Der einst als "Chemie-Ali" berüchtigte Cousin des früheren irakischen Machthabers Saddam Hussein ist am Sonntag erneut zum Tode verurteilt worden. In dem Prozess gegen den früheren irakischen Minister und General Ali Hassan al-Majid (Majeed) ging es um das Massaker in der kurdischen Stadt Halabja im Nordirak, bei dem 1988 rund 5.000 Menschen qualvoll durch Giftgas starben.
Es war bereits das vierte Todesurteil gegen Majid, der seit Mitte 2003 im Gefängnis sitzt. Zuvor war er wegen Niederschlagung eines Aufstandes im Jahr 1999, wegen Völkermordes an den Kurden und wegen seiner Beteiligung an der Unterdrückung rebellierender Schiiten nach dem Golfkrieg 1991 zum Tod durch den Strang verurteilt worden.
Die Regierung der autonomen Kurdenregion im Norden des Irak zeigte sich zufrieden über das Todesurteil. "Das ist ein Sieg für alle Iraker, die Menschheit und die Kurden von Halabja", erklärte der Regionalminister für Märtyrer und Vertriebene, Majid Hamed Amin. Das Massaker von Halabja betreffe nicht nur die Kurden, sondern die ganze Welt.
Kurz vor dem Ende des Krieges zwischen dem Irak und dem Iran hatten kurdische Untergrundkämpfer das Dorf Halabja unter ihre Kontrolle gebracht. Am 16. März 1988 warf die irakische Luftwaffe mehrere Sorten Giftgas ab, darunter Senfgas und das Nervengas Sarin.
Majid war als Minister, Kommandant und Berater Saddam Husseins eine Schlüsselfigur des 2003 durch US-Truppen gestürzten Regimes. Auf der US-Liste der meistgesuchten Iraker hatte er auf dem fünften Platz rangiert. Er war im August 2003 gefasst und in ein US-Militärgefängnis im Irak gebracht worden. Saddam Hussein wurde Ende 2006 hingerichtet, "Chemie-Ali" war ihm bis zuletzt treu ergeben.
Majid wurde laut Gerichtsakten 1941 geboren, nach eigenen Angaben 1944. Er stammt ebenso wie Saddam Hussein aus Tikrit. Sein Vorgehen gegen die Kurden galt als besonders grausam, so dass er auch den Beinamen "Schlächter Kurdistans" erhielt. Im Mai 1987 ordnete er einen Vernichtungsfeldzug in den Kurdengebieten an, bei dem große Bevölkerungsgruppen Richtung Jordanien und Saudi-Arabien vertrieben wurden. Als die US-Invasion im Jahr 2003 begann, war Majid eine Zeit lang Kommandant der südlichen Teile des Irak. Am 21. August 2003 wurde er gefasst.
Der oberste irakische Kriminalgerichtshof verurteilte am Sonntag außerdem zwei frühere irakische Geheimdienstchefs und den ehemaligen Verteidigungsminister Sultan Hashim Ahmad zu Haftstrafen zwischen zehn und 15 Jahren, wie die Nachrichtenagentur "Aswat al-Iraq" berichtete.
(Ag.)
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