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Briten kehren Überwachungsstaat den Rücken

25.05.2010 | 18:40 |  AXEL REISERER (LONDON) (Die Presse)

Trendwende in Europa? Londons neue Regierung verzichtet auf Vorratsdatenspeicherung und biometrische Pässe. Clegg fordert die Briten auf: "Lasst uns wissen, welche Gesetze wir nicht mehr brauchen."

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LONDON. Wer London als Tourist durchquert, wird im Laufe eines einzigen Tages 300-mal von Überwachungskameras erfasst. Noch wesentlich mehr Informationen sammelte der britische Staat bisher über seine eigenen Bürger: Fast 50Datenbanken betreiben die Behörden und erfassen alles von Krankenhausbesuchen bis zu potenziell zu Kriminalität neigenden Kindern. Die neue Regierung hat sich nun zum Ziel gesetzt, mit diesem „Big Brother“-Staat aufzuräumen.

Kernstück der Dienstag traditionell von Queen Elizabeth II. verlesenen Regierungserklärung der Konservativ-Liberalen ist das sogenannte „Freiheitsgesetz“, das noch vor der Sommerpause des Parlaments beschlossen werden soll. Großbritannien, anders als von der EU vorgesehen, gibt keine Reisepässe mehr mit biometrischen Daten aus.

 

Ende der Sicherheitsparanoia

Erstmals soll es zudem einheitliche gesetzliche Regelungen für Überwachungskameras geben. Die Sammlung und Speicherung von DNA-Daten in zentralen Datenbanken soll ebenfalls neu geregelt und radikal eingeschränkt werden. Auch die sogenannte Vorratsdatenspeicherung, derzufolge Telekommunikationsfirmen Anrufdaten ihrer Kunden archivieren, wird fallen.

Konservative und Liberaldemokraten rücken mit dieser Agenda radikal von der Politik der Labour-Regierung in den vergangenen 13 Jahren ab. Als Innenminister waren harte Knochen wie David Blunkett und John Reid bemüht, der Bevölkerung einzuhämmern, dass man ihre Ängste ernst nähme.

Das erwies sich freilich als Pakt mit dem Teufel. Immer neue Vorschriften und Strafen musste Labour erlassen, um ihre Durchschlagskraft auf dem Gebiet der Sicherheit zu beweisen. Mehr als 4000 neue Delikte fanden in den 13Jahren Labour den Weg in die Gesetzbücher. Um all diese Übertretungen kontrollieren und bestrafen zu können, wurde die Überwachung gnadenlos ausgeweitet.

Ausgerechnet im Mutterland der Demokratie wurde „Big Brother“ immer größer. Das alles geschah im Namen des Kampfes gegen den Terror, der im Juli 2005 in London zugeschlagen hatte. Auf einmal war Großbritannien ein Vorreiter, wenn es galt, bürgerliche Freiheiten zu schwächen und auszuhöhlen.

Wer unter Terrorverdacht stand, den konnte die Polizei bis zu 42 Tage festhalten. Selbst das Folterverbot wurde im Kampf gegen den Terror gebrochen. Grundrechte wie die Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit konnten eingeschränkt werden. Zugleich erlaubte die exzessive Auslegung des Rechts auf Schutz vor übler Nachrede schwerwiegende Eingriffe in die Pressefreiheit.

Jetzt wendet sich das Blatt. Großbritannien drängt den Überwachungsstaat wieder zurück. Wird bald auch auf dem Kontinent die Sicherheitsparanoia abnehmen?

 

Entsorgung von Gesetzen

Großbritanniens liberaler Vizepremier Nick Clegg hat die Bürger in seiner ersten Rede nach Amtsantritt aufgefordert: „Lasst uns wissen, welche Gesetze wir nicht mehr brauchen.“

Dieser Appell trifft sich mit einem Urinstinkt der britischen Konservativen, die einem übermächtigen Staat prinzipiell skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen. Der echte Tory glaubt an die freie Wirtschaft und den freien Menschen.

AUF EINEN BLICK

In der Rede der Queen wurde noch eine Reihe anderer wichtiger Regierungsvorhaben vorgestellt:

Strikter Sparkurs. „Oberste Priorität“ erhalten die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums und die Defizitreduzierung. Ein neues Amt für Haushaltsverantwortung soll künftig verlässliche Infos über die Wirtschaftslage liefern.

Europa. Volksabstimmung bei neuen EU-Vertragsänderungen.

Schulreform. Größere Freiheiten für die Schulen bei der Erstellung der Lehrpläne.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2010)

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30 Kommentare
 
1 2
Gast: gast
26.05.2010 13:10
0 0

Wer gegen die Überwachung ist, ist für U-Bahn-Schubser, Drogendealer und Terroristen. Ganz einfach.

Ich hoffe, daß die Überwachung in Österreich noch massiv ausgeweitet wird.

Sicherheit ist wichtiger als "Freiheit".

Wer das anders sieht, lebt hinter dem Mond.


Antworten PERSIL
28.05.2010 07:36
0 0

Re: Wer gegen die Überwachung ist, ist für U-Bahn-Schubser, Drogendealer und Terroristen. Ganz einfach.


Waffen für freie Bürger heißt die Antwort darauf !

Nicht noch mehr Überwachung, die tatsächlich keine Sicherheit bringt, sondern nur ein subjektives Sicherheitsgefühl.

Waffen sind da wesentlich objektiver !


Antworten Gast: Gast
26.05.2010 14:44
1 0

Re: Wer gegen die Überwachung ist, ist für U-Bahn-Schubser, Drogendealer und Terroristen. Ganz einfach.

Sie sind offensichtlich alt und schwach, so wie ein großer Teil unserer Bevölkerung, denen die Zukunft unserer Kinder am Arsch vorbeigeht.
Mehr Spießbürger und Pensionisten benötigt diese Land!

Antworten Antworten Gast: gast
26.05.2010 19:04
0 0

Re: Re: Wer gegen die Überwachung ist, ist für U-Bahn-Schubser, Drogendealer und Terroristen. Ganz einfach.

"Sie sind offensichtlich alt und schwach, so wie ein großer Teil unserer Bevölkerung, denen die Zukunft unserer Kinder am Arsch vorbeigeht."

Die Zukunft unserer Kinder liegt in Trümmern, wenn nicht mehr überwacht wird.

Vom Überwachen ist noch niemand gestorben.

Vom Totprügeln und U-Bahn-Schubsen schon.

Antworten Antworten Antworten Gast: Gast
26.05.2010 20:53
0 0

Re: Re: Re: Wer gegen die Überwachung ist, ist für U-Bahn-Schubser, Drogendealer und Terroristen. Ganz einfach.

Eine von Angst und Duckmäusertum geprägte Welt, in der Sie sich offenbar wohl fühlen, wird immer mehr Totprügler und U-Bahn-Schubser hervorbringen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: gast
26.05.2010 22:16
0 0

Re: Re: Re: Re: Wer gegen die Überwachung ist, ist für U-Bahn-Schubser, Drogendealer und Terroristen. Ganz einfach.

"Eine von Angst und Duckmäusertum geprägte Welt"

Angst zu haben ist keine Schande*) und es ist wohl kaum als "Duckmäusertum" zu bezeichnen, wenn auf nicht wegzuleugnende Bedrohungen mit Gegenmitteln geantwortet wird.

*) Vielmehr ist die aus dem behaglichen Schutz der beheizten Wohnung im Nebel wohlgenährt-dumpfer Seligkeit zum Ausdruck gebrachte Niedertracht gegenüber den Leidtragenden der Gewalt auf der Straße, der man heute wehrlos ausgeliefert ist, als Schande zu bezeichnen.

Gast: gast
26.05.2010 11:56
0 0

es braucht keinen staat mehr

für die überwachung das erledigt googl schon besser

Gast: Gast
26.05.2010 11:09
1 0

ENDLICH

ich hoffe sehr dass Großbritanniens Vorbild Schule macht.. Auch Österreich nähert sich neuerdings in seinem - völlig unnötigen Sicherheitswahn - einem totalitären Überwachungsstaat an.

Auf Flughäfen kann man wie ein Verbrecher durchsucht werden, weil irgendwas an den Schuhen piepst..??

Lieber einen Verbrecher nicht fangen, als die ganze Bevölkerung unter den permanenten Verdacht der Rechtsbrechung zu stellen..

Und WEG mit dem Terrorismusgesetz!!!!


Antworten Gast: gast
26.05.2010 13:05
0 0

Re: ENDLICH

"Lieber einen Verbrecher nicht fangen, als die ganze Bevölkerung unter den permanenten Verdacht der Rechtsbrechung zu stellen.."

Ich akzeptiere Ihre Meinung.

Akzeptieren Sie auch meine?

Lieber jeden Bürger bis ins letzte Detail überwachen, bevor auch nur ein Verbrecher frei herumläuft.

Antworten Antworten Peregrin
26.05.2010 13:41
0 0

Re: Re: ENDLICH

Ihre "Meinung" ist ein Aufruf zur Gewalt gegen andere Menschen und daher natuerlich nicht akzeptabel.

Antworten Antworten Antworten Gast: gast
26.05.2010 19:07
0 0

Re: Re: Re: ENDLICH

In meiner Meinung ist kein Aufruf zur Gewalt zu finden.

Jemanden zu überwachen, ist kein Akt der Gewalt. Außer, wenn man eine gutmenschliche '68er-Definition des Wortes "Gewalt" anwendet.

Also bitteschön, erfinden's Doch nicht gleich etwas dazu, nur weil Sie keine Gegenargumente zur Richtigkeit und Notwendigkeit der Überwachung haben.

Vielen Dank auch.

parapente
26.05.2010 09:30
1 1

"Wer Schwerter zu Pflugscharen schmiedet


wird für die pflügen, die das nicht gemacht haben!"

3 0

Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.

(Benjamin Franklin)

Haben die Engländer was verstanden?

In der EU geht ja alles froh und munter weiter in die andere Richtung: also weniger Freiheit.

Wenn es nach unserem BP Heinzi ginge hätte der Bürger 0 Freiheiten, denn er ist ja zu blöd Entscheidungen zu treffen, das muss die Partei machen. So sagt es der Gleichere in seinem Buch. Und er wurde zu 80% wiedergewählt!

PERSIL
26.05.2010 08:10
1 2

Eine rechtere Regierung bringt


mehr Freiheit für die Bürger !

Leider haben das noch nicht alle Österreicher begriffen und wählen immer noch RotSchwarzGrün mit ihren Überwachungsphantasien.


El Barato
26.05.2010 00:36
1 0

Hear, hear.


Ogum
26.05.2010 00:08
1 0

Weniger Gesetze, das wäre in Österreich sehr notwendig!

Solange aber die Parteien ihre jeweilige Klientel bedienen müssen und nahezu beliebig Gesetze verabschieden, die außer bestimmten Interessensgruppen niemandem nutzen, bleibt das leider Illusion

Gast: Gast
26.05.2010 00:06
0 0

Großbritannien, anders als von der EU vorgesehen, gibt keine Reisepässe mehr mit biometrischen Daten aus.

Bauens die Chips gleich in die Briten ein, damits sas ned verlieren können?

Na, ohne Scherz, in Wirklichkeit könnens das ned ernst meinen, schon allein die Kohle was da investiert wurde und jetzt wirds nach ein paar Jahren einfach abgedreht, einfach so, wegen einer Wahl!

Na, ich glaub das ist nur eine ganz, ganz fiese populistische Maßnahme um vom Finanzdebakel und den Steuererhöhungen abzulenken.

Ein Schelm wer böses denkt.

Iason
25.05.2010 23:41
0 0

Einfach unglaubwürdig, was die britische Regierung hier erzählt

GB ist mittlerweile DER Überwachungsstaat gleich nach Nordkorea geworden.
Selbst wenn die 50% dieser Überwachung aufgeben, sind sie noch knapp hinter Norkorea.
Wie lange lassen sich die Briten eigentlich noch verar***?

Gast: frage
25.05.2010 23:15
0 0

kann man die hier auch wählen ?

„Lasst uns wissen, welche Gesetze wir nicht mehr brauchen.“

Gast: Gast
25.05.2010 23:00
2 0

Bravo

Daran können sich unsere Politiker und der Rest der EU ein Beispiel nehmen!!!! Keine Reisepässe mit biometr. Daten , keine Vorratsdatenspeicherung, starke Einschränkung d. Sammlung und Speicherung von DNA Daten, etc.

Ich bin gespannt, ob und wann die Kontrollf- und Überwachungsreaks der EU die Regelungen ebenfalls fallen lassen.

4 0

wow

Wenn das stimmt, dann ist es ein sehr gutes Zeichen - wichtiger noch, als alles andere. Denn das ist 'democracy in the making'...
Macht weiter so und steckt den Rest der Welt an!!

Antworten Gast: no eye
25.05.2010 23:33
0 0

Re: wow

abwarten - das nennt man "Vertrauensaufbau" - das nächste 9/11 steht unmittelbar bevor - dann werden auch in GB die Schalter plötzlich wieder auf totalüberwachung umgelegt - wie auch in der restlichen EU

nur nicht täuschen lassen - das spiel geht erst los :-P

Gast: Datenschutzgutmensch
25.05.2010 22:08
2 3

Überwachung und biometrische Pässe sind pöhse.

Islamistischer Terrorismus und Passfälschung waren in London dagegen noch nie ein Problem.

Auch die Shariagerichte in England sind nicht das Problem.

Und die Jugendbanden haben ein Recht auf Privatsphäre ohne Kameras, wenn sie ihre Opfer verprügeln.

Damit sie auch morgen noch kraftvoll zuschlagen können.

0 0

Angsthaserl...

...

Antworten Antworten Gast: gast
26.05.2010 13:07
0 0

Fragt sich, wer hier der Angsthase ist...

...ich? Oder einer, der sich vor Angst vor den Überwachungskameras ins Hoserl macht?

Gast: hugo
25.05.2010 20:39
12 0

meine hochachtung

vor allem dem ansinnen keine pässe mehr mit biometrischen daten auszustellen! ganz europa sollte diesen weg gehen u keinen kniefall vor eh schon wissen mehr machen.

 
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