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Pensionen: Schweizer stimmten gegen "Rentenklau"

07.03.2010 | 18:14 |  Von unserer Korrespondentin CAROLA SCHNEIDER (Die Presse)

Die Berner Regierung erhält eine schallende Ohrfeige: Kürzung der betrieblichen Altersvorsorge abgelehnt. Damit wollten Regierung und Parlament die Betriebspensionen langfristig sichern.

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Bern. In der Zentrale des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds SGB in Bern knallten die Champagnerkorken, als erste Hochrechnungen den überwältigenden Abstimmungssieg ankündigten. 73 Prozent der Schweizer lehnen laut Hochrechnungen die geplante Senkung des sogenannten „Mindestumwandlungssatzes“ für Betriebspensionen ab. Dieser Zinssatz, der langfristig die Höhe der Pensionen bestimmt, hätte laut Abstimmungsvorlage von heute sieben Prozent auf 6,4 Prozent im Jahr 2016 gesenkt werden sollen.

Damit wollten Regierung und Parlament die Betriebspensionen langfristig sichern. Angesichts der steigenden Lebenserwartung der Menschen und der sinkenden Anlagerendite der Pensionskassen müssten die monatlichen Betriebspensionen sinken, um dafür länger ausbezahlt werden zu können, argumentierte Sozialminister Didier Burkhalter im Abstimmungskampf. Unterstützt wurde die Vorlage auch von den bürgerlichen Parteien und den Wirtschaftsverbänden.

In der Schweiz machen die Betriebspensionen, die sogenannte zweite Säule, den größten Teil der Altersvorsorge aus, während die staatlichen Pensionen relativ niedrig sind. Umso vehementer kämpften Linksparteien und Gewerkschaften gegen die Abstimmungsvorlage und nützten die wegen der Finanzkrise aufgeheizte Stimmung in der Bevölkerung.

Die Zinssenkung sei nur eine Umverteilung zugunsten der Pensionskassenmanager, die damit ihre Boni sichern wollten, argumentierten die Gewerkschafter polemisch und sprachen von „Rentenklau“. Sie geben den angeblich gierigen und arroganten Abzockern in den Pensionskassen die Schuld an der drohenden finanziellen Unterdeckung.

Der Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds, Paul Rechsteiner, bezeichnet das wuchtige Nein der Stimmbürger zu einer Senkung der Betriebspensionen als klares Signal an die Bundespolitik, dass man sich die Pensionen nicht stehlen lasse. Vor allem alte Menschen mit niedrigem Einkommen wären mit geringeren Betriebspensionen finanziell kaum mehr durchgekommen, so die Gewerkschaften.

 

Problem nur aufgeschoben

Enttäuscht reagieren die Befürworter einer Zinssenkung für das Pensionskapital. Das Problem, dass die Betriebspensionen mit dem heutigen Umwandlungssatz nicht mehr gesichert werden könnten, werde nicht gelöst, sondern nur aufgeschoben, sagt der Direktor des Arbeitgeberverbandes, Thomas Daum. Schon heute werde Geld auf Pump ausbezahlt, denn der aktuelle Zinssatz für die Berechnung der Pensionen sei zu hoch, meint Wirtschaftsministerin Doris Leuthard. Wenn das Problem der drohenden Finanzierungslücke nicht gelöst werden könne, müssten künftig Arbeitnehmer und Arbeitgeber höhere Beiträge an die Pensionskassen zahlen. Dies würde aber die Kaufkraft senken und den Wohlstand im Land gefährden, warnt Wirtschaftsministerin Leuthard.

Eines steht nach der schallenden Ohrfeige der Schweizer Bürger und Bürgerinnen für Regierung und Parlament fest: Die Diskussionen darüber, wie die Betriebspensionen angesichts der steigenden Lebenserwartung der Menschen gesichert werden können, sind damit nicht vom Tisch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2010)

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5 Kommentare
Gast: ADAXL
08.03.2010 19:13
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Demokratie zum Fürchten

Ich bin überzeugter Demokrat, aber hier steigen mir die Grausbirnen auf. Natürlich wollen alle mehr Geld, was denn sonst? Nur, wo soll das alles herkommen? Wir in Österreich haben dasselbe Problem mit der Deckung der Pensionen. Wenn nicht bald Vernunft einkehrt, wird es Krach geben. Wie heißt es doch: Seid nett zu euren Kindern, sie suchen später euer Altersheim aus!

Gast: Archipoeta
08.03.2010 17:22
0 0

Hat sich das eigentlich schon mal jemand überlegt???

Selber schuld wenn man versucht mit Volksbefragungen und Basisdemokratie Politik zu machen. So wird man nie Forderungen für die Bevölkerung durchsetzen können, die nicht jeden begünstigen, aber notwendig sind um ein funktionierendes Pensionssystem zu garantieren.
Das ist die Tatsache.
Aber wenn direkte Demokratie noch immer als das Allheilmittel gepriesen wird, dann werden wir in Österreich bald gar keine Steuern mehr haben
(außer für Super-Mega-Reichen
[das da bei gott niemand in diese kategorie reinfällt, der nicht wirklich BÖSE ist!!]
, weil die hassen ja eh 90% der Bevölkerung) und dergleichen.
Aber gut. mit sugestivefragen kkönnen wir dem Problem natürlich Abhilfe schaffen. das ist dann wirklich gute politik.
oh! nein! das hab ich vergessen!
man muss den leuten natürlich auch noch sagen, dass sie die -einmalige, weil von der övp sonst immer verhinderte - chance haben mitzubestimmen, weil sonst geht das ja nicht, in diesem furchtbar undemokratischen land.

0 0

Denken ist schwer, Frau Leuthard:

ob man nun mehr in die Pensionskassen zahlt oder weniger daraus erhält ergibt das gleiche Ergebnis: Die Kaufkraft sinkt nur dann, wenn das Geld unnütz auf Konten liegt, statt als Kredit der Wirtschaft zu dienen.

Ratio
07.03.2010 22:53
0 0

"Rentenklau"

Interessant. Dieses Wort würde bei uns einen Sturm der Entrüstung auslösen, da es bereits vor siebzig Jahren verwendet wurde ...

Antworten biedermann
08.03.2010 04:35
0 1

Re:

das wort passt zu schüssel.