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Die Schweiz Mittelamerikas in weiblichen Händen?

05.02.2010 | 18:57 | Von unserem Korrespondenten SANDRO BENINI (Die Presse)

Laura Chinchilla hat beste Chancen, zur neuen Präsidentin von Costa Rica gewählt zu werden.

SAN JOSÉ/MEXICO CITY. Die zentralamerikanische Republik Costa Rica könnte erstmals von einer Frau regiert werden: Laut den Meinungsforschern dürfte die Politologin, Anwältin, Ex-Ministerin und Vizepräsidentin Laura Chinchilla (51) bei der Präsidentenwahl diesen Samstag etwa 42 Prozent der Stimmen erhalten und ihren Hauptkonkurrenten, den Anwalt Otto Guevara, klar auf Platz zwei verweisen.

Sollte sie unter der 40%-Marke bleiben, käme es zu einem zweiten Wahlgang. Zudem wählen die rund drei Millionen Wahlberechtigten den Kongress neu.

Politisch-sozial ist Costa Rica das stabilste Land der Region, weshalb man es auch „Schweiz Mittelamerikas“ nennt. Bürgerkriege, Putsche und Staatsbankrotte blieben ihm erspart, obwohl (oder weil) es 1949 die Armee abschaffte.

Es gibt eine recht breite Mittelschicht und ein funktionierendes Gesundheits- und Bildungssystem. Die Armutsquote ist mit rund 20 Prozent weit tiefer als sonst wo in Mittelamerika, verglichen mit dem nördlichen Nachbar Nicaragua wirkt es geradezu als heile Welt.

Der abtretende Präsident und Friedensnobelpreisträger Óscar Arias, der wie Chinchilla der sozialdemokratischen Partido Liberación Nacional angehört, hat sich als Mann mit Augenmaß und Garant für sozialen Ausgleich erwiesen. Von seiner Popularität profitiert Chinchilla, die er unterstützt.

 

Guter Draht zum Volk

Chinchilla ist versierte Juristin und Sicherheitsexpertin, die mehrere Bücher verfasste, und hat dank ihres unprätentiösen Auftretens Zugang zum Volk. Sie wirkt trotz ihrer langen Politkarriere erfrischend, auch, weil ihre zwei Hauptgegner schon das dritte Mal antreten. Große Visionen hat sie nicht, will die bisherige Politik fortsetzen, was ihr nicht schadet – im Gegenteil: „Costa Rica muss weder nach links noch nach rechts, sondern nach vorne“, lautet ein Slogan.


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