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"Österreich bremst bei Sanktionen gegen den Iran"

02.12.2009 | 18:33 |  Christian Ultsch (Die Presse)

An eine baldige Verhandlungslösung im Atomstreit glaubt niemand. Großbritannien, Frankreich und die USA beschwerten sich über Wiens lasche Haltung. Minister Spindelegger: "Geduld mit dem Iran nähert sich dem Ende".

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Wien. Für Fritz Stift, den Leiter der Nahostabteilung im Außenministerium, war es bloß ein Mittagessen, nicht mehr. Für die Diplomaten, die mit ihm vergangenen Oktober am Tisch saßen, hatte das Treffen jedoch einen ernsthafteren Charakter. Die Botschafter Großbritanniens und Frankreichs sowie der amerikanische Botschaftsrat prosteten Stift angeblich nicht nur zu, sondern überbrachten ihm eine Demarche – so nennt sich im diplomatischen Jargon eine ziemlich heftige Erklärung: Sie beschwerten sich über die lasche Haltung Österreichs im Atomstreit mit dem Iran. Und sie riefen dazu auf, schärfere Sanktionen gegen die Islamische Republik mitzutragen. Zumindest eine der drei Botschaften hatte direkte Instruktion aus ihrer Hauptstadt, klare Worte in der Causa Iran zu finden.

„Eine Demarche sieht anders aus. Da wird auf einer anderen Ebene angesetzt“, heißt es dazu lapidar im Außenamt. Soll da nun im Nachhinein öffentlich der Druck auf Wien erhöht werden? „Österreich bremst bei Sanktionen gegen den Iran. Dafür gibt es nicht nur wirtschaftliche Gründe. Die Österreicher sind offenbar der Ansicht, dass bei Konflikten ausschließlich der Dialog weiterhelfen kann“, sagt ein westlicher Diplomat zur „Presse“.

 

UNO erste Anlaufstelle

Alexander Schallenberg, Sprecher des Außenministers, widerspricht dieser Darstellung. „Die Geduld gegenüber dem Iran nähert sich dem Ende. Das hat Außenminister Spindelegger mehrmals gesagt. Erste Anlaufstelle für etwaige Sanktionen ist der UN-Sicherheitsrat. Wenn das nicht klappt, werden wir uns einer Sanktionendebatte in der EU nicht verschließen.“

An eine baldige Verhandlungslösung im Atomstreit glaubt niemand. Seit dem 1.Oktober ist Irans Regierung eine Antwort schuldig auf das Angebot, das ihr die internationale Gemeinschaft in Genf unterbreitet hat. Die Iraner könnten mit Sicherheitsgarantien rechnen, mit wirtschaftlicher Kooperation und einer Normalisierung der Beziehung zu den USA, wenn sie nur dem Kompromissvorschlag zustimmten und ihr Uran im Ausland anreicherten.

Doch das kurze Tauwetter ist wieder dem Dauerfrost gewichen: Irans Präsident Ahmadinejad kündigte den Bau zehn weiterer Anlagen zur Urananreicherung an, nachdem die Atomenergiebehörde den Iran wegen einer geheimen Stätte in Qom verurteilt hatte.

 

Extratouren in der EU

US-Präsident Obama will Teheran noch bis Ende des Jahres Zeit geben. Doch schon nächste Woche soll im UN-Sicherheitsrat über eine vierte Iran-Resolution beraten werden. Es wird damit gerechnet, dass Russland bei weiteren Sanktionen an Bord ist und dann auch China nicht ausschert. Doch wirklich hart dürften die Maßnahmen auch diesmal nicht werden.

Österreichs Position hat an Gewicht gewonnen, seit es Mitglied im UN-Sicherheitsrat ist. Den Ruf eines Bremsers hat sich das Land eingehandelt, als es sich vergangenes Jahr in der EU mit Italien an die Spitze einer Gruppe stellte, die zusätzliche Druckmittel gegen den Iran ablehnte. Vor allem Paris und London hatten damals darauf gedrängt, dass die EU Sanktionen verhängen solle, die über das Maß der UNO hinausgehen. Von weiteren iranischen Banken, die gesperrt, und weiteren Personen, die mit Einreiseverbot belegt werden sollten, war damals die Rede. So wie jetzt auch.

HINTERGRUND

Der Iran lässt seit 1. Oktober mit einer Antwort auf ein Kompromissangebot der Staatengemeinschaft im Atomstreit warten. Stattdessen kündigte Teheran an, zehn neue Atomanlagen zu bauen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2009)

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21 Kommentare
Gast: ich
03.12.2009 15:07
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History repeats itself...

pamikmache genau wie vorm Irak einmarsch.

Ich gebe ihnen noch 2-3 jahre, spätesetens dann wird in den Iran einmarschiert...

die Iraner können noch so viele zugeständnisse machen, es ist schon alles geplant.

Vermutlich streitet sich die Firmen noch darüber wer den fettesten Investitionsvertrag erhält... aber sonst sollte alles klar sein.

Gast: doesitmatter
03.12.2009 11:52
0 0

Uns Österreicher

soll einmal einer verstehen. Vor Minaretten im Land (zu recht) Angst zu haben, nicht aber vor Atombomben in der Gewalt von Islamisten. Diese werden von uns dann auch sogar noch gut geheißen, ist doch jedes Mittel gegen die USA recht.

Antworten Gast: OH BAMA
03.12.2009 12:10
0 0

Atombombe ist Friedenssicherer

Siehe Nordkorea. Iran ist von den US umzingelt (Irak, Afghanistan). Wenn die Iraner in Mexiko und Kanada einmarschiert wären und den Amis sagen würden was mit Ihren A-Waffen bzw. Kraftwerken zu geschehen hätte würden auch diese alle Mittel zur Selbstverteidigung und der staatlichen Autonomie einsetzen wollen.

Gast: Brennstein
03.12.2009 11:50
0 0

bitte um Auskunft

Wann hat der Iran je eine feindselige Aktion gegen Österreich getätigt?
Mir ist keine bekannt?
Oder haben wir nur zu tun was die Besatzungsmächte fordern?
Und? Zensi?

Gast: netter gast
03.12.2009 11:14
0 0

Niederträchtig

Großbritanien, Frankreich, USA
Staaten mit den größten Arsenalen an Massenvernichtungswaffen ,
nicht bereit über eine umfassende Abrüstung zu verhandeln ,
wollen über den Iran ,der über keine MVW besitzt , dem nur die Absicht unterstellt wird ,
Sanktionen verhängen ?
Die Absicht der westlichen Atommächte ,sich durch Destabilisierung des Iran sich dessen Energiereserven anzueignen ,ist naheliegend

Gast: Beobachter
03.12.2009 11:13
0 0

Sanktionen sind eine kriegerische Handlung

Ich dachte, die Neutralitaet ist nach wie vor in der Verfassung? Der Iran hat Oesterreich nie etwas getan, uns nie bedroht. Im Gegenteil, die wirtschaftlichen Beziehungen sind sehr gut, viele Perser haben in Oesterreich studiert etc. WARUM SOLLEN WIR UNS VOR DEN KARREN USRAELS SPANNEN LASSEN? Hier ist ein Land mit ueber 200 ILLEGALEN Atomwaffen, das will, dass ein Land, das von seinem IAEO Recht Gebrauch machen will, mit Sanktionen belegt wird. Selbst ist es natuerlich NICHT Mitglied der IAEO. Wenn Oesterreich umfaellt, dann ist es wirklich wieder anschlussreif.

Gast: 123
03.12.2009 09:24
2 0

Sanktionen schaden nur den sanktionierenden selber

Wenn nun wegen Sanktionsmaßnahmen alle Wirtschaftsbeziehungen zum Iran eingefroren werden, schadet sich der der Sanktioniert am meisten. Warum? Ist ja ganz einfach. Der Iran hat dank riesiger Gasvorkommen viel Geld das er im Ausland augeben kann. Durch Lieferboykotte entgehen der heimischen Exportwirschaft Aufträge. Und das ist auch die Absicht derer, die jetzt am lautesten nach Santionen rufen. Sie wollen die Geschäfte mit dem Iran selber machen (die für andere jetzt unmoralisch sind) und werden sich im nachhinein nicht an den von Ihnen geforderten Lieferbykott halten. Folge: heimische Arbeitsplätze gehen verloren und wandern in die Länder die sich nicht an die Sanktionen halten (!!!müssen!!!). Da der Iran über viele Lagerstätten fossiler Brennstoffe (sprich Gas) verfügt wird er seine auch weiterhin seine Rohstoffe für gutes Geld verkaufen können. Die ganze Welt ist süchtig nach fossiler Energie. Wenn WIR diese Rohstoffe nicht kaufen (wollen), kein Problem. Irgendwer wird das Geschäft schon machen. Dann ist bei uns kalt und wo anders warm. Auch das ist Absicht derer, die jetzt am lautesten nach Sanktionen rufen. Lästige Konkurrenetn um die Rohstoffe mit der Moralkeule vom Nachfragemarkt zu beseitigen.

Gast: ivoryhunters
03.12.2009 09:08
0 1

kuschelkurs gegenüber iran funktioniert nicht

wenn wirtschaftliche interessen im spiel sind, sind wir alle ziemlich handzahm.
leider ist es so, dass diese appeasement politik mit hardcore regimen wie im iran nicht funktioniert. ein jahr kuschelobama hat absolut gar nichts gebracht. sogar bush, der überall so verachtet wird, hat mit seinem cowboykurs mehr weitergebracht (z.B. syrienabzug aus libanon, streichelzahmer gadaffi)
der westen kann und darf dem iran nicht erlauben atomwaffen zu entwickeln, dass er das tut steht hoffentlich ausser zweifel.

reden tun wir schon seit jahren, was hats gebracht? um neue sanktionen werden wir nicht umhinkommen, besser jetzt als später

5 1

Bravo, Österreich !

Wenn Österreich skeptisch gegenüber Iran-Sanktionen ist, hat es damit vollkommen recht. Dabei schaut nichts heraus als eine weitere Verhärtung der Positionen. Der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete US-Präsident Obama sollte jetzt endlich zeigen, daß er tatsächlich bereit und fähig ist, irgendwo auf der Welt Verhandlungen zu führen, die einen für alle Beteiligten akzeptablen Frieden zur Folge haben. Die bedingungslose Kapitulation der Gegenseite fordern kann jeder Idiot. Vielleicht sollte man Obama den Friedensnobelpreis wieder aberkennen und ihn stattdessen an Michael Spindelegger verleihen ?
Nach den Erfahrungen mit den Irak-Sanktionen, die den Tod von hunderttausenden unschuldigen Kindern zur Folge hatten, sollte ein den Menschenrechten verpflichtetes Europa nicht ein zweites Mal einer Politik zustimmen, die nichts als Krieg und weiteren Terror über die Welt bringen würde. Österreich steht in seiner Einschätzung übrigens nicht allein. Amerika und seine Vassallen, pardon, Verbündeten sollten sich übrigens keiner Illusion hingeben: Rußland und China sind keine Partner für eine Vernichtungs- oder auch nur Demütigungsstrategie gegenüber Teheran, auch wenn sie gelegentlich begütigende Aussagen machen, die so klingen sollen, als seien sie für Sanktionen zu haben (es könnte sogar möglich sein, daß sie Sanktionen zustimmen, aber nur, um sie nachher noch profitabler unterlaufen zu können). Conclusio: Wien sollte fest bleiben, und Verbündete für seine Friedenspolitik suchen.

Antworten Gast: Pensionist
03.12.2009 09:14
0 3

Re: Bravo, Österreich !

...Irak-Sanktionen mit dem Tod von
hunderttausenden unschuldigen Kindern....? Warum nicht gleich "von
millionen unschuldigen Säuglingen"?
Glauben Sie, daß Übertreibung Ihre
Argumente besser macht?

2 0

Re: Re: Bravo, Österreich !

Verehrter "Pensionist", leider ist meine Aussage über hunderttausende gestorbene Kinder im Irak keine Übertreibung. Die niedrigste Schätzung liegt bei 100.000, es gibt aber auch UN-Experten, die von 500.000 sprechen. Sehen Sie sich den Beitrag "Iraq sanctions" in der Wikipedia an, das ist ein guter erster Ausgangspunkt für weitere Forschungen. Gentlemen should agree about facts.


Antworten Antworten Antworten Paco
03.12.2009 14:03
0 0

Re: 500.000 Kinder?

Eher 500.000!

Als die US-Außenministerin Madeleine Albright am 12. Mai 1996 in der Fernsehshow '60 Minutes' vom Moderator zu diesem Thema befragt wurde:
"Wir haben gehört, daß eine halbe Million Kinder wegen der Sanktionen gegen den Irak gestorben sind. Ich meine, das sind mehr Kinder, als in Hiroshima umkamen. Und - sagen Sie: ist es den Preis wert?" Albright brauchte für die Antwort nicht lange zu überlegen: "Ich glaube, das ist eine sehr schwierige Entscheidung, aber der Preis - wir glauben, es ist den Preis wert", widersprach sie nicht!

minas
03.12.2009 04:27
1 3

Anscheinend sind die Oel Deals der OMV ein so wichtiger Faktor,

dass sich keiner traut den Mund aufzumachen. Wirklich ein Witz was da wieder passiert.
Dialog ja mit arabischen Staaten nein. Das ist keine Sprache die man dort versteht und wird nur als Schwaeche ausgelegt.

Antworten maxklaxx
03.12.2009 11:04
0 0

Re: Anscheinend sind die Oel Deals der OMV ein so wichtiger Faktor,

nur zur info der iran ist kein arabischer staat ;)

Gast: Hellwach
03.12.2009 01:15
1 2

Die Lulu-Regierung

Kann es sein dass Spindelegger ein noch schlapperes Lulu ist als Faymann?

Interessanterweise haben regelmäßig die schwarzen Frauen weit mehr Mumm als ihre männlichen Kollegen, siehe Fekter, Kdolsky und insbesondere Plassnik.

Arethas
02.12.2009 22:17
3 2

Sanktionen?!

Seid ihr noch zu retten?
Was soll diese widerwärtige Hetze gegen ein friedliebendes muslimisches Land?!
GrünInnen und Co. schreitet ein, Muslime drohen diskriminert zu werden!

Peregrin
02.12.2009 21:46
5 3

schärfere Sanktionen gegen die Islamische Republik mitzutragen

Die sollte einmal jemand über das Konzept einer "immerwährenden Neutralität" belehren, und unseren Herrn Außenminister gleich dazu.

Antworten Gladius
03.12.2009 02:05
2 1

Hallo Erde an Peregrin!

Österreich ist in der UNO d. h. unsere Neutralität ist nichts wert - Warum?? Weil wir seit unserem beitrit zu UNO durch jedes mitstimmen unsere Neutralität aufgegeben haben. Die österr. Neutralität wurde niemals ernsthaft durchgezogen. Sonst hätten wir nicht der EU beitreten dürfen, der UNO schon gar nicht.

Die Schweizer hatten es die längste Zeit richtig gemacht sie waren nicht Mitglied der UNO. Schaded ja auch nicht in dem sch*** Verein nicht Mitglied zu sein.

Gast: fklsdkjfä
02.12.2009 21:40
0 0

Sonst kaufens keine Steyr Gwehr mehr bei uns ein!!!


Gast: Franz
02.12.2009 20:50
7 0

„Die Geduld gegenüber dem Iran nähert sich dem Ende"

Dem Herrn Schallenberg ist wohl der Papp ins Hirn gestiegen!

Der "westliche Diplomat" trifft da wohl eher den Kern der Sache, wenn er sagt:
"Die Österreicher sind offenbar der Ansicht, dass bei Konflikten ausschließlich der Dialog weiterhelfen kann“.

Mit welchem Recht übrigens wollen die, die selber Atomwaffen besitzen, dem Iran diese verbieten?
Besonders die USA, Israel u. Großbritanien?

Gast: Hugo Bortwisch
02.12.2009 19:57
7 0

Beim Geld hört sich die Freundschaft auf....

Österreich baut Nabucco.... Nabucco geht nur mit Gas aus dem Iran....mit der Freundlichen Zustimmung der Türkei für den Transit etc.
Also wird Österreich immer bei Sanktionen gegen den Iran auf der Bremse stehen.
Die Volksabstimmung in der Schweiz kritisch hinterfragen, um sich bei diesen Staaten + Lybien anzubiedern.
Hinten herum den Eu-Beitritt der Türkei fördern, aber vor der eigenen Bevölkerung so tun, als ob man da bremsen würde.....