Die USA und Großbritannien wollen den Anti-Terror-Kampf im Jemen verstärken. Präsident Barack Obama und Premierminister Gordon Brown haben vereinbart, eine Spezialeinheit zur Terrorabwehr der Regierung in Sanaa finanziell zu unterstützen, wie Browns Büro mitteilte. Al-Kaida-Mitglieder im Jemen sollen den versuchten Anschlag zu Weihnachten auf ein Passagierflugzeug in den USA finanziert haben. Die Regierung im Jemen hat nach Angaben aus Sicherheitskreisen unterdessen Hunderte zusätzliche Einsatzkräfte in zwei Provinzen stationiert, die als Hochburgen der Al-Kaida gelten.
Die gemeinsame Finanzhilfe sei mit dem Jemen abgesprochen, erklärte Browns Büro. In Washington äußerte sich ein hoher Regierungsbeamter zurückhaltend. Die Terrorabwehr der Polizei im Jemen werde schon jetzt finanziell unterstützt, hieß es im Weißen Haus. Die USA haben die Regierung in Sanaa im Rahmen des Anti-Terror-Programms im vergangenen Jahr mit 67 Millionen Dollar (46,5 Mio. Euro) unterstützt. Großbritannien will dem Jemen im Jahr 2011 nach Angaben der Sprecherin mehr als 100 Millionen Pfund (112,6 Mio. Euro) zur Verfügung stellen.
Die Organisation "Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel" hat sich zu dem versuchten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug auf dem Weg von Amsterdam nach Detroit bekannt. Der des Anschlagsversuchs beschuldigte Nigerianer hielt sich im vergangenen Jahr im Jemen auf. Er habe sich dort offenbar Al-Kaida-Terroristen angeschlossen, sagte Obama am Samstag. Diese hätten den 23-Jährigen ausgebildet, mit Sprengstoff ausgestattet und "angewiesen, das Flugzeug mit Ziel Amerika anzugreifen", so der US-Präsident in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache.
Washington werde seine Zusammenarbeit mit dem Jemen verstärken und Terroristen zur Verantwortung ziehen, kündigte Obama an. Der Leiter des Nationalen Zentrums für Terrorabwehr in den USA, Michael Leiter, erklärte am Samstag, Terroristen planten weitere Anschläge auf US-amerikanischem Boden.
US-Botschaft nach Terrordrohungen geschlossen
Unterdessen wurde am Sonntag die US-Botschaft im Jemen geschlossen. Wie die diplomatische Vertretung in der Hauptstadt Sanaa auf ihrer Internetseite mitteilte, drohte die Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel mit Attentaten gegen US-Einrichtungen in dem Land. Wie lange die Botschaft geschlossen bleiben sollte, war zunächst unklar.
Brown hatte bereits am Freitag eine internationale Konferenz zur Lage im Jemen vorgeschlagen. Das Treffen könnte am 28. Jänner am Rande einer internationalen Afghanistan-Konferenz in London stattfinden. Dabei soll es auch um eine verstärkte Unterstützung der jemenitischen Küstenwacht für den Kampf gegen Piraten im Seegebiet zwischen der arabischen Halbinsel und Somalia gehen.
Der im Jemen aktive Ableger der Al-Kaida gerät auch zunehmend ins Visier des US-Militärs. General David Petraeus traf laut Medienberichten am Samstag in Sanaa mit dem jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh zusammen. Petraeus befehligt die US-Streitkräfte in Nahost, Zentralasien und Ostafrika. Wie der TV-Sender CNN unter Berufung auf US-Regierungskreise berichtete, bot Saleh im Gespräch mit dem US-General weitere Hilfe seines Landes für Anti-Terror-Aktionen der Vereinigten Staaten an. Einzelheiten wurden allerdings nicht genannt.
Der jemenitische Außenminister Abubakr al-Qirbi sagte am Sonntag, dass die gemeinsamen internationalen Anstrengungen zur Bekämpfung der Al-Kaida "zweifelsohne verstärkt" werden müssten. Der Jemen gehe jedoch gegen die Terrororganisation auf seinem Staatsgebiet selbst vor, fügte er hinzu. Abmachungen, denen zufolge die USA nach eigenem Gutdünken Ziele im Jemen beschießen oder bombardieren können, gebe es keine. Der Jemen tausche lediglich mit anderen Ländern Geheimdienstinformationen aus.
US-Medien hatten allerdings schon vor Tagen berichtet, US-Militärs würden bereits mögliche Ziele für Angriffe auf Al-Kaida-Stellungen im Jemen auskundschaften. Die Militärs wollten für den Fall vorbereitet sein, dass Präsident Obama den Befehl zum Angriff geben sollte.
(Ag.)
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