyse: Ein Europa, das keiner so recht haben will

29.11.2009 | 18:28 |  SUSANNA BASTAROLI (Die Presse)

Am Dienstag tritt der EU-Vertrag in Kraft. Begeistert darüber scheinen die EU-Regierungen nicht zu sein. Vor allem die No-Names an die Spitze der Union sorgen für Kritik.

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Einen schlechteren PR-Start für den EU-Vertrag, der am Dienstag in Kraft tritt, hätte man sich kaum vorstellen können: Selten waren sich Europas Medien so einig wie bei der Empörung über die Vergabe der beiden Topposten – die zwei zentralen Neuerungen des Lissabon-Vertrages. Mit dem belgischen EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy und der britischen „EU-Außenministerin“ Catherine Ashton habe man No-Names an die Spitze der Union gehievt, so fast unisono die Kritik.

Über das Gesicht des neuen Europa sagt die Personalentscheidung aber einiges aus. Formell wird mit dem Lissabon-Vertrag ein weiterer Schritt in Richtung EU-Integration gesetzt. De facto scheint dies in den Hauptstädten kaum jemand zu wollen. „Man hat den Eindruck, dass sich die Staats- und Regierungschefs diese zwei Jobs genauer angesehen haben und dann über das, was sie geschaffen haben, erschrocken sind“, wunderte sich ein EU-Diplomat in der „Financial Times“.

Die in Brüssel oft angekündigte neue Weltordnung der G3 – EU, China und USA – wird es demnach so bald nicht geben. Europas Außenpolitik bleibt fest in den Händen der Nationalregierungen. Auch in anderen Bereichen, etwa in der Justiz- und Innenpolitik, scheint derzeit eine gemeinsame Politik Lichtjahre entfernt zu sein.

Daniela Schwarzer, EU-Expertin der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), will zwar nicht von einer „pauschalen Renationalisierung“ Europas sprechen – die Stimmung sei derzeit aber so, dass die „meisten nationalen Regierungen nicht gern Kompetenzen nach Brüssel abgeben“.

Doch nicht nur den Unwillen zu gewagten Integrationsschritten hat der unglückliche Postenpoker deutlich gemacht. Klar wurde auch, wer künftig den Ton in Europa angeben wird. Ein altbekanntes Muster kam zum Vorschein: deutsch-französischer Schulterschluss, vermischt mit britischer Blockadepolitik. Konkret: „Entdeckt“ hat Belgiens Premier Herman Van Rompuy Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel, die Unterstützung von Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy sicherte sie sich später, London rückte erst im letzten Moment von Tony Blair ab. Und bekam dafür Catherine Ashton, die auch Vize der EU-Kommission ist. Zentrale Posten in der EU-Behörde sicherten sich freilich auch Paris (Binnenmarkt) und Berlin (Energie).

 

Mächtige Zweckgemeinschaft

Ohne Berlin, Paris und London wird also auch im „neuen Europa“ nichts gehen. Experten orten eine neue deutsch-französische Zweckgemeinschaft. „Auch wenn Deutschland und Frankreich derzeit keine großen Zukunftsprojekte für die EU verfolgen, hat die Zusammenarbeit, wenn es darauf angekommen ist, immer funktioniert. Dank Vorabstimmung und Gipfeldiplomatie konnten Paris und Berlin in letzter Zeit ihre gemeinsamen Interessen durchsetzen“, analysiert Politologin Schwarzer. Das mächtige Duo in Europa zu überstimmen wird immer schwieriger.

Europas „Bad Guys“ bleiben hingegen die Briten. Eine Annäherung an den Kontinent erwarten Beobachter nicht. Im Gegenteil: Sollten die konservativen Tories, wie erwartet, an die Macht kommen, kann man bei jedem EU-Integrationsschritt mit noch größerem Widerstand rechnen.

Aber vielleicht wird Europa irgendwann in der Zukunft doch noch mit einer Stimme sprechen. Man müsse den neuen Institutionen eine Chance geben, meint Europa-Expertin Schwarzer: „Das Potenzial ist da, die Vertragsgrundlage ist noch besser“, sagt sie. Was derzeit fehle, sei der Wille der EU-Regierungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2009)

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13 Kommentare
Gast: pont9
03.12.2009 19:48
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Bemerkenswert unausgegoren

Ich halte Van Rompuy und Ashton - im Gegensatz zu manchen Medien - für echte Lichtblicke in einem Haufen praktischen Gewölks des Lissabon-Vertrags. Die Umsetzung des Vertrags mitsamt der Befassung des Parlaments sogar in Detailfragen macht das Regieren komplizierter, langwieriger und wird in den Mitgliedsstaaten sehr viel neue nationale Bürokratie bringen.

Es ist erschreckend, wie wenig die Verfahren, die aus dem Lissabon-Vertrag folgen, überdacht waren, wie sehr nach jahrelangem Stillstand nun alle überrascht wurden.

Kein Wunder, dass die Regierungen nun langsam Szenarien des quälenden Mühsals in ihrer Tagesarbeit heraufdämmern sehen.

Gast: Gast
30.11.2009 17:57
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Keine macht der neuen Weltordnung

google: endgame, obama täuschung, new world order


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"Ein Europa, das keiner so recht haben will"

Wahrscheinlich ungewollt passiert, aber der Titel trifft die Meinung vieler, nein sehr vieler... ;)

Gast: ET
30.11.2009 11:06
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Es gibt auch Positives!

Mit dem Inkrafttreten des Lissabonvertrages bekommt endlich auch die EU-Grundrechtscharta eine Rechtsgültigkeit.

Den Grundsätzen dieser Charta sind nun alle Menschen der EU unterworfen. Das betrifft nicht nur die Brüger, das betrifft noch vielmehr die Regierungen, aber auch die EU und deren Beschäftigten selbst. Natürlich hat sich die EU Kommisson an diese Grundsätze zu halten.

Würden sich alle Teile unserer Gesellschaft an den Sinn und die Vorschriften dieser Charta handeln, dann könnte unsere Gesellschaft einen Riesenschritt nach vorne machen.

Wir, als Bürger, können (eigentlich müssen) diese Grundrechtscharta dazu nutzen um die Regierungen und Parteibonzen zu menschenwürden Gesetzen und zu menschenwürdiges Handeln zu zwingen. Das könnte endlich mit den vielen unerträglichen wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Schwachsinn Schluss machen. (z.B. Pensionsrecht, Arbeistrecht, Eingriff in die Verfügungsgewalt des Einzelnen über sein Einkommen, etc. etc.).

Wahrscheinlich finden fast alle Österreicher einzlene Punkte, welche gegenüber den Einzelnen nicht eingehalten werden.

Wer sich für seine Rechte interessiert sollte sich die Grundlagen holen. Sie haben mehr Rechte als sie selbst glauben.

www.europarl.europa.eu/charter/pdf/text_de.pdf


Antworten Gast: sie wissen es sicher
03.12.2009 19:52
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Re: Es gibt auch Positives!

Muss Österreich diese Grundrechte auch allen Tschechen, Polen und Briten gewähren?

Sind Österreich in CZ, PL und GB von diesen Grundrechten geschützt?

Was ist der Fortschritt zum österreichischen Staatsgrundgesetz?

Gast: Gast 99
30.11.2009 09:48
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Mir gefällt ...

Mir gefällt der Passus: "wunderte sich ein EU-Diplomat in der „Financial Times“."
Qualitätsjournalismus zeichnet sich durch anonyme Quellen, die indirekt zitiert werden aus, wenn keine Notwendigkeit dafür besteht.

Ein Hintergrund über die Verwunderung des anonymen Diplomaten fehtl bedauerlicher Weise. Wahrscheinlich sollte man besser die FT lesen als die Presse.

Gemeinplätze wie "ohne Berlin, Paris und London wird also auch im „neuen Europa“ nichts gehen" tragen auch nichts zur Erhellung bei. Drei Staaten, in denen über 40 % der EU-Bevölkerung leben, werden wohl in jedem Europa eine entscheidende Rolle spielen.

Der Rest sei Schweigen.


Gast: naja
29.11.2009 22:18
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Immerhin besteht jetzt angeblich die Möglichkeit aus dem Verein auch wieder auszutreten.


periskop
10.12.2009 14:39
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Re: Immerhin besteht jetzt angeblich die Möglichkeit aus dem Verein auch wieder auszutreten.

Bin zwar spät dran, aber trotzdem: Austreten konnte man bisher durch einfache einseitige Kündigung der Verträge, nach dem Lissabon-Vertrag bestimmen andere, ob man darf oder nicht. Die werden aber einen geduldigen Nettozahler, wie es Österreich ist, niemals auslassen!

Antworten Gast: pour le merite
30.11.2009 17:41
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Re: Immerhin besteht jetzt angeblich die Möglichkeit aus dem Verein auch wieder auszutreten.

Ja, Angeblich.

Aber:

Einfach nix mehr zahlen, dann bricht dieses EU Gebilde schneller als uns lieb ist wie ein Kartenhaus zusammen.


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es wär zu schön

Nun, wenn ein Medium, wie die Presse, eine Eu-kritische und wahrheitsgemäße Kritik einfach akzeptieren würden, dann wäre dass Weihnachten und Ostern zusammen. Das kommt aber so häufig vor, wie eine Zensur in der Presse eine wahrheitsgemäße Kritik aus der Seele eines Europäers zulässt: nämlich gar nicht.

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kotzen

Mir kommt bei einem Europa - das meine Fingerabdrücke abnimmt, obwohl ich nichts verbrochen habe, dass mein Telefon überwacht, obwohl ich nichts verbrochen habe, dass mein Internet überwacht, obwohl ich nichts verbrochen habe, dass meine biometrischen Daten aufnimmt, obwohl ich nichts verbrochen habe, dass meinen jeden Schritt - wo es kameramäßig möglich ist - überwacht - bei so einem Europa kommt mir das Kotzen aus dem tiefsten Magen samt Galle. Dieses Europa kann mir gestohlen bleiben. Aber es kommt mir immer vor, als wäre ich der einzige Mensch in ganz Europa, dem das ein Problem ist. Erschreckend. Ob dann der oder die Außerminister oder sonst was ist, ist nicht mehr die wesentliche Frage: denn diese EU ist nicht demokratiefähig. Der H hüpft in seinem Höllenloch auf und nieder vor Freude, weil die EU vollbringt, was er wollte und aus technischer Unmöglichkeit noch nicht tun konnte. Mir kommt das Kotzen bei dieser EU - sonst offensichtlich niemandem. Speib!

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Re: kotzen

wir sind schon zwei und ich kenne eine menge leute, denen es so geht wie ihnen und mir. vor- und weiterdenker haben es immer schwer.

erst missachtet man uns
dann belächelt man uns
dann bekämpft man uns
dann gewinnen wir.

mfg
mc

Antworten Antworten Gast: Supernase
03.12.2009 18:15
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Re: Re: kotzen

Sie haben die letzte Zeile vergessen:
"Und dann sind wir aufgewacht."