Vor dem 51. Jahrestag des blutig niedergeschlagenen Volksaufstands gegen die chinesische Fremdherrschaft in Tibet an diesem Mittwoch sind in der tibetischen Hauptstadt Lhasa 442 Menschen festgenommen worden. Im Rahmen der Kampagne "Hart Durchgreifen" (Yanda) seien mehr als 4115 Wohnungen durchsucht und Razzien in 178 Hotels, Gästehäusern sowie in mehr als 40 Vergnügungsstätten vorgenommen worden, berichtete die Stadtverwaltung von Lhasa. Sieben Menschen seien wegen Betrugs, Hehlerei oder Diebstahls verhaftet worden.
Die Kampagne richtet sich sowohl gegen Kriminelle wie auch Unabhängigkeitskräfte, doch erwähnte der Bericht keine expliziten Vorwürfe wegen Separatismus. Vor zwei Jahren war es an dem Jahrestag des Aufstandes zu schweren Ausschreitungen in Lhasa gekommen. Wie Bewohner von Lhasa berichteten, wurden die Sicherheitsvorkehrungen vor dem Jahrestag erkennbar verschärft. Polizeikräfte patrouillierten rund um die Uhr auf den Straßen, berichtete ein Hotelmitarbeiter telefonisch. "Die Polizei kontrolliert alle Tibeter von außerhalb der Hauptstadt."
Dalai Lama floh nach Indien
Nach der Niederschlagung des Volksaufstands in Lhasa durch die chinesische Armee im März 1959 war der Dalai Lama mit mehr als 100.000 Landsleuten über die Grenze nach Indien geflohen. Der buddhistische Klosterstaat war bis 1912 chinesisches Protektorat und nach dem Ende des chinesischen Kaisertums faktisch selbstständig. 1950/51 marschierten chinesische kommunistische Truppen in Tibet ein.
1965 errichtete Peking die "Autonome Region Tibet"; deren Fläche ist wesentlich kleiner als die des alten Tibet, von dem Teile den chinesischen Nachbarprovinzen angegliedert wurden. Menschenrechtsorganisationen und der Dalai Lama, dem 1989 der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde, haben Peking unter anderem Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen, sowie "kulturellen Völkermord" durch massive Ansiedlung von Han-Chinesen vorgeworfen.
(Ag.)

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