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Großbritannien: Cameron geht an die Arbeit

13.05.2010 | 18:09 |  Von unserem Korrespondenten AXEL REISERER (Die Presse)

Für die Sanierung des Budgets steht ein 6-Milliarden-Pfund-Sparpaket bereit. Erste Maßnahme: Die Regierung kürzt die eigenen Gehälter um fünf Prozent.

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London. Ein Hauch des Weißen Hauses lag über 10 Downing Street, dem Sitz des britischen Premierministers, als sich der neue Regierungschef David Cameron und sein Vize Nick Clegg erstmals gemeinsam der Presse präsentierten. In einer perfekten Inszenierung hatte man nach amerikanischem Vorbild den Garten des Amtssitzes gewählt und verströmte ungebremste Euphorie: „Wir werden Großbritannien eine starke und stabile Führung geben“, versprach Cameron. Und Clegg sprach gar von einer „historischen Wende“.

GB: Die Gesichter der neuen Regierung

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In bisher ungewöhnlicher Transparenz veröffentlichten Konservative und Liberale gleich darauf auch ihren Koalitionsvertrag.

Die Parteien haben sich darin auf eine fünfjährige Legislaturperiode festgelegt (bisher hatte der Premier die Prärogative, das Parlament nach Gutdünken auflösen zu dürfen), in der eines im Mittelpunkt stehen wird: der Abbau des gigantischen Budgetdefizits von zuletzt 163 Milliarden Pfund (11,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, Österreich: 4,7 Prozent).

In den kommenden Tagen werden weitere Vereinbarungen zu den Bereichen Innen-, Außen- und Verteidigungspolitik folgen. Hier die wichtigsten schon feststehenden Politikvorgaben im Detail:

•Defizit und Staatsausgaben. Die Parteien planen einen „deutlich beschleunigten Abbau des Defizits“. Ausgabenkürzungen stehen im Vordergrund, Steuererhöhungen werden nicht ausgeschlossen. Innerhalb von 50 Tagen soll ein „Notstandsbudget“ mit „bescheidenen“ Kürzungen von sechs Milliarden Pfund vorgelegt werden. Im Herbst beginnt eine Prüfung aller Staatsausgaben, von Kürzungen ausgenommen werden nur das Gesundheitswesen und die Entwicklungshilfe. Als erste Maßnahme beschloss die Regierung am Donnerstag, die eigenen Gehälter um fünf Prozent zu kürzen und für fünf Jahre einzufrieren.

Die von den Liberalen in Zweifel gezogenen britischen Atom-U-Boote werden einer Kosten-Nutzen-Prüfung unterzogen. In der Steuerpolitik verzichten die Konservativen auf Erleichterungen bei der Erbschaftssteuer, die Liberalen verwandeln dafür ihren Plan, alle Einkommen bis 10.000 Pfund von der Steuer zu befreien, in ein „langfristiges Ziel“. Der Euro wird „während der Amtszeit dieser Regierung“ nicht eingeführt.

Bankenreform. Mit dem Finanzsektor will die neue Regierung härter als ihre Vorgängerin umgehen: Eine neue, vorerst nicht näher definierte Abgabe kommt, gegen „inakzeptable“ Bonuszahlungen wird „robustes“ Vorgehen angekündigt, und die Aufsicht soll an die Bank of England zurückgehen.

•Einwanderung und Bürgerrechte.
Die Konservativen setzten sich mit ihrer Forderung nach einer Obergrenze bei der Zuwanderung durch. Die von beiden Parteien abgelehnten Personalausweise werden nicht eingeführt, für die allgegenwärtigen Überwachungskameras werden erstmals verbindliche Vorschriften eingeführt, ein Missbrauch der Antiterrorgesetze soll mit neuen Bestimmungen verhindert werden.

Politische Reform. Die Regierung verpflichtet sich zur Abhaltung einer Volksabstimmung über eine Modifikation des Wahlsystems durch Einführung des sogenannten „Alternative Vote“-Systems. Dieses erlaubt den Wählern eine Reihung von Kandidaten, ist aber kein Verhältniswahlrecht. Wähler erhalten auf diese Weise das Recht, Abgeordnete abzuberufen. Das Oberhaus soll zu einer „voll oder vorwiegend“ gewählten zweiten Kammer umgebaut werden. Die Kommunen erhalten mehr Macht und ausgeweitete Finanzhoheit. Die Liberaldemokraten hatten auf die Einführung des repräsentativen Wahlsystems gehofft.

Erziehung. Neue Schulbetreiber wie etwa Elterngruppen – eine Kernidee der Konservativen – sollen zugelassen werden, den Universitäten wird „angemessene Finanzierung“ versprochen. Neue, kommunitaristische Ideen, die sonst eher von Grün-Politikern kommen.

•Umwelt. Die Regierung stoppt die Erweiterung der Londoner Flughäfen und will den Bahnausbau forcieren. Die Flugsteuer wird künftig je Flug eingehoben. Erneuerbare Energien werden gefördert, zudem kommt eine „grüne“ Investitionsbank. Die Liberalen verpflichten sich, den Bau neuer Atomkraftwerke nicht zu verhindern, sofern sie die neuen Planungsvorschriften erfüllen.

•Fazit.
Eine liberale Regierung unter konservativer Führung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2010)

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13 Kommentare
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...tut mir leid für das eigene rumblöcken


Antworten Weitweg
13.05.2010 22:38
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Re: ...tut mir leid für das eigene rumblöcken

Jetzt rauchen aber die Finger, oder? :o)

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Teil 4/4 (Gelddrucken und Inflation)


- Die US-Lösung: - Gelddrucken, es schadet „scheinbar“ nicht - durch Milliardenhilfen an die Wirtschaft kommt auch ein kleiner Teil bei der Masse an - außerdem vermeidet man „vorerst“ Währungsflucht und soziale Unruhen - unangenehm - die Staatsschulden explodieren - das Mißtrauen der Märkte hält sich aber „noch“ in Grenzen.

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Re: Teil 4/4 (Gelddrucken und Inflation)


- Die uralte Inflations-Erwartung: Inflation steigt, wenn immer mehr von Sozialtransfers leben und nicht mehr an der Güterproduktion teilnehmen.

Transferempfänger erhalten keine Kredite und kaufen daher auch keine langlebigen Konsumgüter (Autos, TVs,…), sie kaufen auch keine Häuser, sie buchen keine Urlaubsreisen, sie kaufen weniger und billigere Lebensmittel, sie wohnen billiger oder gleich bei den Eltern - sie leben nur noch von der Hand in den Mund.

All die davon betroffenen Branchen müßten aufgrund massiver Absatzeinbrüche Mitarbeiter abbauen und würden so das Heer der Transferempfänger noch weiter vergrößern.

Am Ende dieser Entwicklung werden weniger Güter nachgefragt als jetzt - die Preise würden daher nicht steigen - vielmehr setzt sich eine deflationäre Spirale in Gang, welche in eine Depression mündet.

Die ganze Inflationshysterie dient einzig allein dazu, dass die Leute ihre Sparguthaben auf den Kopf hauen und so für Wachstum sorgen.

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Teil 3/4 (Spekulation)


…wohin mit dem ganzen Papier ? - Investitionen in die Realwirtschaft erzeugen nur Überkapazitäten und damit sicher nicht die Renditen, die der Finanzmarkt verlangt.

Also bleibt nur der Finanzmarkt und da die Königsdisziplin, die Spekulation, das Spiel mit dem Risiko - Risiko bedeutet laut Duden Verlustmöglichkeit bei unsicherer Unternehmung.

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Re: Teil 3/4 (Spekulation)


Hingegen wenn man weiß wo die Verlustmöglichkeiten drinnenstecken, weil man ja selbst beim Verstecken geholfen hat und andere wiederum dumm oder korrupt sind oder beides - ja dann kann man sogar spekulieren „mit Netz“, also "FoolProof".

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Re: Re: Teil 3/4 (Spekulation)


Amerika's Kompetenz und Expertise liegt eindeutig in der Finanzwirtschaft - Structured Investments - das bedeutet - Risiko an die einen verkaufen und die Rendite an die anderen.

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Other Peoples Money - die Wurzel des Übels


Teil 2/4 (Kapitalkonzentration)

Renditen kann nur die Realwirtschaft verdienen - die Renditen der Realwirtschaft sinken aber kontinuierlich - warum ?

Der Grund ist die Kapitalkonzentration -

Konzerne drücken die Löhne durch Produktionsverlagerungen -
Konzerne senken für "sich" durch Lobbying die Steuerbelastung -
Konzerne erhalten bei Schieflage durch Winken mit der Arbeitsplatzkeule Steuermilliarden.

Geringverdiener verlangen nach immer billigeren Waren und drehen die Spirale weiter.

Banken vergeben einen Milliardenkredit lieber an Hedgefonds, als an tausende Häuslbauer und Kleinunternehmer - die Fonds versprechen 8% Rendite, die Häuslbauer viel Mühe.

TaxHaven sammeln kriminelle Gelder und helfen auch Steuersparern.

Geld-Pools (Pensionen, Rücklagen,..) versprechen den Leuten arbeitsloses Einkommen.

China quetscht seine Arbeiter aus und sammelt gleichzeitig einen Geldberg von über 2.000 Mrd. USD an.

Ölproduziernde Staaten spült es in Phasen explodierender Erdölpreise gigantische Geldsummen in die Kassen und….

…wohin mit dem ganzen Papier ?

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Teil 3/4 (Spekulation)


…wohin mit dem ganzen Papier ? - Investitionen in die Realwirtschaft erzeugen nur Überkapazitäten und damit sicher nicht die Renditen, die der Finanzmarkt verlangt.

Also bleibt nur der Finanzmarkt und da die Königsdisziplin, die Spekulation, das Spiel mit dem Risiko - Risiko bedeutet laut Duden Verlustmöglichkeit bei unsicherer Unternehmung.

Hingegen wenn man weiß wo die Verlustmöglichkeiten drinnenstecken, weil man ja selbst beim Verstecken geholfen hat und andere wiederum dumm oder korrupt sind oder beides - ja dann kann man sogar spekulieren „mit Netz“, also "FoolProof".

Amerika's Kompetenz und Expertise liegt eindeutig in der Finanzwirtschaft - Structured Investments - das bedeutet - Risiko an die einen verkaufen und die Rendite an die anderen.

„Smart Money“ (Private Equity, Hedgefonds,..) ist dem „Dumb Money“ Pensions- und Investmentfonds immer überlegen, denn diese Massenfonds treiben selbst die Preise, sobald sie die Richtung ändern.

Die profitabelsten Trades gibt es daher, wenn die Herde losstürmt, egal, ob berechtigt oder provoziert. (CDS-Spreads, Shortselling,…)

- Fazit: Es gibt weltweit weder den politischen Willen dieses vagabundierende Kapital wieder einzufangen noch etwas am Status Quo zu ändern. (Taxhaven, Steuerbegünstigungen, Stiftungen,…) - daher gibt es auch keine Vorstellung darüber, wie der finale Kollaps diesesmal ablaufen wird.

Also weiter Gelddrucken ?

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Other Peoples Money - die Wurzel des Übels


Teil 1/4 (Das Monopoly-Spiel)

Wallstreet ist keine Charity-Veranstaltung - hier geht es um Geld, nämlich um das Geld der anderen (OPM).

Die "Anything-goes-Era" ist tot und die davon abgeleitete "Kappazunder-Logik" auch, denn dazu braucht es eine Menge Verlierer auf der anderen Seite des Spiels.

Kapitalismus ist ein Nullsummenspiel - Profit entsteht durch die Verschuldung der anderen - kann sich niemand mehr verschulden, steht die Mühle.

Aus diesem Grund hat das kapitalistische System ein Ablaufdatum (Monopoly), dieses kann durch Ausweitung der Verschuldung (Subprime) oder durch neue Player (China,..) aufgeschoben werden.

Wallstreet und Charity - ein Gegensatz ? - nein, denn ein großer Teil des Spielgeldes kommt von steuergeschonten Charity-Trusts (Stiftungen) und sucht dringend nach Höchstrenditen.

Renditen kann nur die Realwirtschaft verdienen - die Renditen der Realwirtschaft sinken aber kontinuierlich - warum ?

Antworten Gast: Freiheit
13.05.2010 15:33
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Re: Other Peoples Money - die Wurzel des Übels

Wieder so einer. Populist und keine Ahnung. Langsam wundert es mich nicht warum in wir kein Wachstum zusammen bringen. Der Kapitalismus existiert seit es die Menschen gibt. Klar hat er erst mit Smith seinen Namen, wissenschaftliche Arbeiten erhalten aber mein lieber Freund, die Menschheit existiert zum Teil gerade weil unsere Vorfahren Spekulanten und Kapitalisten waren - Sammler/Jaeger und der Warenaustausch dadurch wie das Horten von Waren - siehe Bibel Altes Testament - Josef. Jeden Tag bin ich zu 100% sicher treffen sie mehrere spekulative Entscheidungen. Mache ich das oder das. Ausserdem zu ihrem Kommentar die Renditen der REalwirtschaft sinken kontinuierlich - ich nehme mal an sie arbeiten fuer den Staat aber nicht fuer eine Firma sonst wenn das wirklich der Fall waere wuerden schon laengst keinen Job mehr haben!!

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…offensichtlich ist es einfacher ein wenig rumzublöcken, anstatt nachvollziehbare Argumente oder Schlußfolgerungen zu bringen.


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…können Sie in einem Satz schreiben, was Sie überhaupt meinen ?


…das kapitalistische System hat keiner für tot erklärt, es muss nur von Zeit zu Zeit neu gestartet werden - jeder der glaubt es könne endlos aufwärtsgehen ist ein Träumer.