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Iran: Mysteriöser Mord an Atomforscher

12.01.2010 | 18:39 |  WIELAND SCHNEIDER UND THOMAS SEIFERT (Die Presse)

Bei einer Bombenexplosion starb ein iranischer Nuklearwissenschaftler, der der Opposition nahe stand. Das Regime macht Israel und die USA verantwortlich. Die USA bezeichnen den Vorwurf als "absurd".

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Am Boden liegt zerbrochenes Glas – Spuren der Detonation, die am Dienstag das Viertel Qeytariyeh im Norden der iranischen Hauptstadt Teheran erschüttert hat. Irans internationaler Fernsehsender Press-TV zeigt nicht nur die geborstenen Fensterscheiben und Trümmer. Auf den Bildern ist auch zu sehen, wie offenbar ein Leichensack abtransportiert wird. Das Opfer: Professor Massoud Ali-Mohammadi, Vortragender an der Universität Teheran und Atomwissenschaftler. Die Attentäter hatten ein mit Sprengstoff präpariertes Motorrad neben seinem Auto abgestellt, so Press-TV.

Irans Regime beschuldigte umgehend die USA und Israel, den Wissenschaftler ermordet zu haben, um das iranische Atomprogramm zu sabotieren. In dem Anschlag zeige sich „das Dreieck des Bösen aus dem zionistischen Regime, Amerika und ihren Agenten“, meinte ein Sprecher des Außenministeriums. „Solche Terrorakte werden aber den wissenschaftlichen und technologischen Prozess nicht aufhalten.“ Die USA bezeichneten die Vorwürfe als „absurd“. Dies sei völlig aus der Luft gegriffen, sagte der stellvertretende Sprecher des US-Außenministeriums, Gordon Duguid.

Das Regime feierte Ali-Mohammadi als Märtyrer und „überzeugten Verfechter der Islamischen Revolution“. Was es nicht sagte: Das Mordopfer stand der Opposition nahe. Die iranische Zeitschrift Ayande rief in Erinnerung, dass Ali-Mohammadi zu jenen Wissenschaftlern gehörte, die vor der Präsidentenwahl den Oppositionskandidaten Mir Hussein Moussavi unterstützten. Ein Indiz dafür, dass die Hintermänner des Anschlags nicht in Tel Aviv und Washington sitzen, sondern vielleicht in der Machtzentrale in Teheran.

Abrechnung mit Bahai

Irans Regime nutzt den Kampf gegen die Opposition derzeit für eine Abrechnung mit den Bahai, einer seit Jahren unterdrückten religiösen Minderheit. Am Dienstag begann der Prozess gegen sieben Führungsmitglieder der Bahai. Ihnen wird zur Last gelegt, für Israel gearbeitet zu haben. Ein Anschlag als „Beweis“ für die Umtriebe israelischer Agenten passt dem Regime zum jetzigen Zeitpunkt genau in den Propagandaplan.

Brennende Labors

Oder wurden die Attentäter tatsächlich von Israel, den USA oder einem anderen westlichen Land geschickt? „Gegen Irans Atomprogramm läuft derzeit eine Sabotageaktion. Und ich sehe den Anschlag im Zusammenhang damit“, meint der israelische Journalist Ronen Bergman im Gespräch mit der „Presse“. Der Aufdeckerjournalist recherchiert schon länger zu Geheimoperationen gegen Irans Regime und verfasste dazu das Buch „The Secret War with Iran“.

Teheran habe in der Vergangenheit den israelischen Geheimdienst Mossad für die Explosion von Zentrifugen in Natanz verantwortlich gemacht, für abgestürzte Computer und Labors, die in Flammen aufgingen, so Bergman. Zudem seien zwei iranische Wissenschaftler verschwunden.

Dazu, wer hinter dem Attentat am Dienstag stecken könnte, sagt der Journalist: „Natürlich fällt der Verdacht sofort auf Israel. Aber andere Länder wie Deutschland und Frankreich haben noch größeres Interesse an derartigen Operationen. Um nämlich Israel von Luftangriffen gegen Irans Atomanlagen abzuhalten. Der Ermordete sei von der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA als einer der Wissenschaftler genannt worden, die sie befragen wollte. Irans Regime habe aber die Befragungen nicht zugelassen. Die IAEA wollte das auf Anfrage der „Presse“ weder bestätigen noch dementieren.

Schon seit Jahren gibt es Gerüchte, Israel oder die USA könnten versuchen, Irans Atomprogramm durch Sabotage zu behindern. Eine der „Waffen“ in diesem Undercover-Krieg: das Ausschalten von Wissenschaftlern. Das US-Magazin „Atlantic Monthly“ hat bereits im Dezember 2005 mit einem Bericht für Aufsehen gesorgt, in dem über diese „verdeckte Option“ spekuliert wurde. Und es wurde auf Parallelen in der Geschichte verwiesen: So habe etwa Israels Geheimdienst 1962 mit Attentaten Ägyptens Aufrüstung mit ballistischen Raketen verhindert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2010)

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2 Kommentare
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der status

es gibt keine beweise dagegen oder dafür.

solange der wissenschaftler (tatsächlich) tot ist es (nachweislich) kein unfall oder selbstmord war...
und es keine (nachweislich) echte aufnahme des motorrad fahrers gibt.. mit hintergrund ob der fahrer eventuell von jemand anderen dazu angestiftet wurde... ect ect

bleibt es reine politik.
die amis und israelis und die gesamte eu hat was davon... neben der diktaturfrage verlängert es potentiell die zeit bis zum tag x wo iran eine a-bombe hat.

offensichtlich hat es auch einen vorteil für iran gehabt...

wer jetzt wirklich ursächlich am mord beteiligt war ist offensichtlich nebensächlich und in diesem regime aber auch bei einem solchen weltinteresse nicht zu klären. man könnte ja umgekehrt fragen wer hätte es aufgehalten wenn er es gekonnt hätte... und diesbezüglich scheinen nicht so viele in frage zu kommen.

insofern finde ich den bericht spannend das er israelische reporter zitiert welche auch den BND als nutznieser der situation bezeichnet...

Gast: lol
12.01.2010 20:12
1 2

Das Regime macht Israel und die USA verantwortlich.

Ja natürlich tut es das, weil der kleine Diktator aus dem Iran Israel und die USA hasst.

Es ändert aber nichts an der Tatsache das dieser Forscher, den Oppositionspolitiker Moussavi öffentlich unterstützt hat und dafür vom iranischen Regime ermordert wurde.