Im Zusammenhang mit dem sogenannten "Oil for Food"-Skandal hat der Leiter der OECD-Arbeitsgruppe gegen Unternehmenskorruption, der Schweizer Mark Pieth, heftige Kritik an der österreichischen Justiz geübt. Pieth sagte am Rand der in Paris stattgefundenen Tagung der Arbeitsgruppe am Freitag telefonisch, er sei mit der Vorgangsweise Österreichs im Hinblick auf die Aufklärung und Verfolgung von Bestechungsvorwürfen gegen zahlreiche Firmen "vollkommen unzufrieden".
"Sie haben vergessen, 'vergessen' unter Anführungsstrichen, das Verfahren zu eröffnen, sodass das ganze Zeug verjährt ist. Die haben nicht einmal die Verjährung unterbrochen und haben vierzig Fälle insgesamt verjähren lassen. Das halte ich für einen Kunstfehler und das wird Österreich noch ziemlich schaden", sagte Pieth. Die OECD werde die Angelegenheit noch einmal aufgreifen und habe auch vor, diese Mängel publik zu machen.
Österreichische Firmen unter Verdacht
Das UNO-Programm "Oil for Food" (Öl für Lebensmittel) mit einem Volumen von insgesamt 43,4 Milliarden Euro) lief von 1996 bis 2003. Es erlaubte dem damals noch von Saddam Hussein beherrschten Irak, trotz UNO-Sanktionen eine begrenzte Menge Erdöl auszuführen und im Gegenzug Lebensmittel sowie Medikamente zu importieren.
Dabei sollen laut einem Bericht der Vereinten Nationen reichlich Bestechungsgelder geflossen sein. Es wird vermutet, dass Unternehmen und verschiedene Organisationen insgesamt über eine Milliarde Euro an den Kontrollorganen der Vereinten Nationen vorbeigeschmuggelt haben. In dem UNO-Bericht wurden auch mehrere österreichische Firmen sowie die Gesellschaft für Österreichisch Arabische Beziehungen (GÖAB) erwähnt.
Mark Pieth ist Professor für Strafrecht an der Universität Basel und Leiter der OECD Arbeitsgruppe über Bestechung in Internationalen Unternehmensgeschäften.
(APA)
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