MÜNCHEN (b.b.). „Dieses Jahr“, glaubt US-Senator John McCain, „wird ein sehr hartes Jahr in Afghanistan, die Zahl der Opfer des Nato-Einsatzes wird steigen.“ Bei der Münchner Sicherheitskonferenz stimmte ihm am Sonntag der britische Verteidigungsminister Bob Ainsworth zu: „2010 wird ein schwieriges Jahr, und wir müssen das auch in unseren Ländern klarmachen. Denn ein Problem ist, dass immer noch viele Leute der irrigen Ansicht sind, ein solcher Einsatz sei risikolos.“
Das ist er nicht, weder für die Nato-Soldaten noch für die afghanische Zivilbevölkerung. Afghanistans Präsident Hamid Karzai erinnerte aber daran, dass die Zahl der durch Nato-Operationen getöteten Zivilisten nach der neuen Strategie von US-General Stanley McChrystal zurückgegangen ist. „Aber es sollten überhaupt keine Zivilisten sterben. Daher muss der Krieg in den Dörfern beendet werden. Er muss in den Taliban-Rückzugsräumen geführt werden.“
Bis 2012 soll Afghanistans Armee 300.000Mann stark sein, und bis in fünf Jahren sollen die Sicherheitskräfte in der Lage sein, selbst für den Schutz der Bevölkerung zu sorgen. Um einen Friedensprozess einzuleiten, sucht Karzai die Aussöhnung mit den Taliban. „Reden wollen wir aber nur mit Taliban, die keine Beziehungen zu al-Qaida haben, die die afghanische Verfassung und die Rechte der Frauen respektieren.“ Vertreter der Taliban wiesen am Sonntag Karzais Angebot als „absurd“ zurück.
Der US-Sonderbotschafter für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, nannte fünf Punkte, in denen es in Afghanistan Fortschritte geben müsse:
• Sicherheitslage: „Das ist die Voraussetzung für Verbesserungen in allen anderen Bereichen.“ Es müsse eindeutige Erfolge bei der Aufstandsbekämpfung geben.
• Afghanische Sicherheitskräfte: Es könne nicht sein, dass 85% der afghanischen Polizisten Analphabeten seien. Fortschritte erhofft sich Holbrooke auch dadurch, dass die Ausbildung afghanischer Soldaten und Polizisten neuerdings unter einheitlichem Kommando erfolgt.
• Zivile Aufbauprogramme: Der Schwerpunkt müsse die Landwirtschaft sein, „denn Afghanistan ist vor allem ein agrarisches Land“. Holbrooke unterstützte auch Karzais Forderung, dass ausländische Hilfsprogramme nicht auf eigene Faust durchgeführt werden sollten, weil das die Arbeit der afghanischen Regierung unterminiere.
• Die Kommunikation innerhalb der Nato, zwischen der Internationalen Schutztruppe und der afghanischen Regierung, aber auch mit allen anderen internationalen Akteuren in Afghanistan müsse künftig viel besser funktionieren.
• Aussöhnung mit Taliban: „Ja, aber dieser Prozess muss Hand in Hand mit den angestrebten Verbesserungen der Sicherheitssituation gehen.“ Verteidigungsminister Ainsworth erklärte, der Krieg könne auch nicht durch die Niederringung der Taliban gewonnen werden: „Wir müssen die Köpfe und Herzen der Menschen gewinnen.“