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Wladimir Putin in Wien: Mit Muskeln aus Gas

24.04.2010 | 18:10 |  von BURKHARD BISCHOF (Die Presse)

Der russische Regierungschef Wladimir Putin traf mit großem Gefolge zu einem Arbeitsbesuch in Wien ein. Ein Vertrag über ein neues Pipeline-Projekt wurde unterzeichnet, dann eilte der Russe zur Judo-EM.

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Kurz vor 14 Uhr schwellt im Himmel über dem Ballhausplatz plötzlich das Knattern von Hubschrauberrotoren an. Die zwei Polizisten auf dem Balkon der Präsidentschaftskanzlei, direkt gegenüber dem Bundeskanzleramt, nehmen mit Ferngläsern die mehreren Dutzend Schaulustigen hinter den Absperrungsgittern nun unter scharfe Beobachtung. Aber Gefahr droht auch von den wenigen Demonstranten, die mit einer Mahnwache auf die problematische Menschenrechtslage in Russland aufmerksam machen wollen, keine. Dann biegt eine Motorradeskorte der Polizei um die Kurve, dahinter eine Stretchlimousine.

13.55 Uhr, Wladimir Putin, der russische Regierungschef, ist endlich da. Gut eine Stunde Verspätung hat die russische Delegation. Warum eigentlich, wollen wir von einem Moskauer Kollegen wissen. „Nichts Besonderes, bei uns gibt es immer solche Verspätungen.“ Und überhaupt, der Hauptgrund für Putins Besuch in Wien an diesem Wochenende ist schließlich die Judo-Europameisterschaft im Dusika-Stadion. Nur, es wäre wohl etwas kurios gewesen, wäre der Judo-Fan nur deswegen nach Wien gekommen. Also hat man die Visite kurzerhand in einen „Arbeitsbesuch“ gekleidet.

Großes Gefolge. Putin ist mit großem Gefolge nach Wien gekommen. Er hat Bildungsminister Andrej Fursenko, Energieminister Sergej Schmatko, den Chef des Erdgasriesen Gazprom, Alexej Miller, und den Chef der russischen Eisenbahnen, Wladimir Jakunin, mitgebracht; dazu mehrere Dutzend Journalisten. Bei der Pressekonferenz im Bundeskanzleramt sind die russischen Kollegen bei Weitem in der Mehrheit.

Ein bisschen merkt man bei Putin noch die Erkältung, die ihm schon bei seinem Rechenschaftsbericht im Parlament in der abgelaufenen Woche zu schaffen gemacht hat. Der starke Mann Russlands wirkt nicht ganz so hellhörig und dynamisch wie bei seinen sonstigen Auftritten. Ein Lächeln zeigt er erst, als Energieminister Schmatko und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner ein Abkommen über Österreichs Beteiligung am russisch-italienischen Erdgasprojekt „South Stream“ unterschreiben. Die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti kommentierte: „Der Vertragsabschluss ist ein großer Sieg für Russland und ein weiterer Schlag gegen Nabucco.“

Nabucco, das von Österreich lange Zeit forcierte Pipeline-Projekt, um Erdgas aus dem kaspischen Raum nach Europa zu transportieren, soll nicht zuletzt die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen verringern. Putin kann da einen gewissen Spott nicht verbergen: „Eine Pipeline baut man doch nur, wenn man Verträge mit Ländern hat, die diese Pipeline auch mit Gas füllen können. Bei Nabucco aber gibt es noch keine Lieferverträge.“

Gasspeicher Russland. Dagegen Russland: „Wir haben allein im Nordosten Russlands 55 Billionen Kubikmeter Erdgas unter dem Boden. Und wir haben noch mehrere andere Regionen mit solchen Gaslagerstätten. Weltweit gibt es nirgendwo so viele Vorräte wie in Russland“, verkündet er den Journalisten stolz. Für ihn scheint deshalb das ständige Gerede in den EU-Staaten über Diversifizierung und Verringerung der Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen reichlich substanzlos. „Worum es geht, ist die Diversifizierung der Lieferwege. Und genau dafür bauen wir South Stream.“ Putins Gastgeber, Bundeskanzler Werner Faymann, sieht keinen Interessenskonflikt zwischen South Stream und Nabucco: „Die beiden Projekte darf man nicht gegeneinander ausspielen“, mahnt er.

Keine Kontroversen. Nüchtern und sachlich redeten Österreicher und Russen auch noch über die wirtschaftliche Entwicklung in beiden Ländern, über die mögliche Verlängerung der Eisenbahnbreitspur von der Ukraine über die Slowakei bis nach Wien (Faymann: „Eine wichtige und zukunftsweisende Idee“), über die Frage der AUA-Landerechte und die Visa-Liberalisierung. Kontroversielle politische Themen waren keine auf der Tagesordnung, und auch die vier Journalistenfragen, die bei der Pressekonferenz zugelassen wurden, waren brav und völlig unkritisch. Putin sollte die Vorfreude auf die Judo-EM ja nicht getrübt werden.

Nach einem Mittagessen wechselte Putin über den Ballhausplatz zur Präsidentschaftskanzlei, um Heinz Fischer seine Aufwartung zu machen. Man kennt sich schließlich gut. Putin hat 2007, damals noch als russischer Staatschef, den Bundespräsidenten besucht. Unbekannt, ob die beiden auch über Werte gesprochen haben. Putin hätte Fischer beispielsweise erklären können, wie man mit einer durch eine Flugzeugkatastrophe schwer getroffene Nation wie Polen mitfühlend umgeht – und dass es in Europa schlecht ankommt, wenn man ein Staatsbegräbnis mit hanebüchenen Ausreden schwänzt.

''Nabucco'' vs. ''South Stream''
South Stream ("Juschni potok"), mit dem Russland bei seinen Gasexporten das Transitland Ukraine umgehen kann, soll 2015 in Betrieb gehen und mit einer jährlichen Kapazität von 63 Milliarden Kubikmeter rund 35 Prozent der russischen Gasexporte nach Europa abdecken.

Zwar gelten die zwei Pipelines als Konkurrenzprojekte, doch haben beide Betreiber-Konsortien offiziell wiederholt betont, dass angesichts des wachsenden Gasbedarfs für die Versorgung der EU beide Rohrleitungen notwendig seien. Mehr ...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2010)

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44 Kommentare
 
1 2
Gast: Luigi Rizzo
29.04.2010 12:51
0 0

Österreich..

ist doch sowas von unwichtig.Sollte an D gegliedert werden und der Süden an Slowenien und Italien

Gast: Bergfink
26.04.2010 12:20
0 0

Wie wärs mit nem Abkommen zu

Alternativen Energien...viel besser als fossile Energien hin und her zu schieben

Staunton
25.04.2010 15:38
0 0

Die Fischer-Kritiker gehören wirklich zu den dümmsten Forumsteilnehmern

Einerseits behaupten sie immer, Fischer wäre ein radikaler Linker bis hin zum Unterstützer von Nordkorea, andererseits werfen sie ihm aber gleichzeitig vor, stets zu verschwinden, wenn es zum Kampf im Parlament oder sonst wo kommt.

Wie kann man bei so einem Verhalten gleichzeitig "radikaler Linker", "Steinzeitkommunist" u. dgl. sein, wie das einige Blödköpfe immer wieder behaupten? Wenn man immer zurückzuckt oder die Kurve kratzt, wenn Widerstand oder Ungemach auftauchen?

Und noch einen kleinen Unterschied darf man den Diplom-Dummköpfen aufzeigen. Würde Fischer unter Steinzeitkommunisten während einer wichtigen Abstimmung verschwinden, würde er überhaupt nicht mehr auftauchen. Dafür würden nämlich die Steinzeitkommunisten sorgen.

Antworten Gast: Löser
25.04.2010 15:48
0 0

Re: Die Fischer-Kritiker gehören wirklich zu den dümmsten Forumsteilnehmern

Kommunisten wissen eben nicht wozu ein Parlament da ist, sein Meister in Nordkorea konnte es ihm einfach nicht erklären was er dort machen sollte

Antworten Antworten Staunton
25.04.2010 18:01
0 0

Sie haben meine Befürchtungen bestätigt, was die geistigen Fähigkeiten der Fischer-Kritiker anbelangt

Soll ich Ihnen vielleicht den letzten Satz meines Kommentars noch einmal mit einer 100seitigen Abhandlung erklären? Falls ich einmal irrtümlich dafür Zeit haben sollte?

Alle anderen werden es ja in ca. 0,5 - 0,7 Sekunden verstanden haben, was mit diesem Satz gemeint ist.

Gast: Gast
25.04.2010 15:25
0 0

Bravo

Putin hat eine ausgezeichnete Rede in deutscher Sprache gehalten. Respekt!

Gast: Beobachter
25.04.2010 14:58
0 0

Feymans Fuehrungsoffizier zu Gast

Um die Praesidentenwahl zu ueberwachen. Keine Angst, ist schon alles vorbestimmt, die Stimmzettel bereits ausgefuellt, bereit zum "Auszaehlen".

0 0

'Mit Muskeln aus Gas...'

rather poor .. des Titels Wahl. Dazu die belanglose, unnoetige Bemerkung zur 'Erkaeltung' von Putin.
'Schoernalismus' auf Oesterreichische Art. Belangloser Quatsch, der des gleichen sucht.
Niveauloses Quaken eines Schoernalisten der Presse. Mama Mia, Eurer Glueck dass es in AUT nur eben 7 Mio EW gibt, davon die Haelfte Kronenzeitung liest.

Staunton
25.04.2010 08:46
0 5

Fischer hatte eigentlich großes Glück, dass er beim Gespräch mit Putin überhaupt ausreden konnte,

bevor ihn der ÖVP-Wirtschaftsminister Mitterlehner, bewaffnet mit der Mappe der ÖVP-Lieblingklientel, "zur Seite stieß" und sich mit Sternderln in den Augen an Putin herandrängte.

Was bekommt Fischer eigentlich dafür, wenn er für die ÖVP-Klientel immer den Türöffner und Rutschenmacher spielt?

Sollten die Industriellenvereinigung und die Wirtschaftskammer nicht zumindest ein großes Bild von Fischer in ihren Räumen aufhängen und jeden Tag im Stephansdom eine große Kerze für ihn anzünden lassen?

Antworten Gast: UKW
25.04.2010 10:35
2 5

Wirtschaft sind wir alle!

Die Wirtschaft ist nicht die Klientel der ÖVP, sondern die von allen Österreichern in der Privatwirtschaft, weil sie für Arbeitsplätze sorgt. Für die meisten halt. Dann gibt es auch noch solche Leute, die ihre Arbeit im geschützten Sektor von der Partei zugewiesen bekommen haben und im Gegenzug Parteidienste leisten müssen - Wie zum Beispiel hier die SPÖ-Klassenkämpfersprüche aus dem vorvorigen Jahrhundert zu verteidigen.

5 1

Der letzte satz............

Putin hätte Fischer beispielsweise erklären können, wie man mit einer durch eine Flugzeugkatastrophe schwer getroffene Nation wie Polen mitfühlend umgeht – und dass es in Europa schlecht ankommt, wenn man ein Staatsbegräbnis mit hanebüchenen Ausreden schwänzt - gefaellt mir ..............

1 2

Mr. Putin kommt eben gerne zu den Mächtigen Werner Faymann auf einen Kaffee

Sir Putin weiss, in Wien gibt es einen guten Kaffee. Um diesen nicht alleine zu trinken, hat er die Botschaft Österreichs verständigt, damit Faymann ihm Gesellschaft leistet.

Faymann ist weltweit bekannt. Denn immerhin schätzen ihm die Menschen auf dem Globuss.

So wie Faymann, möchte auch Sir Putin sein. Sozial, fair und kompetent.

Sie verstehen sich gut, weil Sie beide für die Menschen gute Arbeit leisten.

Wahrscheinlich wollte Sir Putin auch gleich Dr. Heinz Fischer zu Wiederwahl gratulieren. So wie es sich gehört.

Die Österreichische Elite hat globalweit ihren Namen.


Antworten Gast: juandaustria
25.04.2010 10:25
1 1

Ja so "Mächtige" wie Faymann, der nicht einmal ein Drittel der Wähler und gerade mal ein Viertel der Österreicher hinter sich hat, daran

wird sich Putin sicher ein Vorbild nehmen und hat auch schon des mächtigen Faymanns Füße geküsst und liegt vor der roten österreichischen Elite im Staub, ob ihrer Macht und elitären Weisheit und Führungsfähigkeit.

Da reisst ein Böllerschuß auf einmal Michi aus dem Schlaf und den Socken...: Hab ich etwa nur geträumt, ich sei Heinz Faymann, der rote Kaiser von Östergarn?

Ja, wenn das so ist, dann werde ich wieder vernünftig und geh nicht zur Wahl oder wähle weiß..., am besten wähle ich aber den Gehring und fahre dann mit meinen Genossen mit dem Globuss rund um den Globus.

2 2

Wenn ich mir die bilder...........

von hr. putin und unserem bk so ansehe, habe ich immer das gefuehl, dass neben hr. putin ein guertelzuhaelter steht ......................

Gast: Wiener
24.04.2010 22:03
2 2

Wie immer:

Putin = Staatsmann ( ganz gleich was man von seiner Politik denkt)
Faymann = peinlich
Fischer = oberpeinlich
Putin bitte entschuldige aber die Leute wurden tatsächlich gewählt...

Antworten Gast: Gast
25.04.2010 15:28
0 0

Re: Wie immer:

Putin ist ein hochintelligenter Staatsmann.

Karl Kater
24.04.2010 21:52
2 2

.

Warum schmerzt es einen österreichischem Staatsbürger das Wernerchen neben internationalen Politgrößen sehen zu müssen?

Gast: UKW
24.04.2010 21:07
2 2

Putin ist ein Leichtgewicht gegen Fayman

Er kann vom Genossen Fayman noch viel lernen, wie man die Med---ien kauft und besticht.

Antworten scf
25.04.2010 12:17
0 0

Re: Putin ist ein Leichtgewicht gegen Fayman

Ich denke da weiß jemand über den Werdegang Putins nicht ausreichend bescheid.

Gast: Bürger
24.04.2010 19:32
2 1

HeiFi und Feynachtsmann...

...werden es garantiert schaffen, das von der ÖMV wesentlich getragene Projekt Nabuccho zu torpedieren. Bei solchen Politikern braucht man keine Zukunftsängste haben.

Antworten Gast: UKW
24.04.2010 21:05
0 1

Die ÖMV heißt schon seit Ewigkeiten nicht mehr ÖMV

Sondern OMV.

1 3

Von RasPutin Deutsch gelernt!

"...schwellt im Himmel über dem Ballhausplatz plötzlich das Knattern..."
Über die Schwelle schwellt der Schwal der Schwulst und schwillt.

Antworten Svenfekter
25.04.2010 11:18
0 0

Re: Von RasPutin Deutsch gelernt!

Selbst du musst erkannt haben, wie unwichtig Österreich International ist... Alleine das Bellen macht niemanden zu einer Grossmacht!

0 5

RasPutins Deutsch!

"...schwellt im Himmel über dem Ballhausplatz plötzlich das Knattern..."(sic!)
Über die Schwelle schwellt der Schwall der Schwulst und schwillt!

Antworten Palko
24.04.2010 22:32
1 0

Re: RasPutins Deutsch!

... und wenn Sie das auf russisch sagen können, dürfen´s ätzen, sonst: maltschi!
(schweig!)

Gast: pont9
24.04.2010 19:16
3 0

Visa für Russland sind Rest des kalten Krieges

Gehen Sie davon aus, dass wer als Russe, Tschetschene, Südkaukasier usw. in Österreich kriminell sein will, es bereits ist. Die Visabestimmungen sind in beide Richtungen anachronistisch. Weg damit! Freien Weg nach St.Petersburg!

 
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